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Pädophilie-Debatte: Das Gemurmel des Jürgen T.

Der Politologe Franz Walter hat - sechs Tage vor der Wahl - den grünen Spitzenkandidaten in der Pädophilie-Debatte belastet. Und Trittin? Weiß keine rechte Antwort.

Von Lutz Kinkel

Selten war Jürgen Trittin in einer so schlechten Verfassung zu sehen. Er ist blass. Spricht leise. Weicht Fragen aus. Verzieht das Gesicht zu einem ironischen Lächeln, das paradox, wenn nicht hochmütig wirkt. Redet von "Fehlern". Vermeidet persönliche Einlassungen. Bestätigt damit indirekt Vorwürfe, die ihm der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter macht. Es ist ein heilloser Auftritt. Sechs Tage vor der Wahl. Es geht um Pädophilie.

Die Grünen hatten Franz Walters Institut für Demokratieforschung nach der hitzigen Debatte um Daniel Cohn-Bendit damit beauftragt, die pädophilen Strömungen in der Gründerzeit der Partei und in den sozialen Bewegungen zu untersuchen. Die Studie soll 2014 fertig sein. Doch schon jetzt veröffentlicht Walter Teilergebnisse; drei, vier Artikel hat er schon draußen. Sein jüngster, publiziert an diesem Montag in der "taz", ist ein Fangschuss auf Trittin. Walter schreibt, dass Trittin 1981, damals noch Student in Göttingen, presserechtlich das Wahlprogramm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste ("Agil") verantwortete. Darin heißt es, Sex zwischen Erwachsenen und Kindern sei zu legalisieren, insofern er nicht unter Androhung oder Anwendung von Gewalt zustande kam. Ursprünglich hatte die "Homosexuellen Aktion Göttingen" diese Forderung aufgestellt. Die Agil, die sich als politische Plattform der Initiativen verstand, hat sie einfach übernommen. Und Trittin hat mit diesem Programm Wahlkampf gemacht. Er wollte in den Göttinger Stadtrat einziehen.

Das Gekeife im Wahlkampf

Also auch Trittin. Dass diese Nachricht in der heißen Phase des Wahlkampfs nicht nur der Vermehrung von Erkenntnissen dient, sondern auch eine dramatische politische Wirkung entfalten würde, muss Franz Walter klar gewesen sein. Die "Süddeutsche Zeitung" hat die Publikation des Artikels nach stern.de-Informationen aus genau diesem Grund abgelehnt. Walters Coautor Stephan Klecha rechtfertigt sich im Gespräch mit stern.de: "Hätten wir die Ergebnisse nach der Bundestagswahl veröffentlicht, hätte man uns vorgeworfen, dass wir etwas vertuschen wollen. Wir veröffentlichen die Dinge dann, wenn wir sie für belastbar halten." Er und Walter seien sich der politischen Dimension des Timings durchaus bewusst gewesen. "Aber ich bin überrascht über die Vehemenz, mit der dieses Thema aufgegriffen wird."

Überrascht? Es ist Wahlkampf. Der CDU-Vize Armin Laschet fordert eine neue #aufschrei-Debatte, diesmal zu den pädophilen Strömungen der Grünen. CSU -Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte "Focus Online", Trittin müsse seine Spitzenkandidatur ruhen lassen. "Statt sich selbst zu stellen und die Karten auf den Tisch zu legen, hat er gewartet, bis er enttarnt und überführt wurde. Der heuchlerische Umgang mit der Pädophilie-Vergangenheit ist mit ein Grund, warum die Wähler sich von den Grünen abwenden." Auch der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder ging den Spitzengrünen hart an. "Herr Trittin soll sich wirklich überlegen, ob er der Richtige ist für diese Führungsaufgabe bei den Grünen", sagte Mißfelder. Was dieser zu verantworten habe, sei " absolut indiskutabel und abscheulich".

Die konsternierende Sprachlosigkeit

Trittin, der am Montagvormittag gemeinsam mit Spitzenkandidatin Kathrin Göring-Eckardt in der Berliner Geschäftsstelle der Grünen Stellung bezog, tut solche Forderungen als "Gekeife" ab. Er sagt, es sei ihm noch erinnerlich gewesen, dass er das Göttinger Wahlprogramm 1981 mitabgezeichnet habe. Aber an diesen speziellen Passus zugunsten der Pädophilen habe er sich nicht mehr erinnern können. Darauf habe ihn die "taz" erst am Sonntagnachmittag aufmerksam gemacht. Auf die bohrende und mehrfach gestellte Frage, warum er nicht frühzeitig selbst einen Mitarbeiter beauftragt habe, in seinen Unterlagen zu nachzuforschen, bleibt Trittin eine konkrete Antwort schuldig. Was wiederrum einen Eindruck bestätigt, den Walter in seinem Artikel so formuliert: "Die Grünen halten lieber den Mund, murmeln höchstens von einem besonderen Zeitgeist, raunen von Verirrten und Sektierern, die man hinter sich gelassen habe. Nein, mit dem Thema Pädophilie lässt sich für Grüne nicht gut wahlkämpfen. So ist das."

"Sprachlosigkeit" wirft Walter der grünen Führungsriege vor. Der Wissenschaftler ist erkennbar erbost darüber, dass ihm weder damalige politische Befürworter noch echte Täter Auskunft geben. Sein Artikel ist auch eine gebrüllte Forderung: Redet endlich! Klärt auf! Lasst uns die Zusammenhänge verstehen! Aber wenn Trittin redet, sind nur glatt gekieselte Formeln zu hören, er klingt so, als habe er Deutschstunden bei Angela Merkel genommen. Ja, er habe Fehler gemacht. Das bedauere er. "Diesem falschen Politikverständnis habe ich mich nicht hinreichend entgegengestellt." Im Übrigen habe er mehrfach gesagt, dass es in der Gründungsphase der Grünen falsche Forderungen gegeben habe, und diese Forderungen zu spät korrigiert worden seien. Als ginge es um eine misslungene Straßenverkehrsplanung in grauer Vorzeit. Als habe das alles wenig mit ihm zu tun. Trittins finales Argument, das auch Göring-Eckardt wiederholt, die direkt neben ihm steht: "Wir waren es, die diese Untersuchung in Auftrag gegeben haben."

Die berüchtigte Salamitaktik

Ja. Die Grünen waren es. Sie haben die Initiative ergriffen. Nach Jahrzehnten des Schweigens und vor allem: nicht freiwillig. Und nun muss sich selbst Trittin, der Profi und Kontrollfreak, vorführen lassen. Der grüne Spitzenkandidat hat seine Verwicklung nicht selbst ausgepackt, sondern sie erst eingeräumt, als ein Anderer sie nachgewiesen hat. Das ist die berüchtigte Salamitaktik, das zerstört Glaubwürdigkeit. Es ist wie so oft in der Politik: Wer mit einem Skandal nicht richtig umzugehen weiß, macht ihn nur noch größer. Die Grünen haben eine unangehme Woche vor sich.

Mitarbeit: Marius Gerads, Birgit Haas
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(