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13. April 2011, 15:58 Uhr

Angst vor "radioaktiver Ansteckung" wächst

Wer als Flüchtling aus der Region Fukushima in einer der Notunterkünfte unterkommen möchte, muss nun per amtlicher Bescheinigung belegen, dass er nicht radioaktiv verstrahlt ist. Unterdessen plant Japans Ministerpräsident Kan, die evakuierten Menschen in Gartenstädten nach deutschem Vorbild unterzubringen.

Fukushima, Naoto Kan, Ministerpräsident, China

Will nach dem Vorbild der deutschen Gartenstädte eine neue Heimat für die Fukushima-Flüchtlinge bauen© Franck Robichon/DPA

Für eine Aufnahme in den Notunterkünften für Tsunami-Opfer in Japan müssen Bewohner aus der Umgebung des havarierten Atomkraftwerks Fukushima neuerdings nachweisen, dass sie nicht radioaktiv verstrahlt sind. Können sie die amtliche Bescheinigung nicht vorlegen, werden sie abgewiesen.

Die Angst vor einer "radioaktiven Ansteckung" geht inzwischen so weit, dass ein Krankenhaus in Fukushima die Behandlung eines achtjährigen Mädchens aus Minamisoma verweigerte, nur weil es keinen Unbedenklichkeits-Schein hatte. "Das war ein Schock", sagte ihr Vater Takayuki Okamura der Zeitung "Mainichi": "Als hätten wir mit unserem neuen Leben als Evakuierte nicht schon genug Sorgen". Die Kleine hatte demnach bereits einen Termin für die Haut-Behandlung.

"Die Bewohner sollen sich sicher fühlen"

Ausgestellt werden die Bescheinigungen von den Behörden der Präfektur Fukushima. Ziel der Initiative sei es eigentlich gewesen, den Menschen in den Auffangzentren die Panik vor ihren Schicksalsgenossen aus der Evakuierungszone um Fukushima zu nehmen, sagte ein Vertreter der Gesundheitsdienste. Er betonte, außer den Kraftwerksarbeitern sei niemand aus den Evakuierungszonen gefährlich für seine Mitmenschen - "die Leute übertreiben".

Ein Mitarbeiter in einem Zentrum der Stadt Fukushima zeigte sich dagegen unnachgiebig: "Alle Bewohner aus der Evakuierungszone müssen das Zertifikat vorlegen. Haben sie es nicht, müssen sie sich hier testen lassen, sonst kommen sie nicht rein. Wir wollen, dass sich die anderen Bewohner sicher fühlen."

Öko-Stadt als neue Heimat für die Flüchtlinge?

Unterdessen hat sich Ministerpräsident Kan zur Zukunft in der wegen Radioaktivität evakuierten Zone rund um das AKW in Fukushima geäußert: Eine Öko-Stadt nach dem Vorbild der deutschen Gartenstädte könnte zur neuen Heimat für rund 100.000 Menschen werden, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch unter Berufung auf Kenichi Matsumoto, Sonderberater der japanischen Regierung.

Für Verwirrung sorgte am Mittwoch die angebliche Aussage Kans, die 20 Kilometer große Evakuierungszone rund um die Atomruine bleibe für die nächsten 10 bis 20 Jahre unbewohnbar. Sowohl Kan als auch Matsumoto dementierten dies später wieder.

Wo genau die Öko-Stadt in der Präfektur Fukushima entstehen soll, war zunächst unbekannt. Kan habe einen möglichen Ort aber bereits im Kopf, sagte Sonderberater Matsumoto. Der zuständige Rat zum Wiederaufbau der Städte werde sich voraussichtlich in seiner ersten Sitzung am Donnerstag mit dem Thema beschäftigen.

China fordert Entschuldigung von Japan

Indes hat China seinen Ton gegenüber der japanischen Regierung wegen ihres Umgangs mit der Atomkatastrophe verschärft: Die Staatszeitung "Global Times" sprach am Mittwoch von "bewusster Täuschung" und forderte eine Entschuldigung der japanischen Regierung. Am havarierten Atomkraftwerk Fukushima begannen Arbeiter derweil mit dem Abpumpen hochgradig radioaktiv verseuchten Wassers.

Die als Sprachrohr der kommunistischen Partei in China geltende "Global Times" warf der japanischen Regierung vor, die "Wahrheit" über das Ausmaß der Katastrophe verschwiegen zu haben. Tokio schulde seinen Nachbarn deshalb eine "ernsthafte offizielle Entschuldigung", schrieb das englischsprachige Blatt. Seit Wochen fordert Peking von Tokio Transparenz über das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung.

be/AFP/DPA
 
 
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