VG-Wort Pixel

Brandkatastrophe von Perm "Sie haben weder Verstand noch Gewissen"

Begräbnisfeierlichkeiten in Perm: Angehörige trauern um die Opfer des Brandes in einem Nachtklub
Begräbnisfeierlichkeiten in Perm: Angehörige trauern um die Opfer des Brandes in einem Nachtklub
© Dmitry Kostykov / AFP
Der Nachtclub im russischen Perm hatte nur einen Ausgang und für das Feuerwerk der Betreiber, das ihn in Brand setzte, gab es keine Genehmigung. Mindestens 109 Menschen starben, etliche wurden verletzt. Präsident Dmitri Medwedew kündigte an, hart gegen die Verantwortlichen vorzugehen.

Binnen Sekunden breiten sich Flammen und beißender schwarzer Rauch aus, und der beliebte Nachtclub wird zur tödlichen Falle. Mindestens 109 überwiegend junge Leute kommen im Flammeninferno in der russischen Stadt Perm ums Leben, mehr als 130 werden zum Teil schwer verletzt. Ausgelöst wurde die schwerste Brandkatastrophe seit dem Ende der Sowjetunion durch Feuerwerkskörper während einer Bühnen-Show. Den Behörden zufolge hatten die Betreiber des Clubs mehrfach Aufforderungen ignoriert, die Feuerschutz-Vorschriften einzuhalten. "Sie haben weder Verstand noch Gewissen", erklärte Präsident Dmitri Medwedew nach der Tragödie in der Nacht zum Samstag fassungslos. Er kündigte harte Strafen für die Verantwortlichen an und rief für Montag einen landesweiten Trauertag aus.

Besitzer und Manager des Clubs festgenommen

Der Besitzer und der Manager des Clubs wurden wenige Stunden nach dem tödlichen Brand festgenommen. Sie hätten keine Erlaubnis für die Pyrotechnik-Show gehabt, erklärte Katastrophenminister Sergej Schoigu. Feuerfontänen setzten eine Zwischendecke sowie Dekoration aus Plastik in Brand, die Flammen breiteten sich nach Angaben von Rettungskräften rasend schnell aus. Die meisten Opfer erstickten, starben an einer Rauchvergiftung oder wurden im panischen Gedränge Richtung Ausgang zu Tode gedrückt. Mindestens 90 der Verletzten befanden sich Ärzten zufolge in kritischem Zustand.

Videoaufnahmen eines Augenzeugen zufolge reagierten die Moderatoren der Bühnenshow zunächst sehr salopp auf den Brand. "Ladies und Gentlemen, werte Gäste, wir stehen in Flammen. Bitte verlassen Sie den Saal", ist in beiläufigem Ton auf den Aufnahmen zu hören, die am Samstag von einem russischen Fernsehsender ausgestrahlt wurden.

Heillose Panik brach aus

Rund 200 ausgelassene Gäste hielten sich zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Club auf, die meisten junge Leute. Nach der Ansage des Moderators setzten sie sich zunächst nur widerwillig in Richtung des einzigen Ausgangs in Bewegung, wenig später brach aber heillose Panik aus.

"Es gab nur einen Weg nach draußen. Ich wurde fast ertreten", sagte Swetlana Kuwschinowa. Das Feuer habe sich wie in einem trockenen Heuhaufen vorwärts gefressen. Eine andere junge Frau, die nur ihren Vornamen Olga nannte, erklärte, die Gäste hätten Türen eingetreten, um ins Freie zu kommen. "Panik ist ausgebrochen, alles war verraucht. Ich konnte überhaupt nichts sehen."

Laxer Umgang mit Brandvorschriften

Vor der Leichenhalle von Perm warteten verzweifelte Familien am Samstag stundenlang auf Nachricht von ihren Angehörigen. "Ich bin einfach am Boden zerstört", sagte Jewgeni Perfirjew, dessen 26-jähriger Sohn unter den Todesopfern ist. "Ich kann nicht glauben, dass mir das passiert."

Das tödliche Inferno ist nicht die erste solche Tragödie wegen eines laxen Umgangs mit Brandschutzvorschriften in Russland. Jährlich kommen 18.000 Menschen bei Bränden ums Leben. Bei einer sogenannten "Feuerschau" in einem Moskauer Club gab es vor zwei Jahren zehn Todesopfer, in der sibirischen Stadt Omsk kamen bei einem Brand in einem Club vor einem Jahr vier Menschen ums Leben. Als erste Reaktion auf die Katastrophe von Samstag ordnete Präsident Medwedew eine Verschärfung der Strafen für die Nichteinhaltung von Sicherheitsstandards an.

Mansur Mirovalev/AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker