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In ganz Europa: Niederlande rufen 50.000 Tonnen Fleisch zurück

Wochenlang war es ruhig in dem Skandal, jetzt gibt es einen neuen Verdacht auf illegal verarbeitetes Pferdefleisch: Niederländische Behörden warnen fleischverarbeitende Betriebe in ganz Europa.

Die niederländischen Behörden haben rund 50.000 Tonnen Fleisch aus mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, vom Markt zurückgerufen. Das Fleisch sei möglicherweise mit nicht-deklariertem Pferdefleisch vermischt, teilte die Kontrollbehörde für Nahrungsmittel am Mittwoch in Utrecht mit. Die Herkunft des Fleisches sei unklar, die Sicherheit könne daher nicht garantiert werden. Es gebe aber zurzeit keine konkreten Hinweise auf Gefahren für Menschen.

130 Zwischenhändler und fleischverarbeitende Betriebe in den Niederlanden müssen nun die Ware bei ihren Kunden wie etwa Supermärkten aufspüren und aus dem Handel nehmen.

Die deutschen Behörden wurden von dem Nachbarland über den Rückruf informiert. Konkrete Hinweise darauf, ob und wo das Fleisch auch in Deutschland auf den Markt gekommen ist, gibt es jedoch noch nicht. Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in Berlin sagte am Mittwoch, sobald solche Erkenntnisse vorlägen, müssten die Lieferungen aus dem Handel genommen werden.

Nach inoffiziellen Angaben ist davon auszugehen, dass das Fleisch auch in Deutschland auf den Markt gekommen ist. Die Bundesrepublik sei ebenso wie Portugal, Spanien und Frankreich besonders betroffen. Die Ware sei möglicherweise schon seit 2011 ausgeliefert worden.

Rückruf kommt in vielen Fällen vermutlich zu spät

Wahrscheinlich ist ein Teil des Fleisches bereits konsumiert worden, sagte ein Sprecher der niederländischen Behörde. "Aber viel wurde auch in Tiefkühlmahlzeiten verarbeitet, und Frikadellen oder Hamburger sind sehr lange haltbar." Für Verbraucher bestehe keine Gefahr. Allerdings wird nicht ausgeschlossen, dass auch sie aufgefordert würden, Produkte zurückzugeben oder zu vernichten. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Spuren von Pferdefleisch in Tiefkühlprodukten festgestellt worden. Der Skandal zieht seit der Entdeckung von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten in Irland immer weitere Kreise. Die EU-Kommission hat angekündigt, im Herbst Vorschläge für eine Verschärfung der Kennzeichnungspflicht bei Lebensmitteln vorzulegen. Bisher ist eine Herkunftsbezeichnung nur für Frischfleisch vorgeschrieben. Sie soll nun auf verarbeitete Fleischwaren ausgeweitet werden.

anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters