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Landtagswahl in Bayern: Jetzt muss Merkel zittern

Die FDP: raus. Seehofer: ein König. Das heißt für die Bundestagswahl: Kanzlerin Angela Merkel geht unbequemen Zeiten entgegen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Der Sieger der bayerischen Landtagswahl ist völlig unstrittig: Horst Seehofer. Auf Twitter spotten sie bereits, die Bayern seien die "Zeugen Seehovas".

Ebenso eindeutig ist, wer der Verlierer ist: die Liberalen.

Und was das für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag bedeutet, liegt auf der Hand: Jetzt muss Angela Merkel ernsthaft um die Fortsetzung ihrer schwarz-gelben Koalition zittern. Bayerns Wahlausgang spricht sehr dafür, dass sie wieder eine Große Koalition eingehen muss.

Seehofer: erst Notnagel, jetzt Superman

Dass Horst Seehofer für die CSU die absolute Mehrheit geholt hat, ist ein rundum bemerkenswerter Erfolg. Er hat seine Partei aus dem Keller des 43-Prozent-Ergebnisses der vergangenen Landtagswahl geholt und ihr wieder Selbstbewusstsein gegeben. Und er hat dies geschafft unter überaus widrigen Umständen. Trotz einer Spezl-Affäre, weil die CSU Familienmitglieder im Landtag auf Kosten der Steuerzahler beschäftigte, trotz einem Milliarden-Euro-Minus der Landesbank und trotz einem menschlich sehr berührenden Justizskandal im Fall Mollath. Mit einer solchen Masse politischer Fehlleistungen mussten sich die Vorgänger Seehofers, namentlich Franz-Josef Strauß und Edmund Stoiber, nicht auseinandersetzen.

Und es ist zu bedenken, dass Seehofer nie als kommender Supersieger der CSU galt. Diese Hoffnungen richteten sich - wenn überhaupt - auf Karl-Theodor zu Guttenberg, solange er noch in Amt und Würden war. Seehofer war ein Notnagel, die letzte Karte der CSU, weil die Partei Erwin Huber und Günther Beckstein nichts mehr zutraute.

Doch dieser Seehofer hat Machtinstinkt und den Willen zum Sieg bewiesen. Und schlussendlich alles abgeräumt. Das wird Kanzlerin Angela Merkel zu spüren bekommen. Er wird ihr nun pausenlos eintrichtern, dass er der mächtigste Ministerpräsident der Republik sei. Einer, der mitentscheidet, wer der nächste Bundeskanzler der Republik wird und wer nicht. Deutschland wird in der kommenden Legislatur von München aus mitregiert, keine Frage.

Zweitstimmenkampagne und Veggie-Grüne

Auch die anderen Ergebnisse der Bayern-Wahl werden Einfluss auf den Bund haben. Die Liberalen sind kläglich gescheitert, sie werden nun eine verzweifelte Leihstimmenkampagne lostreten - und damit eventuell sogar Erfolg haben. Das aber schwächt die CDU, denn nur deren Wähler werden sich darauf einlassen. Auch das kann Merkel nicht recht sein.

Die SPD geht einigermaßen ungeschoren aus der bayerischen Landtagswahl. Es gab ein bisschen Ude-Effekt und damit wohl auch ein bisschen Aufwind für den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Mehr nicht. Andererseits sind die Grünen mächtig rasiert worden. Die andauernden Debatten um Steuererhöhungen, Pädophilie und die Zwangsbeglückung der Bürger in Form von Veggie-Days und anderen Maßnahmen haben die Bürger abgeschreckt. Mit gut 8 Prozent erreicht die Partei gerade noch ihre Stammwählerschaft. Ein solches Ergebnis ist auch bei der Bundestagswahl zu erwarten.

Es bleibt: die Große Koalition

Das heißt: Rot-Grün ist ziemlich sicher tot, für Schwarz-Grün oder Schwarz-Gelb wird es auch nicht reichen. Es bleibt für den Bund: die Große Koalition. Dafür aber müssten sich die Sozialdemokraten so richtig quälen. Das wird eine spannende, konfliktträchtige Veranstaltung. Wir gehen einer aufregenden Bundestagswahl entgegen.