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23. November 2011, 09:16 Uhr

Katholische Kirche will Weltbild-Verlag loswerden

Nach einer heftigen internen Debatte um die Verbreitung von Erotik-Literatur will sich die katholische Kirche in Deutschland vom Augsburger Weltbild-Verlag trennen. Der Verkauf dürfte sich allerdings noch mindestens zwei Jahre hinziehen.

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Die katholische Kirche trennt sich vom Weltbild-Verlag© Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Nach der wochenlangen Diskussion um Erotik-Literatur im Angebot des katholischen Weltbild-Verlages will sich die Kirche von dem Unternehmen trennen. Die Gesellschafter hätten beschlossen, dass "Maßnahmen für eine Veräußerung der Verlagsgruppe Weltbild GmbH ohne jeden Verzug entschlossen aufgenommen werden", teilte Weltbild am Dienstag in Augsburg mit.

Der Verkauf werde nach Einschätzung seines Chefs Carel Halff wohl nicht vor 2013 über die Bühne gehen. "Fachleute rechnen bei Unternehmen dieser Größe mit einer Prozessdauer nicht unter 18 bis 24 Monaten", sagte Halff der "Augsburger Allgemeinen" am Mittwoch. "Bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro im Jahr geht ein Verkauf nicht so schnell", fügte er hinzu. "Wir nehmen uns aber in die Pflicht, den Prozess kurzzuhalten."

Halff betonte, die Mitarbeiter hätten keinen Grund, sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze zu machen. Angaben über mögliche Investoren oder Käufer machte er nicht, betonte jedoch die Zukunftschancen des Unternehmens. Der Manager versicherte, dass er den Verkaufbeschluss der Kirche nachvollziehen könne: "Wir haben Verständnis für die Eigentümer, dass sich das Buchgeschäft, wie es heute betrieben wird, nicht komplett mit der Grundhaltung der Kirche in Übereinstimmung bringen lässt", sagte Halff. Mitarbeiter und Management seien den kirchlichen Eigentümern aber dankbar, dass Weltbild in den vergangenen Jahren den eingeschlagenen Weg habe gehen dürfen. Wie das Unternehmen in Augsburg mitteilte, forderten die Gesellschafter Weltbild auf, trotz der nun bekannten Verkaufsabsicht alles für den Erhalt des Unternehmenswerts zu tun. Außerdem sollten "kirchliche und soziale Implikationen" beim Verkauf des Unternehmens mit seinen 6400 Beschäftigten eine Rolle spielen.

Der Verlag mit seinen rund 6400 Mitarbeitern gehört bislang noch zwölf katholischen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Er hält Anteile an Buchketten wie etwa Hugendubel und Wohlthat und zu dem gehören zu ihm die Vertriebsmarken Weltbild, Jokers, KIDOH und buecher.de. Weltbild setzte zuletzt fast 1,7 Milliarden Euro im Jahr um. Damit ist Weltbild in Deutschland der zweitgrößte Online-Buchhändler hinter Amazon und der drittgrößte Versandhändler Deutschlands.

Im Oktober war der Augsburger Medienkonzern in die Kritik geraten, weil er im Internetangebot auch Erotik- und Esoterik-Literatur mit Titeln wie "Schlampen-Internat" oder "Anwaltshure" hatte. Auch Papst Benedikt XVI. schaltete sich in die Diskussion ein. Er mahnte, dass es an der Zeit sei, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken".

kave/DPA/AFP
 
 
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