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"Kultursensible Toilette": Warum sich Köln über ein Hock-Klo zofft

"Griff ins Klo" oder "Geste für Gäste"? In Köln sorgt das stille Örtchen eines Kulturzentrums für Diskussionen - es soll ein Hock-WC werden.

Hock-WCs sind in vielen Teilen der Welt üblich. In Köln sorgt der Einbau in einem Kulturzentrum für Diskussionen. (Archivbild)

Hock-WCs sind in vielen Teilen der Welt üblich. In Köln sorgt der Einbau in einem Kulturzentrum für Diskussionen. (Archivbild)

Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, auf einer französischen Autobahnraststätte Pause zu machen, kennt sie möglicherweise: die Hocktoilette. Statt sich für das Geschäft auf eine Klobrille zu setzen, erfolgt der Stuhlgang hier in der Hocke in ein in den Boden eingelassenes Loch einer Keramikwanne mit Fußsockeln. Auch in Teilen Asiens oder im arabischen Raum ist diese WC-Art geläufig.

Jetzt sorgt das stille Örtchen für Zündstoff in Köln: Dort soll die "Alte Feuerwache", nach eigenen Angaben ein selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum, saniert werden und in diesem Zuge auch eine Hocktoilette erhalten. So berichten es unter anderem die "Rheinische Post" (RP) und der "Kölner Express" übereinstimmend. 

Kölner Kulturzentrum in der Kritik

Neben zwei gewöhnlichen Toiletten mit Porzellanschüssel wollen die Betreiber des Zentrums unweit des Hauptbahnhofes demnach auch eine ohne Sitz installieren - als Geste für die vielen ausländischen Gäste der Einrichtung, zu denen auch viele zählen würden, wie Vereinsvorstandsmitglied Konrad Müller der RP sagte. "Wir möchten den Menschen aus diesen Ländern damit das Gefühl geben, dass sie hier zu Hause sind", ergänzte er gegenüber dem "Express". Zusätzlich solle nach Möglichkeit auch ein Wasserschlauch angebracht werden, da es in vielen Ländern üblich sei, sich nach dem Toilettengang nicht mit Papier sondern mit Wasser zu reinigen.

Von einer "kultursensiblen Toilette", einer "Art Plumpsklo für Muslime" schreibt das Boulevardblatt "Express", liegt damit aber falsch: Das Hockklo solle genauso wie alle anderen Toiletten auch an die Kanalisation angeschlossen werden, wie eine Sprecherin der Stadt der RP versicherte und die Entscheidung gleichzeitig verteidigte. Das WC-Angebot orientiere sich eben an den Benutzern, in China würden bei vielen Sehenswürdigkeiten ja auch zusätzlich zu den Hock-WCs europäische Toiletten angeboten. Die Mehrkosten für den Einbau der Hocktoilette betragen demnach etwa 100 Euro. Die Renovierung werde von der Stadt finanziell gefördert.


"Griff ins Klo"

Allen Argumenten zum Trotz sehen offenbar viele Menschen mit der Entscheidung für die untypischen Toiletten den Untergang des Abendlandes heranziehen. Auf der Facebook-Seite der "Alten Feuerwache " machen sie zu Dutzenden ihrem Ärger Luft - diverse Geschmacklosigkeiten inklusive. 


Auch bei  Mitgliedern des Kölner Stadtrates stößt die Toilette laut "Express" parteiübergreifend auf Ablehnung - von einem "verspäteten Aprilscherz" und einem "Griff ins Klo" ist die Rede.

Von der Kritik bleiben die Verantwortlichen des Kulturzentrums allerdings unbeeindruckt, sie wollen den Berichten zufolge an ihrem Plan festhalten. Das neue WC sei "Teil einer interkulturellen Realität", sagte Vorstandsmitglied Hans-Georg Lützenkirchen der RP.

Hock-WCs haben hygienischen Vorteil

Dazu habe das Hockklo auch weitere Vorteile, wie der Bielefelder Mediziner Mathias Löhnert in der ARD erklärte. In der Hockstellung sei der Beckenbodenmuskel entspannter, dies führe zu einem geraderen Verlauf des Darmes, was wiederum dessen Entleerung erleichtere. Zudem ist ein Hock-WC hygienischer, weil der Körper keine Teile der Toilette berühren muss. 

Bis das neue WC in der "Alten Feuerwache" eingeweiht ist, dauert es übrigens noch ein wenig. Im Herbst 2018 soll der Umbau abgeschlossen sein. Wer sein Geschäft dann wo verrichtet, soll auch weiterhin jede und jeder für sich entscheiden können. Das Hock-WC werde auch Nicht-Muslimen offenstehen, genauso wie auch weiterhin die Schüsseltoiletten nutzen dürfen, zitiert der "Express" den Vorstand des Kulturzentrums.

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