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Warum Trumps Grußwort in Yad Vashem viele US-Amerikaner traurig macht

Umfragen sagen, dass eine Mehrheit der Amerikaner am liebsten Barack Obama wieder als Präsidenten hätte. Ein Vergleich seines Grußworts in Yad Vashem mit dem von Donald Trump illustriert, warum das so ist.

Ein schlichtes Grußwort von Donald Trump in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem

Donald Trumps kurzer Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Der US-Präsident unterzeichnete auch für seine Frau Melania.

Seit Anfang des Jahres gibt es immer wieder Umfragen, ob die US-Amerikaner mit der Amtsführung ihres Präsidenten zufrieden sind. Donald Trump, seit Januar in Amt und Würden, kommt dabei häufig nicht gut weg. Nur gut 40 Prozent sind zufrieden mit dem aktuellen US-Präsidenten, dagegen wünschen sich gut 50 Prozent ganz konkret Trumps Vorgänger Barack Obama zurück - was laut US-Verfassung aber nicht möglich ist. Keinem Präsidenten stehen mehr als zwei Amtsperioden zu.

Russland-Affäre, Geheimdienst-Bashing, der rechtlich fragwürdige Einreise-Bann für Staatsangehörige bestimmter muslimisch-geprägter Staaten - es gibt reichlich Grund für US-Amerikaner ihren aktuellen Präsidenten kritisch zu sehen. Und auch in Barack Obamas Amtszeit gab es genügend Dinge zu kritisieren. Doch was viele Amerikaner umtreibt ist, dass Obama ein so deutlich kultivierterer und eloquenterer Repräsentant ihres Landes war.

Donald Trump: "So amazing"

Aktuell wird dies deutlich an den Grußworten, die die beiden Präsidenten bei ihren Besuchen im Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem hinterlassen haben. In den sozialen Medien werden die beiden Notizen verglichen.


Trumps Notiz von Dienstag ist kurz und knapp:

"Es ist eine große Ehre, hier mit all' meinen Freunden zu sein. So großartig. Ich werde es niemals vergessen!"

Dem gegenübergestellt wird Barack Obamas Eintrag vom 23. Juli 2008. Seinerzeit schrieb der damalige Präsident:

"Ich bin Yad Vashem dankbar und allen, die für diese bemerkenswerte Einrichtung verantwortlich sind. In einer Zeit großer Gefahr und großer Versprechen, des Krieges und des Streits, sind wir gesegnet mit einer so mächtigen Erinnerung an das Potenzial des Menschen, Böses zu tun, aber auch an unsere Fähigkeit aus der Tragödie aufzusteigen und unsere Welt zu erneuern. Lasst unsere Kinder hierher kommen, auf dass sie die Geschichte kennen und mit ihrer Stimme in den Schwur 'Nie wieder!' einstimmen. Und mögen wir uns an jene, die zugrunde gingen, nicht als Opfer erinnern, sondern als Individuen, die wie wir gehofft, geliebt und geträumt haben, und die zu Symbolen des menschlichen Geistes geworden sind."

"Das macht mich traurig"

Der renommierte Politikwissenschaftler und Autor Ian Bremmer spricht sicherlich für viele, wenn er den Unterschied beider Texte via Twitter und Facebook in einem einzigen Satz kommentiert: "Das macht mich traurig."


dho

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