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Kindesmissbrauch: Gericht schickt Zen-Priester lange in Haft

Mindestens fünfzehn Jahre lang hat ein Zen-Priester Jungen missbraucht - nicht wenige von ihnen waren seelisch labile Buben. Nun hat ihn das Landgericht Augsburg dafür zur Rechenschaft gezogen.

Zen-Priester Hans D., ein schlanker Mann in blauem Jackett, hält sich im Landgericht Augsburg einen blauen Ordner vors Gesicht

Der ehemalige Zen-Priester Hans D. (M.) hat vor dem Landgericht Augsburg den Missbrauch mehrerer Jungen gestanden

Seine Familie hat sich von ihm abgewandt, von seinem Lebenswerk als bekannter Zen-Meister und Kommunalpolitiker blieb nur ein Scherbenhaufen. Fast 15 Jahre lang hatte sich der angesehene immer wieder an Kindern sexuell vergangen, sieben oftmals seelisch labile Buben wurden seine Opfer. Dafür verurteilte das Augsburger Landgericht den 62 Jahre alten buddhistischen Geistlichen am Dienstag zu sieben Jahren und neun Monaten Gefängnis. Der Mann hatte alles uneingeschränkt zugegeben.

Die erste in dem Prozess angeklagte Tat reicht ins Jahr 2001 zurück. Der Priester nahm damals in dem von ihm im Landkreis Augsburg gegründeten einen Jugendlichen mit Drogenproblemen auf. Bei spirituellen Atemübungen missbrauchte der Mann den 13-Jährigen.

Jüngstes Opfer war erst vier Jahre alt

Auch in seinem Verwandtenkreis suchte der Geistliche nach Opfern. So hatte der Priester im Jahr 2014 von dem kleinen Sohn seiner Nichte sexuell motivierte Nacktfotos geschossen, mit erst vier Jahren war der Bub das jüngste Opfer. Die Taten flogen schließlich Mitte 2016 auf. Ein Jahr zuvor hatte der Mann sich mehrfach an den beiden Söhnen seiner damaligen Freundin vergriffen.

Die war eigentlich zu dem Priester gekommen, weil sie ihn für sich, ihre beiden Buben und ihre Tochter als Trauerbegleiter wollte. Der Mann der Frau war gestorben, aus der geistlichen Begleitung entwickelte sich eine neue Beziehung. Doch die ging nach den Missbrauchsfällen zu Bruch, die pädophile Neigung ihres Freundes war der Mutter nicht verborgen geblieben. "Ich habe gemerkt, das Interesse gilt nicht mir, das Interesse gilt mehr meinen Kindern", sagte sie als Zeugin vor Gericht. Schließlich ging sie zur Polizei, die Ermittlungen nahmen ihren Lauf.

Zen-Priester war gleich geständig

Als die Beamten mit einem Haftbefehl vor seiner Tür standen, gestand der Priester sehr schnell. Er gab sogar einen Fall zu, der der Kripo noch nicht bekannt war. Doch das Geständnis hatte einen fahlen Beigeschmack. Wie der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch bei seiner Urteilsbegründung betonte, habe der 62-Jährige zunächst beschönigt, er habe den Jungen etwas Gutes tun wollen. Die hätten nur "Stop" sagen müssen. In der fast einjährigen Untersuchungshaft habe der Angeklagte dann "einen Erkenntnisprozess durchlaufen". Erst vor Gericht habe der Mann ein detailliertes Geständnis abgelegt und echte Reue gezeigt, meinte der Richter.

Dies wertete die Jugendkammer auch zugunsten des Zen-Priesters, denn die noch minderjährigen Kinder mussten dadurch nicht als Zeugen in dem Prozess auftreten. Bis auf ein Opfer schlossen auch alle Schmerzensgeldvereinbarungen mit dem Mann. Er muss nun an die Geschädigten 35.000 Euro zahlen. Zulasten des 62-Jährigen wertete Hoesch hingegen, dass der Mann sich "schwache und hilfsbedürftige und teilweise in seine Obhut gegebene Opfer" gesucht habe.

Verteidiger lässt Revision noch offen

Der Verteidiger des Zen-Priesters, der maximal sechs Jahre Haft gefordert hatte, ließ zunächst noch offen, ob er gegen das Urteil Revision einlegt. Unmittelbar nach der Urteilsverkündigung wollte der Anwalt noch keine Erklärung abgeben, dass auf Rechtsmittel verzichtet wird. Die Opfer müssen daher nun noch warten, ob die Missbrauchsfälle - zumindest juristisch - endgültig abgeschlossen sind.


tkr/Ulf Vogler/DPA

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