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5. September 2008, 17:21 Uhr
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Polizei findet mutmaßlichen Mörder

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle Norddeutschlands steht offenbar vor der Aufklärung. 1996 fand man an der Bahnstrecke zwischen Braunschweig und Hannover den Torso der 18-jährigen Yasmin Stiehler. Ihr Kopf und ihre Füße tauchten später auf. Zwölf Jahre später sind die Beamten sicher, den Täter gefunden zu haben.

Mit spektakulären Aktionen wollte die Polizei den Fall nicht in Vergessenheit geraten lassen. 1997 brachte man an der Bahnstrecke zwischen Hannover und Braunschweig Plakate an, auf denen Zeugen gesucht wurden© Fabian Matzerath

Das Schicksal von Yasmin Stieler hat die Polizei in Peine (Niedersachsen) nie losgelassen. Die 18 Jahre alte Schülerin aus Uelzen war am 5. Oktober 1996 umgebracht und zerstückelt worden. Immer wieder wurde der Aktenberg durchforstet. Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben, seit Donnerstag sitzt ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Der verheiratete 41-Jährige bestreitet die Tat, Polizei und Staatsanwaltschaft glauben aber, ausreichend Beweismaterial gegen ihn in der Hand zu haben.

"Der Mann war schon länger ins Visier der Ermittler geraten", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe, Sprecher der Braunschweiger Anklagebehörde. Bislang hätten Beweise gefehlt. Nun ist ein Spaten mit Erde vom Leichenfundort aufgetaucht, durch den der Mann möglicherweise überführt werden könnte.

Im Zusammenhang mit einem anderen Mord hatte ein Zeuge Auffälligkeiten im Verhalten des Mannes beobachtet. "Das war aber einige Jahre nach Yasmins Tod", sagte der Oberstaatsanwalt, der aus ermittlungstaktischen Gründen nicht allzu viel preisgeben will. An dem vor einigen Monaten entdeckten Spaten wurde Erde vom Torso-Fundort gefunden. Zudem war an der Stelle ein winziger Farbsplitter sichergestellt worden, der mit der Lackierung des Spatens übereinstimmt.

Mehrere Gutachten verzögerten die Verhaftung

"Es wurden mehrere Gutachten eingeholt, deshalb hat es bis zur Verhaftung etwas gedauert", erklärte Staatsanwalt Joachim Geyer. Nach Medienberichten soll auch der damalige Fahrtenschreiber aus dem Auto des Verdächtigen ein Indiz gegen ihn sein. In seiner früheren Firma sollen außerdem solche Plastiksäcke benutzt worden sein, wie sie der Täter zur Beseitigung der Leichenteile benutzte.

Die Erde am Spaten stamme von einem Bahndamm in Vechelde, nicht weit entfernt davon hatte der Tatverdächtige damals gearbeitet. An der Bahnstrecke zwischen Braunschweig und Hannover hatten Spaziergänger neun Tage nach Yasmins Verschwinden ihren Torso gefunden. Einige Wochen später entdeckte die Polizei in einem Teich bei Hannover-Ricklingen die Beine des Mädchens. Der Kopf wurde dann im Mai des darauffolgenden Jahres bei Hämelerwald gefunden. Die Hände blieben verschwunden.

Schon kurz nach der Tat hatte die Polizei versucht, den Fall mit ungewöhnlichen Aktionen aufzuklären. Beamte suchten verschiedene Braunschweiger Diskotheken auf. Dorthin wollte Yasmin mit dem Zug über Hannover fahren. Eine Beamtin hatte sich wie Yasmin gekleidet, und den Besuchern wurden Fotos der Gymnasiastin gezeigt. Doch weder diese Aktion noch Zeitungsartikel und Fernsehsendungen brachten entscheidende Hinweise.

DNA-Massengentest mit 1300 Männern

Im Dezember 1996 gaben 1300 Männer aus Vechelde Speichelproben ab, die mit zwei Haaren verglichen wurden, die an dem Plastiksack hafteten, in denen der Torso vergraben war. Durch verfeinerte Untersuchungsmethoden wissen die Ermittler heute, dass die Haare aller Wahrscheinlichkeit nach von Yasmin selber stammen. DNA- Massentests galten damals noch als außergewöhnlich, ebenso wie der Einsatz eines Profilers. Der Psychologe vermutete, dass der Täter Yasmin vielleicht im Affekt getötet haben könnte. Damit der Fall nicht in Vergessenheit geriet, ließ die Polizei im September 1997 großflächige Plakate entlang der Bahnstrecke Braunschweig/Hannover mit Bildern von Yasmin anbringen. Die Belohnung wurde auf 50.000 Mark (rund 25.000 Euro) erhöht - dennoch kamen die Ermittler nicht weiter.

Bis heute liegen der Polizei 264 Spuren und Hinweise vor. "Wie die weiteren Ermittlungen aussehen werden, hängt davon ab, wie sich der Beschuldigte nach der Beratung mit seiner Anwältin verhält", erklärte Geyer. Die Verteidigerin sichte die Akten. Der 41-Jährige sitzt wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft. "Es konnte kein Haftbefehl wegen Mordes ergehen, wir kennen den genauen Tathergang ja nicht", erklärte Geyer. Dieser Umstand macht der Mutter der toten Yasmin zu schaffen. Sie bat am Freitag die Medien, Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand der Familie zu nehmen: "Ein schwerer Weg liegt noch vor uns", schrieb sie.

Anita Pöhlig, DPA
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