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Warum Kinder strafunmündig sind, die Tat aber nicht ohne Folgen bleibt

Die mutmaßliche Tötung eines 13-Jährigen durch einen Gleichaltrigen schockiert - und ist laut einem Kriminologen ein äußerst seltenes Phänomen. Für den Tatverdächtigen dürfte die Tötung trotz seiner altersbedingten Strafunmündigkeit trotzdem Folgen haben.

Feuerwehrmänner und Kriminaltechniker bergen in Bad Schmiedeberg die Leiche eines 13-Jährigen

Ein Kriminologe glaubt, dass der mutmaßliche Mord an einem 13-Jährigen für den eigentlich strafunmündigen Tatverdächtigen nicht folgenlos bleiben wird

Kinder können aus Expertensicht auch vor ihrer Strafmündigkeit mit 14 Jahren die möglicherweise schwerwiegenden Folgen ihres Handelns abschätzen. "Die Altersgrenze bedeutet nicht, dass sie kein Schuldbewusstsein hätten oder nicht wüssten, was sie tun", sagte der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg. Der Gesetzgeber habe damit nur festgelegt, dass für diese Kinder nicht die Strafjustiz zuständig ist, sondern Eltern, Erziehungsberechtigte und Jugendämter.

Nach deutschem Strafrecht können Kinder unter 14 Jahren nicht für ein Verbrechen bestraft werden. Das Strafgesetzbuch spricht von der "Schuldunfähigkeit des Kindes", das zur Tatzeit noch nicht 14 Jahre alt ist. Allerdings muss eine Straftat für diese Kinder nicht folgenlos bleiben. Es können familienrechtliche Maßnahmen oder Eingriffe nach dem Jugendhilferecht folgen, wie etwa regelmäßige Besuche durch einen Mitarbeiter des Jugendamtes. Sind die Eltern nicht in der Lage, positiv auf diese Kinder einzuwirken, kann ihnen auch ein Familienrichter das Sorgerecht entziehen.

Hat ein Straftäter das 14., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet, gilt er indes als Jugendlicher und damit als "bedingt strafmündig". Sachverständige prüfen dann meist in einem Prozess, ob der Angeklagte sittlich und geistig reif genug ist, um das Unrecht seiner Tat einzusehen. "Voll strafmündig" ist man vom 18. Lebensjahr an. Doch wird bei Straftätern, die zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt sind, geprüft, ob das Jugendstrafrecht oder das allgemeine Strafrecht anzuwenden ist.

Morde unter Kindern sind äußerst selten

Dass Kinder andere Kinder töten, wie es in Sachsen-Anhalt geschehen sein soll, ist laut Egg äußerst selten. "Das kommt vor, aber meist handelt es sich um Geschwister-Streitigkeiten." Unter völlig fremden Kindern komme so ein Delikt so gut wie nicht vor, weil es immer um Gefühle gehe.

Im Fall des 13-jährigen Tatverdächtigen in Bad Schmiedeberg werden die Behörden nach Eggs Einschätzung nun genau auf die Familie schauen. Es müsse geprüft werden, ob die Eltern ihre erzieherischen Pflichten erfüllt hätten und ob sie sich weiter um das Kind kümmern könnten.

"Folgenlos wird die Tat nicht bleiben", sagte der Kriminologe, der bis 2014 die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden leitete. Egg sagte das auch mit Blick auf die psychologischen Folgen für den jungen Tatverdächtigen. "Selbst Erwachsene brauchen Hilfe, um nicht zu verzweifeln nach solch einer monströsen Tat."

mod/DPA
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