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Ein Anwalt für die Attacke

Johann Schwenn, der neue Verteidiger von Jörg Kachelmann, ist ein harter Knochen. Was er von Frauen hält, die sagen, sie seien vergewaltigt worden, hat er erst kürzlich kundgetan.

Von Malte Arnsperger

Sie schienen sich stets gut zu verstehen, Jörg Kachelmann und seine Anwälte Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth. Der Wettermoderator half den Juristen im Gerichtssaal ab und an in ihre schwarzen Roben, reichte ihnen ein Schriftstück oder trug auch mal Birkenstocks rote Kiste mit den Akten. Für die Verhandlungspausen hatte Kachelmann dann Birkenstocks Ehefrau an seiner Seite, die als "Betreuerin" sogar offiziell vom Gericht anerkannt war. Doch diese traute Einigkeit wird es vor dem Landgericht Mannheim nicht mehr geben. Jörg Kachelmann hat Reinhard Birkenstock und Klaus Schroth rausgeworfen.

Birkenstock sagte zu stern.de: "Herr Kachelmann hat sich für einen anderen Anwalt entschieden. Mehr sage ich nicht dazu." Etwas gesprächiger ist sein Kollege Klaus Schroth. "Ich habe am Montagnachmittag eine E-Mail von Herrn Kachelmann bekommen, in der er mir für meine Arbeit gedankt hat und mir mitgeteilt hat, dass er sich entschieden habe, sich einen neuen Anwalt zu nehmen", sagte Schroth im Gespräch mit stern.de. Die Gründe für den Verteidigerwechsel kenne er nicht. "Ich bin auch sehr überrascht. Denn das Verhältnis zu Herrn Kachelmann war immer sehr gut. Da muss etwas passiert sein. Aber ich denke nicht, dass Herr Kachelmann diese Entscheidung alleine getroffen hat."

Als Anwalt vor allem in seiner Heimat Köln bekannt

Es ist ein Paukenschlag in diesem spektakulären Verfahren. Seit September muss sich Kachelmann in Mannheim verantworten. Er soll seine Ex-Geliebte Silvia May (Name geändert) in der Nacht zum 9. Februar vergewaltigt haben. Im März war Kachelmann verhaftet worden. Reinhard Birkenstock war von Anfang an sein Verteidiger. Der Anwalt ist vor allem in seiner Kölner Heimat bekannt und hat einige große Prozesse gewonnen. Doch obwohl es im Fall Kachelmann schon früh einige Zweifel an den Aussagen des angeblichen Opfers gab, dauerte es bis Juli, bis Birkenstock seinen Mandanten aus der Untersuchungshaft bekam. An diesem Erfolg vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe war Klaus Schroth maßgeblich beteiligt, der von Birkenstock hinzugezogen worden war.

"Viel zu spät kamen diese Maßnahmen", sagte ein Anwalt aus dem Rheinland, der Birkenstock kennt und den Prozess verfolgt hat, schon vor drei Wochen zu stern.de. "Birkenstock ging im Ermittlungsverfahren lange Zeit viel zu defensiv an die Sache heran. Außerdem ist er kein Spezialist für solche Sexualverbrechen. Und gute Kollegen, die ihre Hilfe angeboten haben, hat er weggebissen."

"Schwenn ist sehr konfrontativ"

Möglicherweise ist einer dieser Kollegen der Hamburger Johann Schwenn. Er ist nun der neue Verteidiger des TV-Moderators, wie Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker mitteilte. Schwenn, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, gilt als aggressiver Verteidiger. "Schwenn ist sehr konfrontativ und hat darin seine Stärken", sagt sein Hamburger Kollege Gerhard Strate zu stern.de "Ich glaube, er ist im Vergleich zu Birkenstock sogar das härtere Stück Beißholz für das Gericht in Mannheim." Schwenn hat erst vor wenigen Monaten ein spektakuläres Wiederaufnahmeverfahren gewonnen. Zwei Männer waren verurteilt worden, weil sie ein junges Mädchen vergewaltigt haben sollen. Schwenn hatte vor dem Landgericht Lüneburg eine Wiederaufnahme des Verfahrens und einen Freispruch erreicht. Dies könnte ein Grund für Kachelmann gewesen sein, Schwenn mit seiner Verteidigung zu beauftragen. Der bisherige Kachelmann-Anwalt Klaus Schroth: "Es ist denkbar, dass Herr Kachelmann Herrn Schwenn in das Team hinzuziehen wollte und Herr Birkenstock das nicht wollte. Möglicherweise will Herr Kachelmann eine andere Strategie."

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum der Prozess für Kachelmann bislang nicht so gut gelaufen ist.

Ist das Opfer wirklich ein Opfer?

Schwenn hatte nach seinem Erfolg in Lüneburg herbe Kritik an der Justiz im Umgang mit angeblichen Vergewaltigungsopfern geübt. In einem Interview mit der "Landeszeitung Lüneburg" sagte er: "Bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft erscheint eine Zeugin, die einen mitleiderregenden Eindruck macht, und berichtet von den ihr zugefügten Verbrechen. Und dieser Eindruck führt dazu, dass man jede Professionalität fahren lässt und von Anfang an davon überzeugt ist, dass man es mit einem Opfer zu tun hat. Dabei weiß man überhaupt nicht, ob die Zeugin, wenn sie nicht ohnehin lügt, tatsächlich Opfer des von ihr Beschuldigten oder Opfer einer psychischen Störung ist. Doch solche psychischen Auffälligkeiten werden nicht nur übersehen, sondern sie werden oft zwanglos mit der Modediagnose der posttraumatischen Belastungsstörung erklärt."

Diese Aussagen könnten auch auf den Fall Kachelmann passen. Denn Silvia May hat nach Ansicht ihres Therapeuten Günther Seidler durch die Vergewaltigung ein Trauma erlitten. Dies sei der Grund, warum sich May an zentrale Bestandteile der angeblichen Tat nicht erinnere, meint Seidler. Anwalt Birkenstock dagegen hatte in diesem Punkt wie Schwenn nach dem Lüneburger Fall argumentiert. Er hatte die Folgerung Seidlers stets vehement kritisiert und deshalb seinerseits mehrere Gutachter beauftragt, um den Therapeuten zu entkräften. Mit Erfolg: Diese Experten sowie der vom Gericht eingesetzte Psychiater Hans-Ludwig Kröber widersprechen der Trauma-Theorie. Demnächst stehen die Aussagen der Gutachter vor Gericht an.

Zu viele Lausemädchen haben ausgesagt

Es wirkt wie eine Verzweiflungstat, dass Kachelmann nun den Verteidiger wechselt. Der Prozess ist bislang nicht gut für ihn verlaufen. Nicht nur, dass sein Anwalt Birkenstock wiederholt mit Befangenheitsanträgen gegen die Richter gescheitert war. Einige Zeugenaussagen haben Kachelmann sogar belastet. Ein halbes Dutzend Lausemädchen, wie sie von Kachelmann genannt wurden, haben unter Ausschluss der Öffentlichkeit über das Sexualleben des Wettermoderators berichtet. "Ich finde es schon ungewöhnlich, dass diese ganzen Frauen aufgetreten sind", sagt der Hamburger Anwalt Strate. "Ich weiß nicht, inwiefern Herr Birkenstock dagegen vorgegangen ist. Vielleicht war das aber ein Grund für die Trennung." Strate ist der Meinung, dass es tiefgreifende Differenzen zwischen Birkenstock und Kachelmann gegeben haben muss. "In einem Prozess wechselt man nicht einfach so die Verteidiger. Das ist ein schwerwiegender Schritt."

Zu einer größeren Verzögerung des Prozesses wird es wohl trotzdem nicht kommen. Kachelmanns Medienanwalt Höcker sagt, es werde kein Antrag auf Unterbrechung gestellt. Schwenn und die vom Gericht bestellte Pflichtverteidigerin Andrea Combé "werden sehr gut vorbereitet sein", so Höcker. Für Schwenn ist das allerdings gar nicht so einfach. Nicht nur, weil er sich in die umfangreichen Akten einarbeiten muss. Schwenn hat wichtige Zeugen, darunter das mutmaßliche Opfer, nicht selber erlebt und konnte sich kein Bild von ihnen machen. "Es ist schon ein Handicap", sagt Schwenns Kollege Strate. "Ich glaube aber insgesamt nicht, dass die Verteidigung dadurch geschwächt ist."

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