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14. Dezember 2010, 21:46 Uhr

Mutter verging sich an eigenem Sohn

Der kleine Marco musste nicht nur diverse Sexpraktiken seiner Mutter filmen, sondern wurde auch von ihr und ihrem Freund missbraucht. Der Achtjährige war nicht das einzige Opfer des Paares, das nun vor Gericht steht. Von Uta Eisenhardt, Berlin

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Einschlägige Bilder und Filme auf dem Computer hatten das Täterpaar überführt© Uwe Zucchi/DPA

Es gibt ein Geheimnis zwischen ihm und seiner Mutter, vertraut Marco* der Richterin in einem Vernehmungsvideo an: "Dass wir uns sehr lieb haben und nie auseinander kommen", sagt der Achtjährige. Die Liebe kleiner Kinder zu ihren Eltern scheint offenbar unerschütterlich zu sein - Marco soll von seiner Mutter Rosemarie K.* und deren Freund Andrew McG.* missbraucht worden sein. Mehrmals.

Nun sitzen die Angeklagten vor dem Berliner Landgericht. Während des Prozesses ducken sich die Angeklagten tief hinter die Balustrade. Manchmal sieht es so aus, als wären sie gar nicht anwesend, während die Richter um Sachlichkeit bittet und die Zeugen um Fassung ringen. In einem pauschalen Geständnis bedauert Rosemarie K. ihr Tun. Sie hoffe, eines Tages ihrem Sohn erklären zu können "warum ich diese Taten durchgeführt habe." Jetzt stellt der Psychiater sein Gutachten vor - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Beide Angeklagten gelten als schuldfähig, verrät Anwalt Mirko Röder. Wie kam es zu dieser unheiligen Allianz?

Beide sind nicht vorbestraft und beide hatten Arbeit

Auf den ersten Blick erfüllen die Beschuldigten nicht das Klischee von einem Milieu in Elend und Armut. Beide sind nicht vorbestraft und beide hatten Arbeit: Rosemarie K. als Pflegehelferin, Andrew McG. als Fernfahrer. Im September 2008 lernte sich das Paar auf einer geronto-psychiatrischen Station kennen. Dort betreute die unscheinbare Pflegehelferin Andrews Großmutter. Der 39-Jährige, ein Mann mit groben Gesichtszügen, gewann schnell ihr Herz. Er offenbarte ihr seine Sex-Phantasien, in denen kaum ein Fetisch nicht vorkommt. Die Freundin reagierte verständnisvoll, kaufte ihm sogar einen Strampler. Um die Wünsche ihres Lebensgefährten zu erfüllen, opferte Rosemarie sogar ihren Sohn: Im Mai 2009 verabreichte sie ihm erstmals ein Schlafmittel und ließ den Missbrauch durch ihren Freund zu. Fortan musste Marco häufig Tabletten nehmen. Weigerte sich der Kleine, drohte Andrew ihm.

Bis März 2010 vergingen sie sich regelmäßig an dem Jungen. Wenn er wach war, zeigten sie ihm sexuelle Praktiken. Marco musste sogar mitmachen: "Ich wollte ja nicht seine Gefühle verletzen und Mamas auch nicht", sagt der Junge. Außerdem habe er Angst vor Andrew gehabt. Etliche Szenen filmte Rosemarie K. mit ihrem Handy, auch der Kleine musste filmen. Die Taten an ihrem Kind hätten sie erregt, gestand sie. Täglich chattete das Paar über sexuelle Vorlieben, über den letzten Missbrauch. Wenn der Fernfahrer auf Tour war, verfolgte er via Webcam, wie sich die Mutter an ihrem Sohn verging.

"Konnte mich nicht bewegen, als ob ich festgekettet wäre"

Gegenüber der Ermittlungsrichterin kann Marco darüber nur wenig berichten: Die Medikamente hätten dafür gesorgt, dass das Erlebte nur im Kurzzeitgedächtnis gespeichert wurde, erklärt eine Chemikerin.

Im Juli 2009 weilte Marcos Schulfreundin über Nacht bei den K.'s. Die Mutter reichte den Kindern einen mit Tabletten versetzten Joghurt. "Der schmeckte eklig bitter", sagt Marco, deshalb wechselte die Mutter zu Limonade. Als die Kleinen schliefen, telefonierte sie ihren Freund herbei. Der vergewaltigte den Jungen und fasste das Mädchen an. Die beiden waren nicht die einzigen Minderjährigen. Eine 14-Jährige wurde mit tablettenversetztem Alkohol abgefüllt und betascht. Doch das Mädchen schlief nicht: "Ich konnte mich gar nicht bewegen, als ob ich festgekettet wäre", berichtet sie unter Tränen.

Damit nicht genug, Rosemarie K. suchte weiter nach Opfern. Bis Anfang des Jahres eine weitere Geliebte von Andrew Mc G. in dessen Computer herumstöberte und die eifersüchtige Frau den Ordner "Rosie" öffnete. Dort fand sie die kinderpornografischen Fotos und ein etwa 200-seitiges Chat-Protokoll, das sie der Polizei übergab. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung stieß eine Ermittlerin auch auf die Filme in Rosemaries Handy. Als die Zeugin dem Gericht das Gesehene schildert, kommen selbst der erfahrenen Ermittlerin die Tränen.

"Von ihrem Sohn spricht sie wie von einer Sache"

Die Verdächtige kam in Untersuchungshaft und dort berichtete sie gegenüber Mitgefangenen von ihrer Familie. Rosemarie sei gefühlskalt, sagt eine von ihnen: "Von ihrem Sohn spricht sie wie von einer Sache. Es ging immer nur um materielle Dinge, die sie ihm kaufen würde, nie um mütterliche Gefühle." "Ich glaube, dass sie sich nicht bewusst ist, wie schwerwiegend das ist", sagt die andere Mitgefangene. "Es ging nie um Marco, nie um ihre Taten. Sie war zermürbt, weil sie von Andrew getrennt wurde. Sie würde alles für diesen Mann tun und würde es wieder tun."

Wenn kurz vor Weihnachten die Urteile fallen, geht es für beide Angeklagten nicht nur um fünfzehn Jahre Haft wegen sexueller Nötigung und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Es geht auch um Sicherungsverwahrung. Diese müsse verhängt werden, fordert die Staatsanwältin, weil ein "Hang zu erheblichen Straftaten" und "Allgemeingefährlichkeit" vorliege. Im Gutachten aber, so Verteidiger Georg Schäfer, sei die Sicherungsverwahrung für keinen der beiden Angeklagten bejaht worden: Ihre Gefährlichkeit könne möglicherweise durch eine Therapie gebannt werden.

*Namen geändert

Von Uta Eisenhardt, Berlin
 
 
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