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24. Juli 2011, 16:46 Uhr

"Wir wollten nur raus"

Die große Techno-Party genau vor der Haustür? Die 20-jährige Nadine Jüttges wollte schon immer mal die Loveparade besuchen. Die Party wurde zum Alptraum und endete für die Schülerin im Krankenhaus.

Duisburg, Katastrophe, Loveparade, Tote, Opfer, Raver, Wedau-Klinik

Nadine Jüttges im Krankenhaus in Duisburg© Andreas Endemann

Am Anfang ging es noch einigermaßen. Der Weg durch den Tunnel war kein großes Problem, obwohl es auch dort schon sehr beklemmend war. Es war ziemlich schmal, so etwa 15 Meter. Ich habe nur gedacht, wenn hier etwas passiert, dann gibt es keinen Ausweg mehr. Gegen 16 Uhr erreichten wir den Aufgang zur Bühne. Dann begann das Chaos: Menschenmassen strömten uns entgegen. Sie wollten raus, wir wollten rein, es kamen immer mehr, das Gedränge wurde immer schlimmer. Die Polizei stand oberhalb des schmalen Zugangs zur Bühne und schaute zu, wie die Situation eskalierte. Keiner von den Leuten hatte mehr Lust auf die Loveparade. Wir wollten da nicht mehr hin, wir wollten nur raus.

Der Weg zur Loveparade war eine einzige Falle

Neben mir stand eine Frau, die um Hilfe schrie und nach Luft schnappte. Sie war um die 20 Jahre alt. Es war grauenhaft. Keiner half ihr. Ich glaube, sie hat es nicht geschafft. Menschen lagen bewusstlos auf dem Boden, andere trampelten auf ihnen herum. (Nadine fließen Tränen übers Gesicht)

Die Leute haben geschrien und geweint. Sie wurden auf dem Boden erdrückt und blieben bewusstlos liegen. Ein junger Mann versuchte, sich an den Plakatwänden an der Seite des Aufgangs zur Bühne hochzuziehen. Er fiel mit der Plakatwand in die Menge. Die Panik wurde größer und größer. Ich habe gedacht, ich komme da nicht mehr raus, es ging nicht vor und nicht zurück. Auch meine Freundin dachte, wir schaffen das nicht. Ich habe so gekämpft, es war so schrecklich, die Menschen zu sehen, wie hilflos sie waren. Und wir konnten nichts machen, es ging nur darum, dass wir unseren Kopf hoch hielten, ansonsten wären wir erstickt. Die Leute hatten Panik, es war so eng. Man hat versucht, sich zu sagen, es wird schon irgendwann zu Ende sein, aber ein Ende war nicht in Sicht. Der Weg zur Loveparade war eine einzige Falle.

Das Ganze war ein einziger Horror

Der Wahnsinn dauerte eine Stunde, erst dann griff die Polizei endlich ein. Dabei schrien sie mich auch noch an, ich solle aufstehen, dabei konnte ich nicht mehr laufen. Als ich um Wasser bat, sagte mir ein Polizist, es gebe wichtigere Leute, die etwas zu trinken bräuchten. Erst die Sanitäter haben sich um uns gekümmert. Sie haben mir Wasser gegeben und mich weggetragen. Ich lag etwa anderthalb Stunden im Tunnel, bis endlich der Krankenwagen kam. Ich hatte furchtbaren Schüttelfrost, mir tat alles weh, ich konnte mich nicht mehr bewegen. Das Ganze war ein einziger Horror. Ich hatte Todesangst, das war meine erste Loveparade und sicher auch meine letzte. Ich werde da nie wieder hingehen.

Aufgezeichnet von Frank Gerstenberg
 
 
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