Pferdefleisch war mit Medikamenten verseucht

14. Februar 2013, 13:07 Uhr

Eigentlich ist Pferdefleisch nicht schädlich - es sei denn, die Tiere bekamen Medikamente. In Großbritannien wurden solche Fälle nachgewiesen. Inzwischen wurde auch in Edeka-Lasagne Pferd gefunden.

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Das Medikament Phenylbutazon wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport.©

Nicht nur eklig, sondern auch gefährlich: Aus Großbritannien ist nach Angaben des britischen Landwirtschaftsministers David Heath Pferdefleisch nach Frankreich exportiert worden, das mit Medikamenten belastet war.

Spuren des vermutlich für den Menschen gefährlichen Anti-Schmerzmittels Phenylbutazon seien in Proben von insgesamt acht in Großbritannien geschlachteten Pferden gefunden worden, sagte Heath am Donnerstag. Drei dieser Tiere seien nach Frankreich geliefert worden und könnten dort in die Nahrungsmittelkette gelangt sein.

Die britische Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA arbeite mit den französischen Behörden zusammen, ergänzte Heath. Seinen Angaben zufolge wurden Spuren des Medikaments aber nicht in den vom britischen Markt genommenen Tiefkühl-Lasagnen der Marke Findus gefunden. Der Fund von Pferdefleisch in diesen Produkten hatte den Skandal ins Rollen gebracht.

Das Medikament Phenylbutazon wird häufig bei Pferden eingesetzt. Tiere, die damit behandelt wurden, dürfen allerdings nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Bei Menschen wird die Substanz nach Angaben von Verbraucherschützern vereinzelt im Kampf gegen Rheuma eingesetzt. Nebenwirkungen können demnach - auch bei kurzzeitiger Anwendung - Blutungen in Magen und Darm sein. Nähere Erkenntnisse über die Gefahren für den Menschen liegen nach Angaben von Verbraucherschützern bislang aber nicht vor.

Wegen des Pferdefleisch-Skandals wurde ein Kühlhaus in Niedersachsen geschlossen. Die Produkte wurden gesperrt, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit. Eine Firma in Nordrhein-Westfalen, die unter anderem von dem französischen Pferdefleisch-Verarbeiter Comigel beliefert wird, habe Waren in diesem Kühlhaus gelagert. Proben der Produkte würden derzeit in Nordrhein-Westfalen untersucht. Comigel steht im Verdacht, verunreinigtes Fleisch geliefert zu haben.

Deutschland testet Pferdefleisch auf Medikamente

In Baden-Württemberg wurde eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne der Firma Eismann aus dem Handel genommen. Ob in der Lasagne tatsächlich falsch deklariertes Pferdefleisch enthalten ist, werde derzeit untersucht, teilte das Verbraucherministerium in Stuttgart mit.

Bei Edeka wurde Pferdefleisch in Fertiggerichten gefunden. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch entdeckt worden, sagte ein Edeka-Sprecher in Hamburg. Der Artikel sei schon am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, nachdem der Lieferant eine mögliche Beimischung von Pferdefleisch nicht ausschließen konnte. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent.

Die Supermarktkette Real hatte am Mittwoch eine Tiefkühl-Lasagne zurückgerufen, nachdem bei Stichproben Anteile von Pferdefleisch entdeckt worden waren. Neben Eismann überprüfen auch andere Firmen wie Kaiser's Tengelmann, Rewe und Edeka verdächtige Produkte.

Nach den Erkenntnissen aus Großbritannien wollen auch in Deutschland die Behörden untersuchen, ob in Fertiglasagne enthaltenes Pferdefleisch Medikamente enthält. Es müsse jedoch noch geprüft werden, inwieweit solche Tests möglich seien, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums. Unter Umständen stünden nicht mehr ausreichend Proben mit falsch etikettierter Fertiglasagne zur Verfügung, die Pferdefleisch enthalte.

Mehrere Unternehmen hätten in den vergangenen Tagen für Fertigprodukte "stille Rückrufe gemacht, ohne die Behörden zu informieren", sagte der Ministeriumssprecher. Dass deswegen nun unter Umständen nicht mehr genug Fleisch aus Fertigprodukten für Tests zur Verfügung stehe, sei "der Nachteil eigenwilliger Aktionen, die wir kritisieren müssen".

Auch frisches Pferdefleisch werde daraufhin untersucht, ob es Spuren von Phenylbutazon enthält, sagte der Ministeriumssprecher. Hier sei die Prüfung ohne weiteres möglich.

Französische Firma kaufte noch im Januar 42 Tonnen

Die französische Firma Spanghero, die im Zentrum des Pferdefleisch-Skandals steht, kaufte einem Zeitungsbericht zufolge noch Anfang Januar 42 Tonnen Pferdefleisch von einem zyprischen Händler. Die Zeitung "Le Parisien" veröffentlichte das Faksimile einer solchen Rechnung, nachdem Spanghero bisher immer versichert hatte, nicht mit Pferdefleisch gearbeitet zu haben. Die Firma dementierte den Bericht.

Die Zeitung meldete indes, sie habe drei Rechnungen bei den rumänischen Behörden einsehen können, die den Verdacht auf die Firma Spanghero in Südwestfrankreich sowie auf den zyprischen Zwischenhändler Draap lenkten. Diesen Rechnungen zufolge habe die französische Firma 42 Tonnen Pferdefleisch-Schlachtreste wie Muskelbänder oder Fett am 4., 9. und 12. Januar erhalten.

Ein Vertreter von Spanghero versicherte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir haben nie Rechnungen über Pferdefleisch erhalten." Er habe keine Erklärung für den Bericht von "Le Parisien". Alle betroffenen Rechnungen seien der Anti-Betrugsbehörde übergeben worden, Ergebnisse der Untersuchungen würden am Nachmittag erwartet.

Mehrere Medien berichteten unterdessen, der Chef der zyprischen Firma Draap, Jan Fasen, sei im Januar 2012 zu einem Jahr Haft, davon drei Monate auf Bewährung, verurteilt worden. Grund sei gewesen, dass er amerikanisches Pferdefleisch als Halal-Rindfleisch verkauft habe. Dieses Fleisch soll laut "Financial Times", die sich auf niederländische Medien beruft, in Frankreich verkauft worden sein.

Von Zypern wurde am Donnerstag berichtet, ein dortiger Supermarkt habe 16,5 Tonnen Buletten vernichtet. Zyperns oberster Gesundheitsinspektor Christos Christou bezeichnete das als reine Vorsorge.

Strenge Kriterien für die Fleischverarbeitung

Pferdefleisch ist an sich nicht bedenklich. Jedoch brauchen Pferde in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass. "Es muss von Anfang an geregelt sein, ob das Tier später geschlachtet werden soll oder nicht", sagte am der Präsident des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, in Erlangen. "Das steht dann im Pass, und danach muss sich der behandelnde Tierarzt bei der Verabreichung von Medikamenten richten."

Diese Regelung gilt EU-weit für alle sogenannten Equiden - also Pferde, Esel, Zebras und deren Kreuzungen. Grundlage ist eine Verordnung der EU-Kommission vom 6. Juni 2008. Sie soll vor allem bei der Bekämpfung von Tierseuchen helfen.

Nach Angaben des bayerischen Landesamtes werden pro Jahr in Deutschland rund 4000 Tonnen Pferdefleisch produziert. Das ist nur ein Bruchteil der produzierten Menge an Schweine- oder Rindfleisch.

kmi/AFP/DPA
 
 
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