. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Juni 2009, 08:46 Uhr

Der Rasenmäher-Mann

Der Preis war heiß: Waschen, Schneiden, Föhnen für zehn Euro. Ein Angebot, dem stern.de-Redakteur Christoph Schäfer nicht widerstehen konnte. Zum ersten Mal in seinem Leben besuchte er einen Discount-Friseur. Das Experiment endete blutig.

Friseur, Frisör, Billigfriseur, Discount, Discount-Friseur, billig, Haare

Schneller Schnitt für kleinen Preis: Beim Discount-Friseur lässt sich bares Geld sparen© Colourbox

Ich bin mal wieder fällig. Behaart bis über die Ohrenspitzen sieht meine Kurzhaar-Frisur äußerst unglücklich aus. Abhilfe muss her. Doch weil mir die 23 Euro für meinen letzten Friseur-Besuch zu teuer waren, soll es diesmal billiger werden.

Rettung verspricht "Hair Fix"*, ein Discount-Friseur an einer großen Einkaufsstraße im Hamburger Osten. Im Schaufenster lockt eine mannshohe Preistafel: Kurzhaarschnitt mit Föhnen für Männer nur 8,80 Euro. Waschen kostet 1,10 Euro extra. So was suche ich!

"Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!"

Die Tür steht offen, doch der Preis ist so billig, dass ich den Laden misstrauisch betrete. Vielleicht sollte ich doch lieber … Zu spät, kaum fünf Schritte im Geschäft, gibt es kein Zurück mehr. "Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!", ruft mir ein quirliger Araber Anfang 30 entgegen und zeigt auf einen freien Stuhl.

Der gute Mann hat's eilig. Der Begrüßungshandschlag entfällt, das notorische "Hallo, ich bin der XY" gibt's auch nicht. Bevor ich ein Wort sagen kann, habe ich einen Plastikschutz um und der Friseur - nennen wir ihn Rachid - die Schere in der Hand. Rachid klappert mit der Schere, wartet auf meine Ansage. Mit meinem nächsten Schritt hat er nicht gerechnet.

Zeit ist Geld

"Würden Sie bitte erstmal waschen?", frage ich. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn meine Haare sind voller Gel. Zu meiner Überraschung verzieht der Barbier das Gesicht, er hätte offensichtlich lieber verklebte Haare bearbeitet. Wortlos zeigt er zum Waschbecken ein paar Meter weg. Das Elend nimmt seinen Lauf.

Auch beim Waschen geht es fix zur Sache. Zeit ist Geld, und wie viel Zeit darf man für 1,10 Euro schon erwarten? Ob die Wassertemperatur recht ist, interessiert keinen Menschen. Das Shampoo wird nicht aufgetragen, sondern mir hörbar auf den Kopf geklatscht. In Windeseile verteilt der Friseur die schaumige Masse, mit kreisenden Handbewegungen shampooniert er meine Ohren (!) kostenlos mit. Mit einem Rest von Haarwaschmittel auf dem Kopf geht es zum Platz zurück.

Spuk vorbei, Haare ab

Rachid will nun endlich wissen, wie er schneiden soll. Weil er offensichtlich kaum Deutsch spricht, trage ich ihm meine Wünsche langsam vor: "Auf dem Kopf möglichst kurz, gerne so zwei Zentimeter. Die Seiten bitte trotzdem nicht radikal abrasieren, das macht mein Gesicht zu schmal." Der Friseur nickt, fragt nichts nach. Ich bin nicht sicher, ob er meine Wünsche verstanden hat.

Der Barbier legt los. In gespenstischer Geschwindigkeit fallen meine Haare der Schere zum Opfer. Sie ist lang, spitz und steht nie still. Sie öffnet und schließt sich ohne Unterlass, wie beim Stepptanz erfüllt ein schnelles metallisches Klackern die Luft. Leider arbeitet Rachid zu schnell. Ein stechender Schmerz lässt mich zusammenzucken, schreiend greife ich mir hinters Ohr. Ergebnis: Ein schmales Rinnsaal Blut fließt meinen Zeigefinger herunter. Nicht schlimm, aber unangenehm. Der Friseur brummelt irgendetwas, auf eine Entschuldigung verzichtet er.

Wenige Minuten später ist der Spuk vorbei. Die Haare sind ab, an den Seiten zu kurz und meine Geheimratsecken (da werden die Haare sonst etwas länger gelassen) vollständig freigelegt. Auf zwei Meter Abstand relativiert sich alles, dann sieht es ganz OK aus. Zum Abschluss gibt es an der Kasse zwei weitere Premieren in meinem Leben: Ich bezahle nur 9,90 Euro für einen Friseurbesuch - und keinen Cent Trinkgeld.

*Name von der Redaktion geändert

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Haarschnitt für neun Euro Das Dorf der polnischen Friseure

Harte Konkurrenz für das brandenburgische Friseurhandwerk: Mehr als 30 Salons beheimatet das polnische Grenzdorf Osinow. Auf 200 Einwohner kommen 100 Friseure - und die werben erfolgreich um deutsche Kundschaft. mehr...

Frisurentrends 2009 Frauen lieben's kurz und kantig

Toupieren, föhnen, formen - mit diesem Wunsch dürften demnächst mehr Männer als Frauen den Friseursalon betreten. Denn während es die Kerle auf ihrem Kopf wuchern und wachsen lassen, bevorzugen Frauen obenrum kurz und knapp. mehr...

Was kuckt Kühn? Waschen, Schneiden, Gähnen

Und noch 'ne Casting-Show: Nach dem Superhund und dem Super-Restaurantbesitzer sucht Vox 19:15 Uhr bei "Top Cut" nun den Superfriseur. Wie in jeder anständigen Casting-Show gibt es auch hier eine strenge Jury und durchgeknallte Kandidaten - stern-Redakteur Alexander Kühn sagt trotzdem eine miese Quote voraus. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch