Venezuela, Grönland, Persischer Golf: Die Trump-Regierung bringt gerade an vielen Schauplätzen weltweit ihre Militärmacht zur Geltung. Nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling stehen diese unterschiedlichen US-Aktionen miteinander in Zusammenhang.
"Donald Trump denkt nie klein. Die Amerikaner setzen sich gerade an die Spitze einer neuen Weltordnung", sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank "European Policy Center" in der neuesten Folge des stern-Podcasts "Die Lage – International". Die USA signalisierten dem Rest der Welt: "Warum sollten wir uns an die alten Regeln halten? Die bringen uns ja nur Nachteile."
Kern der neuen US-Strategie ist Mölling zufolge neben der schieren Militärmacht Amerikas derzeit das Element der Überraschung. Die russische Tanker-Besatzung habe offensichtlich gedacht, die Amerikaner würden sich weiter an das Seerecht halten. "Da lachen die Amerikaner aber längst drüber", so Mölling. Russlands Strategie des "lawfare", also der Nutzung geltenden Rechts, um sich gegenüber seinen Gegnern Vorteile zu verschaffen, lasse die Trump-Regierung ins Leere laufen.
Verbündete der USA in misslicher Lage
Die europäischen Verbündeten bringt nach Möllings Ansicht vor allem die große Ambiguität der US-Aktionen in eine missliche Lage. "Maduro war ein Diktator und ein Mörder, der ist jetzt weg. Ein Schiff der russischen Schattenflotte wird hochgenommen. Das ist ja vom Ergebnis her nicht gegen Europas Interessen. Nur die Instrumente finden wir falsch", so der Politologe.
Die USA setzten bei ihrem globalen Powerplay derzeit auf extreme Geschwindigkeit und größtmögliche Einschüchterung. Ob in Venezuela, in Dänemark oder im Iran: Überall versetze die Supermacht USA Menschen in Angst nach dem Motto: "Wir tun das, weil wir es tun können. Und ihr kommt gar nicht mehr hinterher."
Diese Strategie der USA könnte nach Möllings Erwartung auch für die kommenden Wochen bestimmend für die globale Entwicklung bleiben – gerade mit Blick auf die volatile Lage im Iran. Das iranische Regime sieht sich seit zwei Wochen wachsenden Demonstrationen gegenüber. Die USA haben in den vergangenen Tagen mit Transportflugzeugen Militärgerät in die Golfregion verlegt. Donald Trump hat der Führung der Islamischen Republik mehrfach offen mit Intervention gedroht.