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3. Juli 2009, 12:39 Uhr

Das Motiv heißt Ausländerhass

Was trieb den 28-jährigen Russlanddeutschen dazu, eine Ägypterin im Gerichtssaal zu erstechen? Zwei Tage nach dem Blutbad sind die Ermittler zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei dem Täter um einen fanatischen Ausländerfeind handelt. Der Mann der Toten befindet sich noch in einem kritischen Zustand.

Dresden, Gericht, Tatort, Zeugin erstochen, Angeklagter ersticht Zeugin

Die Polizei beschreibt den Messerstecher als fanatischen Einzeltäter© Matthies Rietschel/AP

Zwei Tage nach der tödlichen Messerattacke auf eine Ägypterin im Dresdner Landgericht steht für die Ermittler fest, dass das Motiv Ausländerhass ist. "Das war eindeutig eine ausländerfeindliche Tat eines fanatischen Einzeltäters", sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius am Freitag.

Der beschuldigte 28-jährige Russlanddeutsche soll die 31-jährige Ägypterin am Mittwoch im Dresdner Landgericht mit mindestens 18 Messerstichen getötet und deren Ehemann lebensgefährlich verletzt haben, bevor er überwältigt werden konnte. Der Zustand des Mannes, der seine Frau schützen wollte, ist nach wie vor kritisch.

Gegen den 28-Jährigen wird nun wegen Mordes ermittelt. Nach den Erkenntnissen der Ermittler sei er ein Einzelgänger gewesen. Er habe offenkundig keine Kontakte zu rechtsextremistischen Gruppierungen gehabt. Derzeit werden in seiner Wohnung beschlagnahmte Unterlagen ausgewertet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Das ganze Tatgeschehen und die Vorgeschichte wiesen aber schon jetzt klar auf Ausländerhass als Motiv.

Opfer schon vergangenes Jahr beleidigt

Die Frau war von dem Beschuldigten bereits Mitte 2008 auf einem Spielplatz als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" beleidigt worden. Die Muslimin hatte deswegen Anzeige gegen ihn erstattet und war als Zeugin geladen. Oberstaatswanwalt Avenarius sagte, er habe sich bereits beim ersten Beleidigungs-Prozess als Ausländerhasser zu erkennen gegeben, für den Menschen aus der arabischen Welt "keine beleidigungsfähigen" Personen seien.

Es habe dennoch nichts darauf hingedeutet, dass er nun in diesem Maße gewalttätig werden könnte. Der bislang nicht vorbestrafte Russlanddeutsche kam 2003 aus dem russischen Perm nach Deutschland. Avenarius sagte, unklar sei auch noch, ob er durch Chauvinismus in Russland oder deutsche Rechtsextremisten geprägt worden sei. Die Staatsanwaltschaft will die Ermittlungen in wenigen Monaten zum Abschluss bringen und dann Anklage erheben.

Es seien inzwischen auch Zeugen vernommen worden, die zur Tatzeit im Gerichtssaal gewesen seien. Die ägyptische Familie hielt sich laut "Sächsischer Zeitung" im Rahmen eines Stipendiums ihrer Regierung seit vier Jahren in Dresden auf. Der Mann arbeitete als Pharmakologe am Max-Planck-Institut, seine schwangere Frau war in einer Apotheke beschäftigt. Die Familie wollte laut dem Bericht mit ihrem dreijährigen Sohn in einem Vierteljahr in die Heimat zurückkehren.

Unterdessen sind Angehörige der Familie aus Ägypten auf dem Weg nach Dresden, um sich um den Ehemann und den Sohn zu kümmern, der den Tod der Mutter miterleben musste. Auch geht es um die Freigabe der Toten, die nach muslimischen Recht schnellstmöglich beerdigt werden müssen.

AP/DPA
 
 
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