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18. Dezember 2006, 07:47 Uhr

Atommüll ausgeflogen

Massiver Polizeischutz hat den Atommülltransport des ehemaligen DDR-Forschungsreaktors Rossendorf zum Flughafen Dresden begleitet. Von dort wurde das hoch angereichte Uran nach Podolsk bei Moskau ausgeflogen.

326 Kilogramm zum Teil hoch angereichertes Uran sind von Dresden nach Moskau ausgeflogen worden© Matthias Hiekel/DPA

Ein Transport mit radioaktivem Atommüll aus dem früheren DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden ist in der Nacht zum Montag auf den Weg nach Russland gebracht worden. Etwa 300 bis 500 Polizisten sowie zusätzliche Zivilbeamte sicherten laut einem Polizeisprecher den Transport des Materials zum Dresdner Flughafen, von wo das Material ausgeflogen wurde. Der Transport war am frühen Montagmorgen um 2.40 Uhr zu dem etwa 20 Kilometer entfernten Airport gestartet und etwa eine Stunde später dort eingetroffen. Ein Sattelschlepper mit 18 Spezialbehältern von gut je einem Meter Durchmesser und 1,50 Metern Höhe transportierte Brennstäbe und so genannte Pellets über die Autobahn zum Flughafen.

Um kurz vor acht Uhr hob eine russische Spezialtransportmaschine vom Typ Iljuschin mit 18 Spezialbehältern an Bord ab. Auf dem Weg zum Flughafen hatten Atomkraftgegner in Radeberg einen Kreisverkehr blockiert. Der Konvoi musste einen kurzen Umweg nehmen. Er sei dann aber ohne Zwischenfälle nach Dresden gelangt, sagte ein Polizeisprecher.

"Unkalkulierbare" Risiken

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und die Initiative "Kein Atommüll in Ahaus" nannten die Risiken des Transports unkalkulierbar. Außerdem sei der Verbleib des strahlenden Materials in Russland für die Öffentlichkeit nicht kontrollierbar, hieß es in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nach Informationen aus mit den Transportplänen vertrauten Kreisen sollten insgesamt 326 Kilogramm angereichertes Uran in eine Atomfabrik nahe dem russischen Podolsk gebracht werden. Rund zwei Drittel davon seien hoch angereichert. Bei ausreichender Reinheit kann hoch angereichertes Uran zum Bau von Atombomben verwendet werden.

Atommüll zurück zum Urheber

Rossendorf ist einer von 20 Forschungsreaktoren in 17 Ländern, die zum Einflussgebiet der Sowjetunion gehörten. In Russland soll der Atommüll mit niedrig angereichertem Uran vermischt werden und dann als Brennstoff für Kernkraftwerke dienen. Der Transport ist Teil eines internationalen Programms, in dessen Rahmen weltweit gefährliches Atommaterial aus dem Verkehr gezogen wird. Dadurch soll verhindert werden, dass es in die Hände von Terroristen fällt. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte Anfang Dezember den Transport auf dem Luftweg genehmigt. Er soll für das Kernforschungszentrum der erste und einzige sein.

Es bleibt aber weiterhin Atommüll in Rossendorf. Dabei handelt es sich um jeweils mehrere Tonnen natürliches Uran, abgereichertes Uran, Thorium und 9,7 Gramm Plutonium. Der Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik (VKTA) soll die Anlage von atomaren Altlasten befreien. Die Anlage in Rossendorf diente ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung. Der Reaktor war 1991 abgeschaltet worden.

 
 
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