Qualvoller Tod im Brunnen

29. Februar 2008, 20:10 Uhr

Seit über 18 Monaten wurden sie vermisst, nun haben Feuerwehrleute in Gravina in Süditalien die sterblichen Überreste der Brüder Francesco und Michele gefunden - in einem tiefen Brunnen. Die Jungen starben qualvoll, ihr Vater sitzt seit November 2007 unter Mordverdacht in U-Haft. Von Luisa Brandl, Rom

Eine der beiden Kinderleichen wird in einem Sarg von der Polizei vom Fundort in Gravina abtransportiert©

"Wir gehen jetzt!", hatten Francesco und Salvatore an jenem lauen Sommerabend des 5. Juni 2006 den Dorfkindern zugerufen, die mit ihnen auf der Piazza des apulischen Orts Gravina spielten. Und es war klar, was gemeint war: Sie gingen heim. Doch zuhause kamen die Brüder, elf und 13 Jahre alt, niemals an. Knapp zwei Jahre später fanden Feuerwehrmänner zufällig ihre Leichen in einem 25 Meter tiefen Brunnen, als sie den elfjährigen Michele befreiten, der beim Spielen abgestürzt war.

Qualvoller Tod nach dem Sturz in die Tiefe

Die Brunnenöffnung liegt im dritten Stock eines verlassenen Hauses mitten im Ort. Die Kinder spielen gern in der Geisterruine, die sie das "Haus der hundert Fenster" nennen. Als Michele im Bodenloch verschwand, rief sein Freund sofort Hilfe. Für Francesco und Salvatore gab es hingegen keine Rettung.

Francesco, der ältere Bruder, stürzte vermutlich zuerst in den Schacht, brach sich das linke Bein und die Hüfte, erlag Stunden später qualvoll seinen inneren Blutungen. Salvatore ist womöglich auf seinen Bruder gefallen und kam mit einem angebrochenen Fuß davon. Sein Leichnam wurde 15 Meter weiter von Francescos gefunden. Er hatte vergeblich versucht, durch einen Kanal aus dem dunklen Loch herauszurobben und starb ein bis zwei Tage später einen grausamen Kältetod.

Vater steht unter Mordverdacht

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich auf den Vater der beiden Jungen. Nach abgehörten Telefongesprächen steht Filippo Pappalardi unter Mordverdacht und befindet sich seit November hinter Gittern. Nach dem Fund können die Ermittler zwar jetzt ausschließen, dass Pappalardi seine Söhne erst getötet hat und dann ihre Leichen im Brunnen verschwinden ließ. Doch die Staatsanwaltschaft hält Pappalardi dennoch für verantwortlich.

Rosa Carlucci, die Mutter von Francesco und Michele, wird von der Polizei an den Fundort der leichen gebracht©

Das Geschwisterpaar lebte beim Vater und dessen Lebensgefährtin. Diese hatte zwei Töchter mit in die Beziehung gebracht und eine dritte Tochter von Pappalardi bekommen. Bei Rosa Carlucci, der Mutter der toten Brüder, lebte eine Schwester von Francesco und Salvatore. Sie sei vor den Gewaltausbrüchen ihres Ex-Mannes geflohen, schreibt die Zeitung "La Repubblica", und hat ein weiteres Kind mit einem älteren Mann, der inzwischen wegen sexuellen Missbrauchs verhaftet worden ist. Die Familienverhältnisse seien äußerst schwierig gewesen, die beiden Brüder waren zweimal in Heimen untergekommen, so die Zeitung. Im Dorf wird erzählt, Francesco und Salvatore seien sich selbst überlassen gewesen und hätten auf der Straße herumgelungert.

Zeugenaussagen und ein Tatszenario

Die Ermittler stützen sich auf die Aussagen der Kinder von Gravina. Ein Spielkamerad erklärte, er habe die beiden Jungen bis 21 Uhr auf dem Dorfplatz gesehen. Ein weiterer Zeuge sagte, er habe gegen 21.30 Uhr gesehen, wie der Vater seine Söhne ins Auto lud und mit ihnen davonfuhr. Daraus rekonstruieren die Ermittler ein mögliches Szenario: Pappalardi will die Jungen bestrafen und fährt sie zu der Geisterruine, um ihnen Angst zu machen. Francesco und Salvatore reißen aus, verstecken sich in der Dunkelheit und fallen in den Schacht. Pappalardi merkt, was passiert ist, hat aber nicht den Mut, die Wahrheit zu sagen. Möglicherweise hört er ihre Hilferufe nicht und denkt, sie seien nicht mehr am Leben und können ihn nicht anzeigen. Daraufhin geht er zur Polizei und erstattet Vermisstenanzeige.

Die Ermittler schließen auch nicht aus, dass Pappalardi selbst seine Söhne ins Brunnenloch gestoßen hat und glaubte, sie seinen bei dem Sturz ums Leben gekommen. Die Polizisten machten einen Versuch, um festzustellen, ob Stimmen aus der Tiefe nach oben dringen. Aber der Schacht schluckt jedes Rufen. Auch Pappalardi könnte vergeblich auf ein Lebenszeichen gewartet haben und dann weggegangen sein, als er nichts hörte.

tho/spi

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Italien La Repubblica Michele Mordverdacht Polizei Salvatore
KOMMENTARE (4 von 4)
 
minxdoe (01.03.2008, 15:54 Uhr)
Schwierige Familienverhältnisse und andere Hindernisse
Auch wenn die Themen traurig sind: derzeit scheint der Stern seine Leser verwirren zu wollen. Zuweilen ist das schon fast komisch.
Zunächst sind also die Brüder Francesco und Michele tot. Allerdings fällt Michele erst zwei Jahre später als Francesco in den Brunnen. Michele stirbt aber gar nicht, denn das war zwei Jahre zuvor dann doch wohl eher Salvatore. Francesco stürzt also zuerst in den Schacht. Dann fällt sein Bruder, Salvatore, ebenfalls. Francesco stirbt, Salvatore kommt mit einem gebrochenen Fuß davon, auch wenn er ebenfalls stirbt.
Bei der Mutter der toten Brüder lebte eine Schwester der beiden. Diese ist vor den Gewaltausbrüchen ihres Ex-Mannes geflohen - dem Schwager der toten Brüder also? Wie dieser nun in die Geschichte passt, bleibt verborgen...
amapola (01.03.2008, 15:13 Uhr)
Pisa schlägt voll durch
Seit einem Jahr ist stern.de die Startseite meines Firefoxbrowsers.
Ich lese täglich einige der angebotenen Kommentare und Berichte. Leider muss ich meinen Vor-Kommentatoren beipflichten: es wird geschlampt was das Zeug hält. Ich fürchte "Pisa" schlägt bei stern.de voll durch. Deshalb biete ich mich gerne als Korrekturleser an.
lothar7 (01.03.2008, 14:18 Uhr)
Schlecht geshrieben
Der ganze Artikel steckt voller Ungereimheiten und ist schlecht recherchiert, eine Sache, die beim Stern in letzter Zeit häufig vorkommt (zuzüglich schlechter Grammatik). Kontrolliert denn keiner die Volontäre??
Silbador (01.03.2008, 13:54 Uhr)
@stern
da stimmt was nicht:
"nun haben Feuerwehrleute in Gravina in Süditalien die sterblichen Überreste der Brüder Francesco und Michele"
Michele lebt, die Brüder waren "Francesco und Salvatore".
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