29. September 2012, 13:48 Uhr

200 Reisende im IC gefangen

Ein Intercity der Deutschen Bahn war in Richtung Hamburg unterwegs, als er hinter dem Bahnhof Stuttgart aus den Gleisen sprang. Acht Reisende wurden verletzt. Schon im Juli entgleiste dort ein IC.

Schock für 200 Passagiere: Erneut ist ein Intercity der Deutschen Bahn kurz nach Ausfahrt aus dem Stuttgarter Hauptbahnhof entgleist. Einen "kräftigen Ruck" spüren die Fahrgäste des IC 2312, wenige Minuten nachdem ihr Zug am Samstag um 11.38 Uhr den Hauptbahnhof verlassen hat. Dann stürzt auf beiden Seiten der Waggons die Oberleitung herab. "In diesem Moment war plötzlich Stille im Abteil", sagt eine Frau aus dem verunglückten Fernzug nach Hamburg. 200 Fahrgäste sind gefangen. Denn die Einsatzkräfte wissen zuerst nicht, ob der Zug unter Strom steht.

Aus dem Abteilfenster kann die 67-Jährige drei Waggons ihres Zuges erkennen, die entgleist sind. Im Inneren der hinteren Waggons kommt Unruhe auf. "Wir sahen die Oberleitungen herunterkommen", erinnert sich ein Reisender. Eine erste Durchsage des Bahn-Personals. Die Türen werden elektrisch verschlossen, bis der Zug gesichert ist und Rettungskräfte kommen, heißt es. Reisebegleiter der Bahn servieren Getränke und bereiten die Fahrgäste auf die kommende Räumung vor.

Wenige hundert Meter weiter, in der Bahnhofszentrale schalten Techniker derweil den Strom auf den Oberleitungen ab - damit ruht der Schienenverkehr auf allen Gleisen. Der ganze Intercity hätte schließlich unter Strom stehen können. Auch die 50 Feuerwehrleute und 20 Rettungskräfte müssen warten, bis die Oberleitung gesichert ist.

Ende Juli war auch ein IC fast an derselben Stelle entgleist

Die Helfer der Feuerwehr kommen aus der weiten Umgebung angerückt. Sie legen Rampen an die Türen des IC-Zuges und transportieren Verletzte mit der Drehleiter über die nahe Brüstung in die Grube einer Baustelle hinab. Dort werden sie von Ersthelfern und Ambulanzen empfangen. Die erste Bilanz des Zugunfalls: Es gibt acht Verletzte im IC.

Doch auch manche Nahverkehrsreisenden waren wegen des Vorfalls in ihren Zügen eingesperrt. Einige Fahrgäste von S-Bahnen und Regionalzügen starteten auf eigene Faust Versuche, sich zu befreien. Vier Passagiere zogen sich dabei leichte Blessuren zu.

Weitere Leidtragende des Geschehens waren zahlreiche Zugreisende rund um Stuttgart, die ein Verkehrschaos zu spüren bekamen. Die Gleise der S-Bahn wurden zwar am frühen Nachmittag wieder freigegeben. Fernzüge mussten aber eine Zeit lang einen Bogen um Stuttgart machen.

Die Gründe für den Unfall des Intercity 2312 nach Hamburg-Altona waren zunächst unklar. Bereits Ende Juli war ein Intercity in Richtung Hamburg fast an derselben Stelle in Stuttgart aus den Gleisen gesprungen. Die etwa 100 Reisenden blieben damals unverletzt.

kmi/DPA
 
 
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