Prinz Charles hat's mal wieder gut gemeint

10. September 2010, 18:40 Uhr

Prinz Charles wollte das Kulturerbe der Nation retten und verlor dabei zehn Millionen Pfund. Die immensen Schulden drücken nicht auf die private Haushaltskasse des britischen Thronfolgers - sondern auf die Bilanzen seiner Hilfsorganisationen. Von Cornelia Fuchs, London

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Der Thronfolger hat ein Gespür für große Gesten und schlechte Geschäfte©

Er hat es doch nur gut gemeint - wie schon so manches Mal zuvor. Auch diesmal wollte der Prince of Wales, Vorsitzender des größten Denkmalvereins der Nation, Fürsprecher für bewohnerfreundliche Architektur und ökologische Bauweise, das Beste für sein Land. Mehr noch: Er wollte bewahren helfen, was hinterher nicht mehr zu retten gewesen wäre. Und deswegen musste er sich schnell entscheiden im Juni 2007. Sehr schnell.

Nur wenige Tage blieben dem Prinzen und seinem Privatsekretär Sir Michael Peat um das Herrenhaus Dumfries in Schottland vor dem Ausverkauf zu retten. Möbel aus dem 18. Jahrhundert, viele noch von Chippendale selbst entworfen, wurden schon auf Lastwagen geladen, um zum Londoner Auktionshaus Christie's gefahren zu werden. Es wäre das Ende dieses georgianischen Anwesens gewesen, das seit seinem Bau 1752 nicht mehr verändert worden war.

Johnny Dumfries, der Lord mit dem Dutzend Titeln

Hinter dem Verkauf stand der ungewöhnliche Hausherr von Dumfries: Marquess von Bute, Viscount von Air, Lord Crichton von Sanquhar und Cumnock und Inhaber neun weiterer Titel. Die Welt dürfte ihn eher als Johnny Dumfries kennen, der Rennfahrer, der 1986 im Lotus Team mit Ayrton startete. Er plante, das Familienerbe der zu Butes zu verhökern, einer schottischen Familie, die einmal in den Kohle-Regionen Wales und Schottland so etwas wie die Energie-Barone gewesen waren und vielleicht sogar einmal die reichste Familie der Welt. Damals verschenkten sie ganze Schlösser zum ewigen Erbe an die Nation - wie das Schloss Cardiff der walisischen Hauptstadt und eine ganze Häuserzeile in Edinburgh.

Doch im Juni 2007 wollte der Herr von Dumfries verkaufen und nicht verschenken. Denkmalvereine hatten versucht, das Anwesen zu retten mit Einsprüchen gegen das Auseinanderpflücken eines Baudenkmals. Ohne Erfolg. Bis Prinz Charles von dem Vorhaben erfuhr und alle Hebel in Bewegung setzte: Innerhalb von wenigen Tagen sammelte er Millionen an Spenden für das Haus. Doch es reichte nicht. Da entschied der Prinz spontan den Rest von ungefähr 20 Millionen Pfund selber aufzubringen. Was nicht hieß, dass er teure Teppiche aus seiner Residenz in Clarence House verpfändete - sondern die Stiftung, die seine gemeinnützigen Vereine finanziell trägt.

Wundersame Wertvermehrung

Als Sicherheit wurde kurzerhand Land angegeben, das in der Nähe von Dumfries House seit Jahren brach lag - und mit Hilfe der Überredungskunst des Prinzen plötzlich von der Gemeinde als idealer Ort für eine ökologische Siedlung nach des Prinzen Vorbild angesehen wurde. Doch auch mit dieser wundersamen Vermehrung des Wertes von grünen Wiesen um das Vielfache wurden die Schulden nicht gedeckt, die der Prinz seiner Stiftung aufgeladen hatte: 8,7 Millionen Pfund sind die Hektar heute wert. Mehr als zehn Millionen Pfund fehlen also.

Wichtig sei nicht, was das Land heute wert sei, sondern wie viel man beim Verkauf einnehme, lässt das Büro von Prinz Charles ausrichten, wie heute die Zeitung "Times" in ihrer ausführlichen Dokumentation der Spekulationen berichtet. Unter der Hand werde bei Charles' Mitarbeitern gescherzt, er hätte sich das 43-Millionen-Pfund teure Anwesen vorher wenigstens mal ansehen können, bevor er es kaufte.

Der Thronfolger ist wieder einmal der Pechvogel

Die ganze unglückliche Geschichte lässt den Thronfolger wieder einmal als Pechvogel erscheinen. Im Sommer 2007 wurde er noch als Retter des Erbes der Nation gepriesen. Jetzt gefährdet er mit seinen spontanen Ideen, wofür er seit Jahrzehnten arbeitet: seine 20 Hilfsorganisationen, für die er jährlich mehr als 100 Millionen Pfund Spenden sammelt.

Anzumerken ist im Übrigen auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung in der "Times": Am selben Tag begann in London eine neue Initiative des Prinzen mit Gartenparty in seiner Residenz Clarence House und einer fünftägigen Reise durch Großbritannien. "Start UK" soll die Nation auf ökologische und nachhaltige Ideen für den Alltag aufmerksam machen. Die Webseite verspricht tägliche "spannende und interessante" Videos, Artikel und Informationen mit und ohne Prinz Charles. Es wird ihn nicht gefreut haben, dass die "Times" es sehr viel spannender fand, seine Finanzen auf der Titelseite auseinander zu nehmen.

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