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24. Juni 2009, 08:46 Uhr

Der Rasenmäher-Mann

Der Preis war heiß: Waschen, Schneiden, Föhnen für zehn Euro. Ein Angebot, dem stern.de-Redakteur Christoph Schäfer nicht widerstehen konnte. Zum ersten Mal in seinem Leben besuchte er einen Discount-Friseur. Das Experiment endete blutig.

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Schneller Schnitt für kleinen Preis: Beim Discount-Friseur lässt sich bares Geld sparen© Colourbox

Ich bin mal wieder fällig. Behaart bis über die Ohrenspitzen sieht meine Kurzhaar-Frisur äußerst unglücklich aus. Abhilfe muss her. Doch weil mir die 23 Euro für meinen letzten Friseur-Besuch zu teuer waren, soll es diesmal billiger werden.

Rettung verspricht "Hair Fix"*, ein Discount-Friseur an einer großen Einkaufsstraße im Hamburger Osten. Im Schaufenster lockt eine mannshohe Preistafel: Kurzhaarschnitt mit Föhnen für Männer nur 8,80 Euro. Waschen kostet 1,10 Euro extra. So was suche ich!

"Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!"

Die Tür steht offen, doch der Preis ist so billig, dass ich den Laden misstrauisch betrete. Vielleicht sollte ich doch lieber … Zu spät, kaum fünf Schritte im Geschäft, gibt es kein Zurück mehr. "Hallo! Hierher! Setzen Sie sich!", ruft mir ein quirliger Araber Anfang 30 entgegen und zeigt auf einen freien Stuhl.

Der gute Mann hat's eilig. Der Begrüßungshandschlag entfällt, das notorische "Hallo, ich bin der XY" gibt's auch nicht. Bevor ich ein Wort sagen kann, habe ich einen Plastikschutz um und der Friseur - nennen wir ihn Rachid - die Schere in der Hand. Rachid klappert mit der Schere, wartet auf meine Ansage. Mit meinem nächsten Schritt hat er nicht gerechnet.

Zeit ist Geld

"Würden Sie bitte erstmal waschen?", frage ich. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, denn meine Haare sind voller Gel. Zu meiner Überraschung verzieht der Barbier das Gesicht, er hätte offensichtlich lieber verklebte Haare bearbeitet. Wortlos zeigt er zum Waschbecken ein paar Meter weg. Das Elend nimmt seinen Lauf.

Auch beim Waschen geht es fix zur Sache. Zeit ist Geld, und wie viel Zeit darf man für 1,10 Euro schon erwarten? Ob die Wassertemperatur recht ist, interessiert keinen Menschen. Das Shampoo wird nicht aufgetragen, sondern mir hörbar auf den Kopf geklatscht. In Windeseile verteilt der Friseur die schaumige Masse, mit kreisenden Handbewegungen shampooniert er meine Ohren (!) kostenlos mit. Mit einem Rest von Haarwaschmittel auf dem Kopf geht es zum Platz zurück.

Spuk vorbei, Haare ab

Rachid will nun endlich wissen, wie er schneiden soll. Weil er offensichtlich kaum Deutsch spricht, trage ich ihm meine Wünsche langsam vor: "Auf dem Kopf möglichst kurz, gerne so zwei Zentimeter. Die Seiten bitte trotzdem nicht radikal abrasieren, das macht mein Gesicht zu schmal." Der Friseur nickt, fragt nichts nach. Ich bin nicht sicher, ob er meine Wünsche verstanden hat.

Der Barbier legt los. In gespenstischer Geschwindigkeit fallen meine Haare der Schere zum Opfer. Sie ist lang, spitz und steht nie still. Sie öffnet und schließt sich ohne Unterlass, wie beim Stepptanz erfüllt ein schnelles metallisches Klackern die Luft. Leider arbeitet Rachid zu schnell. Ein stechender Schmerz lässt mich zusammenzucken, schreiend greife ich mir hinters Ohr. Ergebnis: Ein schmales Rinnsaal Blut fließt meinen Zeigefinger herunter. Nicht schlimm, aber unangenehm. Der Friseur brummelt irgendetwas, auf eine Entschuldigung verzichtet er.

Wenige Minuten später ist der Spuk vorbei. Die Haare sind ab, an den Seiten zu kurz und meine Geheimratsecken (da werden die Haare sonst etwas länger gelassen) vollständig freigelegt. Auf zwei Meter Abstand relativiert sich alles, dann sieht es ganz OK aus. Zum Abschluss gibt es an der Kasse zwei weitere Premieren in meinem Leben: Ich bezahle nur 9,90 Euro für einen Friseurbesuch - und keinen Cent Trinkgeld.

*Name von der Redaktion geändert

 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
Millhouse73 (26.06.2009, 08:34 Uhr)
So what?
Die Buerzelbeter sind ja bekanntlich Tausendsasser, die stellen jeden deutschen Friseurmeister locker in den Schatten. Dazu brauchts nur knappe 2 Wochen Lehre beim Onkel.
aeternitas (25.06.2009, 08:34 Uhr)
P.S.:
Ich hatte nie Löcher in der Frisur, keine verletzten Ohren (obwohl ich große Ohren habe) etc.
Aber wenn ich nur 4-5€ pro Stunde verdienen würde nach einer 3-jährigen Ausbildung, dann wäre meine Motivation das ordentlich zu machen auch im Keller. Stellt euch einfach vor ihr wärt in der Situation des Frisörs. Oder euer Chef würde euch zu solchen Bedingungen arbeiten lassen... Topqualität würde da niemals herauskommen dabei.
aeternitas (25.06.2009, 08:30 Uhr)
Billigfrisöre
Ich gehe immer in einen teuren Frisörsalon zu einem "echten" Meister aber ich lasse mir von den Azubis die Haare schneiden. Ist nicht ganz so teuer, der Meister schaut zu und hilft ab und zu mit. Wenn ich mich für eine Modellfrisur im Rahmen der Ausbildung "opfere" wird es sogar noch billiger. Opfern bedeutet in dem Fall noch Hand- und Kopfmassage und Haarwäsche und fönen hinterher :-)
Klar ist es Luxus aber ich habe kein gutes Gefühl beim Frisör, wenn ich mal berechne was er pro Stunde einnimmt, er davon seine Miete, die Mitarbeiter, seine Geräte und sein Verbrauchsmaterial im Geschäft + noch seinen privaten Lebensunterhalt bestreiten muss. Ich will nicht zu einem Frisör gehen müssen, der zusätzlich noch Hartz4 beantragen muss, damit er überhaupt leben kann. Ist ja nicht so, dass die meisten Frisörläden ein-Mann-Betriebe im eigenen Keller sind...
ich sage nichts bei Azubis, Studenten oder denen, die sich keinen anderen Frisör leisten können. Aber wenn Leute, die gut verdienen zu 5€ Frisören gehen und das noch toll finden, das nenne ich sehr schäbig! Ich hoffe sehr, dass der Autor das nur zu Versuchs- und Reportagezwecken gemacht hat...
faustjucken_de (24.06.2009, 17:31 Uhr)
noch zu teuer...
Mal im Enrst, Haare schneiden ist einfach zu teuer. Und ich rede nicht von Frauen-Haarschnitten.
Nein, für uns Männer.
Mir dreht sich der Magen um, wenn ich wieder mal 13 + 2 Euro bezahlt habe. Warum? Weil es mir das einfach nicht wert ist.
Ich muss erstmal mich auf den Weg zum Friseur machen. Dann muss man (häufig) warten, manchmal auch noch schön von Pop-Musik beschallt oder zugequalmt.
Dann muss man wieder zittern, ob das Ergebnis auch ok ist. Egal wieso, ich bin nicht sehr anspruchsvoll, aber irgendwie sehen meine Haare nach jedem Schnitt anders aus, obwohl ich nie was besonderes verlange.
Ich mag Friseure nicht, dieser Mief dann auch noch. Bah! Und dann die abgegriffenren Frauen-Illustierten. Bah!
Ich hätte so gerne eine Frau/einen Mann, der zu mir nach Hause kommt und ihre/seine Arbeit versteht.
Dafür würde ich gerne, sagen wir, 8 Euro bezahlen. Und den Kaffee gibt es dann von mir. Aber mehr ist es mir wirklich nicht wert.
Ich weiß hier werden viele sagen, was für ein Geizhals!
Ja, und? Jeder ist anders. Mir ist es eben nicht mehr wert.
Am liensten wäre mir, ich müsste gar nicht hin.
jockel_us (24.06.2009, 16:14 Uhr)
@ politix: Breater in der Friseurbranche
"Berater in der Friseurbranche" - wie wird man das? Und was macht man da?
Oder ist das nur ein Euphemismus für einen, der Friseusen berät?
manndernichtdaist (24.06.2009, 14:57 Uhr)
hm..
23 euro zahl ich für
waschen inkl. kopfmassage und conditioner
schneiden beim meister
kaffee soviel man will
zusatzschmankerl: klatsch und tratsch
passt. geh seit 15 jahren zum selben und von anfangs 16 euro ist er preislich jetzt bei 23 euro, hat aber mehr service und der salon ist absolut stylisch - passt.
Sveto (24.06.2009, 14:23 Uhr)
Ein Herrenhaarschnitt
dauert kaum jemals länger als 10 Minuten - dafür sind EUR 10 durchaus nicht unangemessen!
Motzerator (24.06.2009, 14:12 Uhr)
Selber machen: besser und preiswerter!
Mein letzter Friseurbesuch ist lange her, denn immer wieder haben es die Friseure geschafft, mich zu ärgern und für schlechte Leistung noch gutes Geld zu verlangen.
Da war die Friseuse, die mir einen ganz bescheuerten Schnitt verpasste, weil sie meinte, das würde besser zu zu meinem Typ passen als mein Wunsch.
Da war die Friseuse, die meinte, beim Wunsch 1 cm währen 2,5 cm Haarlänge angebracht. Die hat sich wahrscheinlich gedacht: nur nicht zu kurz schneiden, sonst kommt er so bald nicht wieder weil es laänger dauert bis ihm die Haare wieder zu lang sind. Die war noch ganz erstaunt, warum es kein Trinkgeld gab.
Tags darauf habe ich mir eine Haarschneide Maschine gekauft und die Haare auf 10 Millimeter gekürzt.
Seitdem ist alles besser:
1. Die Haare sind genau so lang wie ich es haben möchte
2. Ich kann sie schneiden wann immer ich will und muss mich zeitlich nach neimanden richten.
3. Ich kann sie in der Dusche schneiden und mich sofort abduschen, kein lästiges Kratzen mehr im Haar.
4. Gibt es auch noch den finanziellen Vorteil, in den letzten 10 Jahren seit dem 2,5 cm Reinfall habe ich mindestens schon 1000 Euro gespart und dabei habe ich bereits einen Preis von nur 10.- Euro pro Besuch angesetzt.
Politix (24.06.2009, 14:05 Uhr)
@roninkx
Dann fragen Sie aber mal Ihren Friseur, ob er mit dem, was er da verdient, leben kann. Fragen Sie doch einfachmal, ob es ihm gut geht. Ich meine geschäftlich.
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90% aller Friseure sind überschuldet und krebsen am Existenzminimum herum.
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Ach ja, bevor ich's vergesse. Herrenhaarschnitte sin prädestiniert dafür, daß diese Einnahme neben die kasse fällt, da sonst keine weiteren Materialien verbraucht wurden, durch die das Finanzamt irgendetwas hochrechnen könnte. Daher sind bei einigen Friseuren die Preise für Herrenhaarschnitte so gewählt, dass Kunden noch kommen, aber der Staat verdient daran nichts mehr. So etwas nennt man dann "offizielle Schwarzarbeit"
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Wer als Kunde sich an so etwas beteiligt, ist auch nicht besser, als diejenigen, die Schwarzarbeit machen!
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Glauben Sie mir, ich habe lange Jahre als Berater in der Friseurbranche gearbeitet. Ich kenne alle Tricks und Kniffe der Friseure, Geld beiseite zu schaffen!
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Und deren Überlebenskampf dazu.
mutti1 (24.06.2009, 13:54 Uhr)
meine MEINUNG...................
eine echte gute friseurin schneidet in 5 minuten eine top frisur, aber an damen wird eine stunde rumgefummelt, und ein fuffi fliegt inzwischen rüber, ich gehe seit jkahren nicht mehr, das meist schlimme ergebnis bring ich selbst kostenlos-auch hin.............
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