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Umstrittener Tweet: CDU-Vize Laschet fordert Aufschrei gegen Trittin

Auch die CDU kann Fettnäpfchen. Das zeigt ein Tweet von Partei-Vize Armin Laschet zu Trittin und seiner Verwicklung in die Pädophilie-Affäre. Was das alles mit Brüderle zu tun hat? Hier steht's.

Der Vorwurf kommt für die Grünen wahrlich zur Unzeit: Ausgerechnet jetzt, inmitten stark fallender Umfragewerte kurz vor der Bundestagswahl, muss ihr Spitzenkandidat Jürgen Trittin zugeben, persönlich in die Pädophilie-Affäre der Partei verwickelt zu sein. Denn wie nun bekannt wurde, hatte er 1981 ein Kommunalwahlprogramm in Göttingen presserechtlich verantwortet, das Sex zwischen Kindern und Erwachsenen unter bestimmten Bedingungen straffrei stellen sollte.

Für den politischen Gegner ist das naturgemäß eine willkommene Steilvorlage, zumal im Endspurt des Wahlkampfs: Einige CDU-Spitzenpolitiker fordern Trittins Rücktritt, Partei-Vize Armin Laschet nutzt die Affäre für einen bissigen Seitenhieb. "Bei Brüderle gab es wg Nichtigkeiten einen #Aufschrei", schreibt er auf Twitter - und verlinkt auf Trittins Schuldeingeständnis. Was Laschet sagen will: Der Sexismus-Vorwurf gegen Brüderle, der sich gegenüber einer stern-Reporterin anstößig geäußert hatte, verursachte unter dem Schlagwort "Aufschrei" eine wochenlange Debatte über Sexismus in Deutschland - während die Pädophilie-Affäre der Grünen aus Sicht von Laschet bisher offenbar zu wenig Wellen schlägt.

Wütende Proteste auf Twitter

Doch was Laschet als Nichtigkeit bezeichnet, sehen viele Twitter-Nutzer ganz anders: Innerhalb einer Stunde reihten sich wütende Protestkommentare unter Laschets Tweet: "'Nichtigkeiten' wie das Übertreten professioneller Linien?", fragt eine Journalistin zynisch und wirft dem CDU-Politiker eine chauvinistische Weltsicht vor. "Sie verharmlosen alle sexistischen und gewalttätigen Übergriffe, denen Frauen täglich ausgesetzt sind. Erbärmlich.", schreibt eine andere Journalistin. Und fügt einen "Service-Tweet" hinzu für Laschet und "alle anderen, die es immer noch nicht verstanden haben: Aufschrei war nicht wegen Brüderle".

Unterstützung bekommt sie von Anne Wizorek, die den berühmt gewordenen Aufschrei-Hashtag auf Twitter ins Leben gerufen hatte - sie verlinkt auf den Blog "Kleinerdrei", wo die feministische Initiative nochmals erklärt wird. Laschet indes hat immerhin ein Ziel erreicht: Man redet über ihn - und Trittins Fehler vor mehr als 30 Jahren.

AS