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5. Dezember 2009, 08:16 Uhr

Mehr als 110 Tote bei Brand in Nachtclub

Bei einem von Feuerwerkskörpern ausgelösten Brand in einem Nachtclub der russischen Stadt Perm sind mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen, 140 weitere wurden verletzt.

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Fassungslosigkeit und Trauer unter den Angehörigen© EPA/Sergei Ilnitsky

Bei einer verheerenden Brandkatastrophe in einem Nachtclub in der russischen Stadt Perm sind mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen. Nach Behördenangaben wurden mehr als 140 weitere Menschen verletzt, als das Lokal in der Nacht zum Samstag während einer Feier für Mitarbeiter und deren Familien in Flammen aufging. Wie die Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtete, wurde das Inferno durch ein Feuerwerk ausgelöst.

Die Polizei nahm die zwei Besitzer des Lokals fest. Einer der Verdächtigen habe in einem ersten Verhör zurückgewiesen, das Restaurant am Vorabend durch einen leichtsinnigen Umgang mit Feuerwerkskörpern in Brand gesetzt zu haben. Das sagte ein Polizeisprecher am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Auf ersten Videoaufnahmen der Tragödie, die russische Fernsehsender ausstrahlten, war zu sehen, wie sprühende Funken einer Zimmerfontäne eine mit Reisig abgehängte Plastikdecke in Brand setzten. Der fensterlose Club habe nach ersten Untersuchungen nur einen Ausgang.

Viele Verletzte in kritischem Zustand

"102 Menschen sind tot, 134 verletzt", sagte ein Sprecher des Zivilschutzes in Perm der Nachrichtenagentur AFP. Die Opferzahl könnte noch weiter ansteigen. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden waren viele Verletzte in kritischem Zustand. Perm liegt etwa 1400 Kilometer östlich von Moskau im Ural. Die Stadt hat rund 1,3 Millionen Einwohner und ist Verwaltungszentrum der gleichnamigen Region.

Rund 230 Gäste hatten in dem Mittelklasse-Restaurant das achtjährige Bestehen des Lokals gefeiert, das am Wochenende auch als Nachtclub öffnet. Kurz vor Mitternacht wurden in dem Saal nach Behördenangaben Feuerwerkskörper gezündet, die nur für den Gebrauch im Freien zugelassen sind. Der Zivilschutzminister der Region Perm, Igor Orlow, sagte ITAR-TASS, einer der Feuerwerkskörper habe eine Plastikdecke in Brand gesetzt, die Flammen hätten sofort auf das ganze Gebäude übergegriffen. Die Menschen seien bei lebendigem Leibe verbrannt oder in der Panik totgetrampelt worden. Andere seien an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, sagte Orlow.

Die Behörden schlossen einen Anschlag als Ursache aus. "Das Unglück wurde durch eine Verletzung von Vorschriften beim Gebrauch von Feuerwerkskörpern ausgelöst", sagte Staatsanwaltschaft-Sprecher Wladimir Markin im Fernsehsender Vesti-24. "Es war in keinem Fall ein Terroranschlag, das kann ich zu 100 Prozent sagen." Am Freitag vor einer Woche waren bei einem Anschlag auf einen Schnellzug im Nordwesten Russlands mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Zu der Tat hatte sich eine Islamistengruppe aus dem Nordkaukasus bekannt.

Krimineller Hintergrund nicht auszuschließen

Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete unterdessen unter Berufung auf Polizeikreise, dass die Ermittler einen kriminellen Hintergrund nicht ausschließen. Die Polizei habe "ernstzunehmende Hinweise", dass der Brand bewusst herbeigeführt worden sein könnte.

Der russische Regierungschef Wladimir Putin ordnete noch in der Nacht die Bildung einer Ermittlungskommission unter Führung von Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu an. Der Sprecher der örtlichen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin, schloss einen Anschlag aus. "Hier stellt sich nicht die Frage nach einem Terrorakt. Dies ist ein Verstoß gegen die Brandschutzbestimmungen."

Neben Schoigu flogen auf Anordnung von Kremlchef Dmitri Medwedew auch Innenminister Raschid Nurgalijew und Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa nach Perm. "Die Minister sollen vor Ort die Hilfsleistungen koordinieren", sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa. Mit einer Maschine aus Moskau traf am Morgen neben Ärzten und Psychologen auch Gerät zum Transport der Verletzten in Perm ein. Mindestens zehn der schwer Brandverletzten sollten zur Behandlung nach Moskau gebracht werden.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Matador (05.12.2009, 15:04 Uhr)
Mein Beileid
an die Opfer dieses schrecklichen Unglücks.
susiwolf (05.12.2009, 10:27 Uhr)
infernalische Höllenqual ...
Es passiert erst meistens etwas, wenn etwas passiert ist.
Tausende Kilometer weg von Deutschland hat es -einmal wieder- eine schockierende Nachricht gegeben.
In kurzer Zeit und fast hilflos sind unschuldige Menschen betroffen.
Betroffen macht die Tatsache, wie einmal wieder Nachlässigkeit in Sicherheitsvorkehrungen zu einem solchen Ausmaß führen konnten.
-
Der Schock geht um die Welt.
Zu den bevorstehenden Festtagen sollte dieses Desaster den Verantwortlichen - im kleinen, wie im großen Kreise - zu Denken geben.
Eine gute und sicherheitsrelevante Vorbereitung aller Festivitäten ...
das Eine. Eine gesicherte Durchführung ... das andere.
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