Der Fußballstar und das Lolita-Callgirl

17. Juni 2013, 16:20 Uhr

Bayern-Star Ribéry wird von seiner Sexaffäre mit einem minderjährigen Callgirl eingeholt: Dienstag startet der Prozess. Die Strategie seines neuen Verteidigers dürfte dem Franzosen gefallen: Angriff. Von Leo Klimm, Paris

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Für Fußballstar Franck Ribéry wird es am Dienstag ernst. Dann wird ihm in Paris der Prozess gemacht, weil er Sex mit einer minderjährigen Prostituierten hatte.©

Erst neulich ist Franck Ribéry wieder mit einem wohlgeformten Kurvenstar auf einem Hotelzimmer verschwunden. Doch das war harmlos: Als sich der Mittelfeldmann von Bayern München mit dem Champions-League-Henkelpott verzog, war es nur einer seiner üblichen Scherze. Und seine Frau, stellte der Franzose danach klar, war beim Pokal-Kuscheln natürlich dabei. Ribéry betont in letzter Zeit auffällig oft, wie wichtig ihm das Glück seiner Familie ist.

Vielleicht, weil er fürchten muss, dass bald wieder ein ganz anderes Bild von ihm in der Öffentlichkeit herrscht. Ab Dienstag wird ihm vor einem Pariser Strafgericht der Prozess gemacht wegen eines alten Skandals um außerehelichen Sex mit der Amüsierdame Zahia Dehar. Ribérys Hauptproblem: Die prallbusige junge Frau war zum Zeitpunkt der verhängnisvollen Affäre allzu jung - keine 18 Jahre alt. Ein französischer Ermittlungsrichter findet das gar nicht harmlos und auch nicht zum Scherzen. Dem Publikumsliebling der Bayern droht im schlimmsten Fall sogar Haft. Der Straftatbestand "Inanspruchnahme einer minderjährigen Prostituierten" sieht eine Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis vor. Auf Ribérys Höhepunkt – dem glanzvollen Titel-Triple mit Bayern München – könnte also der Absturz folgen. Zahia Dehar dagegen hat die einstige amouröse Eskapade des möglichen Weltfußballers 2013 und die damit verbundene Publicity etwas ganz anderes gebracht: ihren Aufstieg in die Pariser Glitzerwelt.

"Ich wünsche mir, dass die Leute den ganzen Schmutz vergessen", hatte Ribéry schon 2010 erklärt, als der Skandal öffentlich geworden war. Doch es lässt sich nichts ungeschehen machen. Der Prozess, in dem neben anderen auch Ribérys Schwager sowie Karim Benzema von Real Madrid als Beschuldigte geführt werden, spült den Schmutz wieder hoch. Und Zahia Dehar nutzt das für sich aus: Der größte französische Fernsehkanal TF1 zeigt zur besten Sendezeit ein langes Interview mit ihr, das Klatschmagazin "Paris Match" bringt eine Story über ihr neues Leben als Designerin von Luxus-Dessous.

Anders als Benzema bestreitet Ribéry nicht, mit Dehar geschlafen zu haben. Es war sein 26. Geburtstag, der 7. April 2009: Ribéry ließ die stets aufreizende "Escort-Barbie", wie französische Medien sie getauft haben, in Begleitung einer weiteren jungen Frau und eines Bekannten heimlich aus Paris nach München einfliegen. In einem Nobelhotel kam es dann zum Sex samt Partnertausch, wie Ribéry gegenüber der Sittenpolizei eingeräumt hat. "Ich war Ribérys Geburtstagsgeschenk!", posaunte die kurzberockte Zahia Dehar später von der "Paris Match"-Titelseite. Mithilfe eines Strafrechtsparagrafens gegen Sextourismus, der auch außerhalb des französischen Staatsgebiets Gültigkeit entfalten soll, versuchen die Ermittler jetzt, Ribéry für seine ganz spezielle Geburtstagsfeier dranzubekommen.

Wusste Ribéry, dass Dehar minderjährig war?

Der Bayern-Star wird zum Prozessauftakt eine Gegenoffensive versuchen. Erst vor Kurzem wechselte er den Anwalt. Hatte seine bisherige Verteidigerin angekündigt, Ribéry werde persönlich zur Verhandlung erscheinen, hat der neue Anwalt Carlo-Alberto Brusa ihm von einem persönlichen Auftritt abgeraten. Zugleich macht Brusa klar, dass er das Verfahren mit einer aggressiven Strategie sprengen will: Er will zum Auftakt eine sogenannte vorrangige Frage der Verfassungsmäßigkeit einbringen. "Wir wollen den fraglichen Paragrafen vom Verfassungsrat prüfen lassen und damit eine Aussetzung des Prozesses erzwingen", kündigt Brusa an. Scheitert er mit diesem Verfahrenstrick jedoch, werden die Richter schnell zwei Kernfragen stellen: Wusste Ribéry, dass seine Gespielin Zahia Dehar minderjährig war, als er mit ihr schlief? Und: Hat er ihr dafür Geld gegeben?

Zwar hat das Ex-Callgirl eingeräumt, damals ein falsches Alter angegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen Ribéry deshalb schon einstellen wollen. Doch Untersuchungsrichter André Dando ließ das nicht gelten. Für ihn reicht es, dass die Lolita "ein sehr junges Äußeres" hatte – und Ribéry sich seiner Ansicht nach deshalb hätte bemühen müssen, ihr wahres Alter in Erfahrung zu bringen. Der Ermittler stützt sich auf eine Anweisung des französischen Justizministeriums aus dem Jahr 2002. Demzufolge wird ein Beschuldigter nur dann nicht für Sex mit Minderjährigen belangt, wenn er beweisen kann, dass er das wahre Alter auch beim besten Willen nicht kennen konnte.

Bezahlt haben will Ribéry für den Geschlechtsverkehr mit Zahia Dehar nicht. Schließlich hatte er nach eigener Aussage schon etwa 2000 Euro für die Flugtickets und das Hotel berappt. So zitieren französische Medien aus dem Verhörprotokoll. Die Auslagen habe Ribéry seinem mitreisenden Bekannten in bar erstattet – damit seine Frau nichts merkt. Nur ein Taschengeld von 100 Euro, mit dem seine Geheimgäste Essen gehen konnten, habe er ansonsten bezahlt. Das widerspricht allerdings den Aussagen von Zahia Dehar, die gegenüber der Polizei eine Summe von 700 Euro eingeräumt hat. Und gleich noch ihren üblichen Tarif angegeben haben soll. "1000 Euro, ohne zeitliche Beschränkung, nur um einen guten Moment miteinander zu verbringen."

Ribéry vermutet, dass andere Motive als Bezahlung die Damen zur Reise nach München bewegt haben: "Sie sind gekommen, um mit mir zu schlafen, wegen meines Namens, weil ich Geld habe, weil sie eine gute Zeit erleben wollten", sagte er den Polizisten damals. Sein Anwalt Brusa sagt: "Zahia hatte vielleicht auch einfach nur Spaß am Geschlechtsverkehr. Wenn jede Frau, die Spaß am Geschlechtsverkehr hat, gleich als Prostituierte verdächtigt würde, wäre das doch eine ungeheuerliche Beleidigung der Frauen."

Seite 1: Der Fußballstar und das Lolita-Callgirl
Seite 2: Wie Dehar von Ribéry profitiert
 
 
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