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Terroranschlag auf Zug in Russland: Opfer mussten eine Stunde auf Hilfe warten

Auf den russischen Schnellzug "Newski Express" ist ein Terroranschlag verübt worden. Bis zu 39 Menschen kamen bei dem Unglück im Nordwesten Russlands ums Leben. Den Ermittlern liegt ein erstes Bekennerschreiben vor.

Bei einem Anschlag auf einen Schnellzug im Nordwesten Russlands sind mindestens 27 Menschen getötet und etwa 100 Passagiere verletzt worden. Am Unfallort zwischen Moskau und St. Petersburg seien Splitter eines Sprengkörpers sowie ein Bombentrichter entdeckt worden, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Knapp 20 Menschen werden noch vermisst. Der Hintergrund des Attentats war zunächst unklar.

Nach Angaben des Inlandgeheimdienstes FSB hatte der selbst gebaute Sprengkörper eine Wucht von sieben Kilogramm TNT. Während der Bergungsarbeiten detonierte am Samstag am Unglücksort ein weiterer Sprengsatz. Niemand sei verletzt worden, sagte Bahnchef Wladimir Jakunin. Die vermutlich im Gleisbett versteckte Bombe sei nicht vollständig explodiert. Die Arbeiten konnten fortgesetzt werden. Kremlchef Dimitri Medwedew forderte eine schnelle Bestrafung der Täter und versprach den Angehörigen der Opfer unbürokratische Hilfe.

14 Waggons von den Gleisen gerutscht

Rund 350 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Moskau waren am Freitagabend nach einer Explosion vier von 14 Waggons des "Newski Express" von den Gleisen gerutscht. Einige der mehr als 650 Passagiere sagten, sie hätten zuvor einen Knall gehört. Das Staatsfernsehen strahlte den Notruf des Lokführers aus, der darin von einer "Explosion unter dem Zug" sprach. Er hatte bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern noch eine Notbremsung eingeleitet. Die Verbindung zwischen den beiden größten Städten des Landes ist vielbefahren, die Züge sind oft voll besetzt.

Die Ermittler fanden vor Ort einen Bombentrichter von mehr als einem Meter Tiefe. Zudem seien Spuren gefunden worden, die bei der Suche nach den Hintermännern helfen könnten, sagte Innenminister Raschid Nurgalijew. Die Behörden hätten ein Täterprofil entworfen und würden auf die Unterstützung der Bevölkerung setzen. Die Ermittler äußerten Zweifel, dass ein im Internet aufgetauchtes Bekennerschreiben einer rechtsradikalen Gruppierung authentisch sei. Eine Sprecherin der russischen Menschenrechtsorganisation Sowa nannte es nicht abwegig, dass die Gruppierung hinter der Tat stecken könnte.

Hinweise auf deutsche Reisende gab es nicht

Nach Mitteilung des Innenministeriums in Moskau waren in dem Zug auch Ausländer. Reisende aus Belgien, Italien und Aserbaidschan würden in einer Klinik behandelt, hieß es. Hinweise auf deutsche Reisende gab es nicht. Zahlreiche Verletzte äußerten scharfe Kritik an den Rettungsarbeiten. Passagiere hätten teilweise mehr als eine Stunde auf Ärzte warten müssen und seien kaum informiert worden.

Im August 2007 hatte es auf derselben Strecke einen Anschlag mit 60 Verletzten gegeben. Damals waren Rebellen aus der Unruheregion Nordkaukasus verantwortlich gemacht worden, allerdings wurde die Tat nie vollständig aufgeklärt.

DPA / DPA