. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Februar 2010, 08:20 Uhr

Größerer Tsunami bleibt zunächst aus

Der nach dem Erdbeben in Chile befürchtete Tsunami ist auf den zu den USA gehörenden Inseln im Pazifik glimpflich verlaufen. In Chile dagegen stiegen die Opferzahlen auf über 200 Tote.

Erdbeben in Chile, Tsunami, Tsunamiwarnung, Santiago de Chile,

Mit Sandsäcken schützt dieser Ladeninhaber sein Geschäft auf der Hawaii-Insel Hilo© Bruce Omori/EPA

Mehrere Flutwellen erreichten Hawaii 16 Stunden nach dem Beben im Abstand von etwa 20 Minuten. Nahe der Stadt Hilo auf der Insel Hawaii wurde eine 1,7 Meter hohe Welle gemessen, auf der Insel Maui waren einige Wellen bis zu zwei Meter hoch. Gouverneurin Linda Lingle erklärte, Berichte über Schäden oder Verletzte lägen nicht vor.

Die Menschen waren am Samstag mit Sirenen und aus Flugzeugen heraus vor dem Tsunami gewarnt worden. Bewohner wurden angewiesen, sich in höhere Gebiete in Sicherheit zu bringen. Die Marine verlegte eine Fregatte, drei Zerstörer und zwei kleinere Schiffe aus Pearl Harbor auf offene See, um der möglichen Wucht eines Tsunamis zu entgehen. Die beliebten Strände waren verwaist, Luxusvillen in Küstennähe wurden evakuiert, Läden in der Touristenhochburg Waikiki auf Oahu waren geschlossen. Zahlreiche Bewohner deckten sich mit Lebensmitteln und Benzin ein. Bis zum Nachmittag wurde der Alarm wieder aufgehoben. "Wir sind noch einmal davongekommen", sagte Gerard Fryer, Geophysiker am Pazifischen Tsunami-Warnzentrum in Hawaii. "Wir hatten höhere Wellen erwartet, vielleicht 50 Prozent größer als sie dann tatsächlich waren."

Noch keine Entwarnung in Japan

Am Sonntag hat der Tsunami hat Japan und Russland erreicht. Tsunami-Wellen bis zu 90 Zentimeter Höhe schlugen an der japanischen Nordküste auf, wie Medien berichteten. Die Behörden hatten knapp 250.000 Menschen entlang des Pazifiks aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Einige Zugverbindungen wurden eingestellt, Autobahnen für den Verkehr gesperrt.

Nach Angaben der Meteorologischen Behörde erreichte auch ein zehn Zentimeter hoher Tsunami die Ogasawara-Inseln, ein weiterer Tsunami von 30 Zentimetern Höhe wurde in Hokkaido beobachtet. Dennoch galt die Gefahr zunächst noch nicht als gebannt. Für die gesamte japanische Ostküste galt eine Tsunami-Warnung, hunderttausende Menschen in niedrig gelegenen Regionen waren aufgefordert worden, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.

Auch in der ostrussischen Region Kamtschatka war der Tsunami zu spüren. Eine Reihe von Wellen mit bis zu 80 Zentimetern Höhe sei registriert worden, sagte eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums. Über Schäden sei nichts bekannt. Die Tsunami-Warnung sei aufgehoben worden.

Mehr als 300 Erdbebentoten in Chile

Bei dem schweren Erdbeben in Chile sind nach Schätzungen der nationalen Notfallbehörde mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Die Leiterin der Behörde, Carmen Fernandez, sagte am Samstagabend, die Zahl werde vermutlich noch steigen. Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, mindestens 214 Menschen seien getötet worden, 15 würden vermisst. 1,5 Millionen Menschen seien von dem Beben der Stärke 8,8 am frühen Samstagmorgen betroffen, 500.000 Häuser und Wohnungen seien schwer beschädigt. Das Epizentrum lag 115 Kilometer entfernt von der Stadt Concepción und rund 320 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Santiago.

An Chiles Küste blieb nach dem verheerenden Erdbeben vielerorts kein Stein mehr auf dem anderen. "Es bebte und dann kam das Meer in unser Haus, es reichte uns bis zum Hals. Ich habe meine Tochter umarmt und ihr gesagt: Durchhalten", erzählte Eloísa Fuenzalida, eine Einwohnerin des völlig zerstörten Ortes Iloca im Süden Chiles. "Als wir konnten, sind wir durch den Morast in Richtung Berge. Ich weiß nicht, wie viele gestorben sind", sagte sie.

Ein Mann namens Luis Bravo berichtete, sie hätten das Gebiet zu Fuß verlassen müssen, weil alle Autos und Lkws unbrauchbar gewesen seien. "Das Meer hat die Autos weggeschwemmt, die Häuser, alles, alles", sagte ein Hörer einem Radiosender in Curicó, einem Ort etwa 120 Kilometer von Iloca entfernt. Das gewaltige Erdbeben der Stärke 8,8 verwüstete auch diese südchilenische Stadt. "Diese Trümmer waren eine Kirche, die "El Buen Pastor" (Der Gute Hirte) hieß. Wir hätten heute Messe gehabt", sagte Nelly Acevedo, Gemeindemitglied aus Curicó.

Internet und Telefone funktionierten nicht

Der historische Stadtkern Curicós ist weitgehend dem Erdboden gleich gemacht. Die Lehmhäuser stürzten ein. In den Rinnsteinen sitzen Kinder über und über mit Staub bedeckt und halten ihre Kuscheltiere fest. Die Behörden vorsorglich eine Ausgangssperre verhängt, um Plünderungen zu verhindern. Kritisch war die Lage auch in der Stadt Chillàn, wo 269 Häftlinge nach dem Erdbeben aus dem Gefängnis flohen. 28 von ihnen wurden gefasst, mindestens drei auf der Flucht erschossen. Die Polizei patrouilliert in den zerstörten Gebieten.

Die Behörden fürchten, dass sich das volle Ausmaß der Katastrophe erst in den kommenden Tagen zeigen wird. Wassermangel, Kommunikationsprobleme und die Isolierung der Küstenregionen könnten die Lage nach und nach verschlimmern. Verteidigungsminister Francisco Vidal sprach von einer "Tragödie".

Zwischen den Trümmern ihrer Häuser warten die Leute auf den Straßen auf Hilfe oder irgendeine Lösung für ihre desolate Lage. Ein Feuerwehrmann, der völlig niedergeschlagen zwischen den Schutthaufen hin und her läuft, sagt nur: "Ich kann nicht reden. Ich kann nicht reden." Auch das Gebäude der Feuerwehr ist teilweise eingestürzt.


Größere Kartenansicht

Wir sind noch einmal davongekommen

Stichwort Tsunami Tsunamis sind Riesenwellen. Sie können entstehen, wenn Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern. Anders al normale Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Auf hoher See ist die Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird wegen ihrer großen Länge von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten kann sie dann aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auflaufen und ganze Landstriche verwüsten. Tsunamis breiten sich mit bis zu 900 Kilometern pro Stunde aus und können so binnen kurzer Zeit ganze Ozeane durchqueren. Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik. Frühwarndienste versuchen mit Sensorbojen, Computern und Satelliten, betroffene Gebiete rechtzeitig vor Riesenwellen zu warnen. Die Tsunami-Katastrophe am 26. Dezember 2004 in Südostasien forderte mehr als 230.000 Todesopfer.

dpa

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
hpulmer (28.02.2010, 14:39 Uhr)
Furz als Katastrophe
Schon klar, dass der Tidenunterschied von 30 cm, der bemerkbar ist, keine Katastrophe darstellt - doch wenn man sich mal klarmacht, welche Energie dafür nötig ist - beim Pazifik handelt es sich nicht um den Gartenteich. Und dass es letztendlich keine 5 Meter Monsterwellen wurden war auch erst klar, nachdem alles vorbeigezogen war.

Dass bei dem Erdbeben von gestern nicht mehr Menschen umgekommen sind ist nur der Tatsache zu verdanken, dass Chile ein Erdbeben"erprobtes" Land ist. 1960 das stärkste registrierte Erdbeben vor Valdivia, 1985 ein weiteres katastrophales Beben in Valparaíso, gestern das von Concepción... mal ganz davon abgesehen, dass man fast jede "normale" Woche einige Beben spürt. Wären die Gebäude nicht so gut gebaut, immer die Erdstöße im SInn habend, dann wäre ganz anders gewesen. Ich habe selbst mehrere Jahre in Santiago gelebt,in einem 10 Stockwerk gearbeitet - man gewöhnt sich an die kleineren Bewegungen, Schwanken bis zu 2 Metern zur Seite, obwohl auch das immer bange Momente sind.
Nach den Erzählungen unserer Verwandten dort war es diesmal jedoch so, dass es immer stärker wurde und nicht aufhörte.
Ich hoffe, dass sich "confused" an seinen Mickeymouse Heften vergnügt, während unsere Gedanken und Gebete bei den über 300 Opfern und deren Familien sind, sowie bei den 2 Mio, die ihr Heim verloren haben!
isarstaedter (28.02.2010, 12:03 Uhr)
Liebe Eiffel Bewohner
schon klar dass ihr keinen Blassen vom Meer habt. Also erklaer ichs euch einfach: wir haben hier in NZ, wie ueberall, Tiden die relativ exakt vorher gesagt werden koennen. Wenn wie heute frueh die Ebbe deutlich unter dem erwarteten Stand ist, und 30cm merkt man wenn ob ihrs glaubt oder nicht, und das genau mit der Zeit zusammenfaellt, an dem die Welle erwartet wird, dann kann man die Auswirkungen eines Tsunamis sehr wohl messen. Es muss ja nicht immer eine Monsterwelle daher kommen. Mein Tip: oefters mal mit dem Thema beschaeftigen bevor man lossabbelt...:-)
nerventanz (28.02.2010, 10:28 Uhr)
Japan ist auch ziemlich weit
Ich finde das interessant, dass sie die Wellen überhaupt zuordnen können, nach so einer Entfernung.

Die größten Wellen trafen auf Französisch Polynesien, 4 Meter hoch.
confused (28.02.2010, 10:01 Uhr)
Wahnsinnig
"Tsunami-Wellen bis zu 90 Zentimeter Höhe schlugen an der japanischen Nordküste auf,""Nach Angaben der Meteorologischen Behörde erreichte auch ein zehn Zentimeter hoher Tsunami die Ogasawara-Inseln, ein weiterer Tsunami von 30 Zentimetern Höhe wurde in Hokkaido beobachtet."

Ich wusste bis dato garnicht das SO HOHE WELLEN an diesen Küstenregionen nicht vorkommen.

demnächst verkauft man uns noch einen Furz als Katastrophe ....

Die Medien, die Welt des Bange machen, ausser schlechten Schlagzeilen passiert wohl nicht mehr viel auf der Welt.
Wie tief sind wir gesunken das wir uns das auch noch reinziehen.
Ich glaube ich fange wieder an MickeyMaus Heftchen lesen, die sind informativer
Schönen Sonntag allen
MEHR ZUM ARTIKEL
Hintergrund Die schwersten Erdbeben der vergangenen Jahre

Ein schweres Erdbeben in Chile hat das Zentrum des Landes erschüttert. Immer wieder verursachen Erdstöße weltweit gewaltige Zerstörungen und fordern zahlreiche Tote und Verletzte, zuletzt am 12. Januar 2010 in Haiti. Stern.de gibt einen Überblick über einige der schwersten Beben der vergangenen Jahre. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe