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Noten-Affäre: Armin Laschet verschlampt Klausuren seiner Studenten

28 Studenten unterrichtete der Chef der NRW-CDU an der Hochschule in Aachen. Nach einem mysteriöse Klausuren-Schwund, vergab Laschet nur anhand von Notizen Noten: Komischerweise 35 an der Zahl.

Eine Affäre um verschwundene Klausuren und merkwürdige Noten belastet zusehends den Chef der NRW-CDU Armin Laschet

Eine Affäre um verschwundene Klausuren und merkwürdige Noten belastet zusehends den Chef der NRW-CDU Armin Laschet

Eigentlich wollte Armin Laschet am kommenden Wochenende einen Aufbruch-Parteitag feiern. "Aufstieg, Sicherheit, Perspektive" verspricht der Entwurf des ersten Grundsatzprogramms, den der mitgliederstärkste CDU-Verband am Samstag in Essen verabschieden soll. Die Lage des CDU-Landesvorsitzenden könnte man derzeit allerdings schlecht mit diesem Dreiklang beschreiben. Zwei Jahre vor der Landtagswahl hat Laschet sich ein Ei ins Nest gelegt, das sei einigen Wochen als "Noten-Affäre" Schlagzeilen macht und den Programmparteitag überlagert.

Der Hintergrund: Im Masterstudiengang Europastudien der Exzellenz-Hochschule RWTH Aachen hatte Laschet als Lehrbeauftragter lediglich anhand von Notizen Noten vergeben, nachdem die Klausuren verschwunden waren. Die Krux: Er übermittelte der Hochschule 35 Noten, obwohl nur 28 Studierende an der Klausur teilnahmen.

"Ich könnte Ihnen das erklären", beschied Laschet am Donnerstag in der Düsseldorfer Parteizentrale Journalistenfragen. "Aber ich mache es nicht."

CDU-Basis brodelt

Der Staatsanwaltschaft Aachen liegt inzwischen eine Strafanzeige vor. Die sei allerdings noch nicht geprüft, sagte ein Sprecher. "Von Amts wegen sehen wir derzeit keinen Anlass, zu ermitteln."

Seit der mysteriöse Klausuren-Schwund Anfang des Monats publik wurde, wird über Laschets rekonstruierte Noten ebenso wie über sein Krisen-Management gerätselt. An der Basis soll es Berichten zufolge brodeln. Das Visier öffnet bislang allerdings niemand.

Am Montag soll aber bei einer Vorstandssitzung des CDU-Bezirks Bergisches Land über Laschets Glaubwürdigkeit und Schaden für die Landespartei räsoniert worden sein. "Es gab in der Sitzung keine Anti-Laschet-Stimmung", versicherte Bezirkschef Herbert Reul.

Anwesenheitsliste soll schuld sein

Dass Parteifreunde sich an die Selbstdemontage des Landesverbands unter Laschets glücklosem Amtsvorgänger Norbert Röttgen erinnert gefühlt haben, bestätigt Reul nicht. "Wer die Berichterstattung sieht, findet das bestimmt nicht witzig und schön", räumt der Europa-Abgeordnete ein. "Dass das keiner gut findet und man Sorgen hat, dass das eine Schwächung bedeuten kann, ist doch klar." Der Bezirk stehe aber hinter Laschet und vertraue darauf, dass der 54-Jährige, der 2017 Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ablösen will, das aufklärt.

Damit ist derzeit auch das SPD-geführte NRW-Wissenschaftsministerium beschäftigt und am nächsten Mittwoch der Fachausschuss des Landtags. Die Frage, aufgrund welcher Notizen Laschet Noten rekonstruiert hat und ob er solche Unterlagen vorzeigen kann, bleibt derweil unbeantwortet. Ebenso wie die nach der Diskrepanz zwischen 35 Noten für 28 Arbeiten. Laschet gibt nur einen nebulösen Hinweis: "Es ist relativ einfach, wie es passieren kann, wenn zwischen Korrektor und nicht vorhandener Anwesenheitsliste eine andere Zahl entsteht."

"Die sind weg - schreiben wir neu"

Das Rektorat hat dem Prüfungsausschuss der Fakultät empfohlen, die Klausuren zu annullieren. "Das ist für die Studierenden bedauerlich", sagt Laschet. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er sich ungerecht behandelt fühlt. "Wir reden über ein ehrenamtliches Engagement ohne jeden Pfennig", betont er. "Ich hätte es mir leichter machen können. Ich hätte sagen können: Die sind weg - schreiben wir neu."

Der politische Gegner fange nun an, mit Blick auf die Landtagswahl 2017 die Messer zu wetzen. "Der Kampf wird härter. Ich stelle mich darauf ein." Dass es auch an der eigenen Basis rumort, will Laschet nicht vernommen haben. "Bei mir ist nichts angekommen - auch nicht anonym."

ivi/DPA
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