Cohn-Bendits "Männerfantasien"

10. Mai 2013, 11:55 Uhr

Der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit wehrt sich in einem Zeitungsinterview gegen Missbrauchsvorwürfe. Alles sei nur Fantasie gewesen.

Daniel Cohn-Bendit, Pädophilie, Missbrauch, Vorwürfe

Der Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit weist Missbrauchsvorwürfe zurück©

Daniel Cohn-Bendit ist ein erfolgreicher Politiker, er gilt als engagierter Europäer und Kämpfer gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Aber ein Gespenst der Vergangenheit holt den grünen Europaparlamentarier immer wieder ein: der Pädophilievorwurf. Grund sind Passagen seines Buches "Der große Basar" von 1975. Darin schreibt er über erotische Spiele mit Kindern in seiner Zeit als Erzieher in einem Kinderladen. Den Vorwurf des Kindesmissbrauchs hat er mehrfach zurückgewiesen.

Bei der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises vor wenigen Wochen sagte Preisträger Cohn-Bendit: "Kritisiert mich für das, was ich geschrieben habe, aber jagt mich nicht für etwas, das ich nicht getan habe." Dennoch stellte die "FAZ" hinterher in ihrem Bericht über die Veranstaltung erneut die Frage, ob es damals wirklich keine sexuellen Handlungen mit Kindern gegeben habe. Frühere Antworten Cohn-Bendits auf den Vorwurf seien "gestochen scharf und zugleich verschwommen" gewesen.

Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat Cohn-Bendit die Vorwürfe nun noch einmal klar zurückgewiesen. "Nicht einmal die Zärtlichkeiten der Kinder gab es. Da bleibe ich dabei. Das ist eine Männerfantasie. Verführungswahn", sagte der Politiker. Es ärgere ihn, dass Pädophile die Buch-Passage als Legitimation für Missbrauch heranziehen konnten. "Da habe ich auch ein schlechtes Gewissen."

Cohn-Bendit wird den Missbrauchsvorwurf noch oft zurückweisen können, verschwinden wird er nicht. Die Google-Suche ergänzt "Cohn-Bendit" automatisch mit "Kinderschänder". 2014 wird er seine Karriere als Europaparlamentarier beenden. "Ich stand in allen meinen Kämpfen moralisch auf der richtigen Seite", sagte Cohn-Bendit der "SZ". "Zum ersten Mal stehe ich auf der falschen Seite."

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