Pistorius' Freilassung empört Südafrika

22. Februar 2013, 20:16 Uhr

Die Freilassung von Oscar Pistorius löst in Südafrika Empörung aus. Manche fürchten angesichts der Behördenschlamperei einen Imageschaden für ihr Land. Andere sehen Rassenjustiz am Werk.

Pistorius, Kaution, Frei, Südafrika, Empörung

Demütige Haltung, doch die öffentliche Meinung ist hart: Pistorius sei mit Samthandschuhen angefasst worden, sagen Kritiker.©

Der Zorn in der Stimme des Richters war nicht zu überhören. Die Polizei habe "grobe Fehler" begangen, eine Pistolenkugel in der Toilettenschüssel übersehen und Beweismaterial nicht sichergestellt. Richter Desmond Nair ließ kaum einen Zweifel daran, dass er den mordverdächtigen Paralympics-Stars Oscar Pistorius vor allem deshalb gegen Kaution freilasse, weil die Polizei schlampig gearbeitet habe. Daher habe auch die Staatsanwaltschaft nicht hinreichend belegen können, dass der 26-Jährige seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich ermordet habe. Also müsse der behinderte Profisportler aus der Haft entlassen werden.

Für den weltberühmten Angeklagten, der während der zweistündigen Erklärung des Richters immer wieder weinte und schluchzte, gab es am Freitag eine kaum noch erwartete Wende. Allerdings weiß der 26-Jährige, dass seine Haftentlassung in Südafrika auch die Gemüter erhitzen wird. Viele sind schon jetzt empört und bitter enttäuscht, wie Behörden und Polizei mit dem als "Blade Runner" bekannten Sportler umgehen.

"Pistorius wurde mit Samthandschuhen angefasst, von den Behörden und den Medien, weil er ein privilegierter, reicher, weißer Südafrikaner ist", empörte sich der angesehene Kolumnist Rapule Tabane von der Wochenzeitung "Mail & Guardian". Manche würden dank "Rasse und Klasse" geschützt. "Viel zu oft haben wir in Südafrika gesehen, dass Geld und gute Anwälte die Waagschalen der Justiz beeinflussen."

Pistorius genoss von Anfang an Privilegien

In der Tat können viele Südafrikaner nicht verstehen, wieso Pistorius von Anfang an Privilegien genoss. Er musste trotz Mordverdachts nicht ins Untersuchungsgefängnis, sondern wurde in einem Polizeirevier untergebracht, wo ihn ständig Freunde und Familie besuchen konnten. Im Polizeifahrzeug zum Gericht saß der Angeklagte nicht wie üblich auf dem Rücksitz, sondern auf dem Beifahrersitz. Anderen blühe in solchen Fällen "der gewöhnliche Schrecken der südafrikanischen Gefängnisse", lästerte Tabane.

Einen Rassenhintergrund stellte auch der Kolumnist Niren Tolsi her: Die große Angst vor Gewalt sei bei weißen Südafrikanern ein äußerst beliebtes Dauerthema. Dabei zeigten doch Untersuchungen, dass in der Mehrheit Schwarze Opfer von Verbrechen sind - wenngleich meist von schwarzen Kriminellen verübt. Und der Autor schlug den großen Bogen von Kolonialismus und Apartheid zur Gegenwart: "Seit 1652 nutzen Weiße ihre Feuerwaffen, um ihren Besitz und ihre Frauen vor den schwarzen Eingeborenen zu schützen."

In Südafrika wächst aber auch die Befürchtung, dass die noch junge Demokratie wegen des Falles weltweit an Ansehen verlieren könnte. "Die Marke Südafrika hat wegen der demonstrierten Inkompetenz der Polizei Schaden genommen", kommentierte die Zeitung "Business Day". Die Pistorius-Anhörung habe demonstriert, wie "chaotisch die Justiz" sei und welchen Einfluss das Engagement eines Staranwalts hat.

Pistorius stehen schwere Zeiten bevor

Der Sportler hat vor dem Gericht einen Etappensieg errungen, aber ihm stehen dennoch schwere Zeiten bevor. Eine Ikone wird er kaum bleiben können. Auch das Misstrauen seiner Landsleute wird ihn belasten. Wenige glauben, dass jemand spät nachts auf den Balkon geht, dann ein Geräusch im Bad hört, zu seinem Bett zurückkehrt, dort die Pistole ergreift und dann im Bad auf die verschlossene Toilettentür schießt - ohne ein einziges Mal zu schauen oder zu fragen, wo sich denn seine Freundin zu diesem Zeitpunkt befindet.

Alles schon sehr unwahrscheinlich, meinte auch der Richter skeptisch. Er betonte auch, dass seine Entscheidung in keiner Weise eine Vorentscheidung über Schuld oder Unschuld sei. Die spektakuläre Geschichte um die tödlichen Schüsse am Valentinstag im Hause des Sportlers scheint gerade erst begonnen zu haben.

Zum Thema
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Deutschlands Herzschlag: Diese Vereine haben wir gefördert Aktion Deutschlands Herzschlag Ohne diese Menschen wäre Deutschland sozial kälter
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Celsete: Sind Gewerkschaften noch nötig?

 

  von Coco1: habe für ienen Freund gebürgt kann er mich wieder rausnehme?

 

  von Max1267: Darf Ex-Freundin Laminat nach Auszug aus Wohnung rausreißen

 

  von Gast 108928: Darf ich Facebook Videos von Like-Seiten auf meiner eigenen Like-Seite teilen ?

 

  von Gast 108914: wie messe icch die rahmengrösse meines farrades

 

  von Gast 108904: Nachtschichtzulage muß die gezahlt werden

 

  von Gast 108902: Feuerkäfer

 

  von Gast 108883: Wie schließe ich eine 380 Volt lampe an ein 230 Volt Netz ? Kann ich durch farbgleiches Verklemmen...

 

  von Gast 108877: Brauner Rohrzucker verliert Farbe im Wasser

 

  von Gast 108867: Kann ich eine Votovoltaikanlage auf dem Hausdach von der Steuer absetzen ..

 

  von Gast 108865: Muss ich bei einem bebauten Erbbaugrundstück die volle Grunderwerbssteuer zahlen?

 

  von Gast 108858: Wie kann ich eine AVI-Datei auf dem Windows Media Player anschauen?

 

  von Amos: Woran liegt es, daß der örtliche Gasversorger von einem strengen Winter spricht, obwohl es hier...

 

  von Celsete: Wo gilt der Tag der Arbeit eigentlch als Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf (sollte)??

 

  von Gast 108842: muß ich eine steuererklärung abgeben bei einem 455 euro jop?

 

  von Gast 108832: Ab wann, Welches Baujahr, wird für einen Oldtimer, keine Abgasuntersuchung mehr gefordert?

 

  von Gast 108812: wie lange muss ich nach einem medizin studium z.b. an einer klinik arbeiten bis ich meine eigene...

 

  von Gast 108808: Wie kann man den Reisepass verlängern?

 

  von Gast 108802: Wie unterscheiden sich Dressursattel und Vielseitigskeitsattel?

 

  von Gast 108785: Alt-Autoentsorgung