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24. November 2011, 13:31 Uhr

Mal langsam, Herr Plagiator!

Guttenberg will zurück, zack, zack. Und wir sollen schleunigst vergessen, wie uns dieser Mann versucht hat zu täuschen. So läuft es nicht. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Persona non grata? Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU© DPA/Halifax International Security Forum

Im Haar kein Gel, auf der Nase keine Brille. Macht das bereits einen neuen Menschen? Wer den Auftritt des Freiherrn Karl-Theodor zu Guttenberg studiert, muss sagen: Nein! Hier versucht einer, sich zurückzumogeln zu neuem Ansehen, zu neuer Karriere. Doch der Rückmelde-Aktion fehlt jedwede Glaubwürdigkeit. Es fehlt die Einsicht in eigene Fehler, es fehlt die Reue über die Tatsache, dass er die deutsche Öffentlichkeit über viele Wochen hinweg mit Halbwahrheiten zu narren versucht hat, um sein politisches Mandat zu retten.

20.000 Euro aus der Hosentasche

Zugegeben: Guttenberg wurde wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit nicht strafrechtlich belangt. Die 20.000 Euro Bußgeld an die Krebshilfe dürfte er vermutlich locker aus der Hosentasche heraus bezahlt haben. Das Delikt eines erschwindelten Doktortitels ist damit freilich nicht aus der Welt geschafft. Dass er jetzt von der "größten Dummheit meines Lebens" redet, ist oberflächlich und nicht von echter Selbstkritik geprägt. Dieser Plagiator will uns immer noch weismachen, dass er sich ohne gezielte Täuschungsabsicht massiv an den Gedanken anderer bereichert hat. Er verschanzt sich hinter der Ausrede, all das sei ein Ergebnis seines politischen Lebensstresses gewesen, ihm quasi ohne eigene Initiative widerfahren. Die Botschaft lautet: Ich musste ja abschreiben, weil ich der Republik treu zu dienen versucht habe.

Das Unschuldsbild ist glänzend ausgemalt und - leider - unter Mithilfe der renommierten "Zeit" auch raffiniert inszeniert. Und Guttenberg missbraucht die Rolle des tadellosen Politikers auch noch, um ohne Distanz zu seinem eigenen Verhalten über den "schlechten Zustand der deutschen Politik und Parteien" zu plaudern.

Hunderte Plagiatsstellen

Es mag ja sein, dass viele Wähler, die einst diesem Mann ihre Stimme, ihre Zuneigung, ihren Respekt gespendet haben, schon wieder darüber hinwegsehen können, wie er sie in seiner steilen politischen Karriere und bei der Bewältigung seines eigenen Versagens hinters Licht geführt hat. Man muss sich den Satz auf der Zunge zergehen lassen, den zu Guttenberg seinen früheren Fans andient: "Wenn ich die Absicht gehabt hätte zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie dies an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist." Einige Stellen? Es waren Hunderte, die dieser Plagiator anderswo geklaut hat.

Und man kann es gut verstehen, wenn viele in der CSU schon wieder begehrlich auf ihren Ex-Star blicken. Die Partei steckt in der Krise, erstmals seit mehr als 50 Jahren könnte ihr der Machtverlust drohen. Da steigt die Nachfrage nach einem, der als Helfer zur Machtsicherung taugen könnte.

Auf Bewährung

Man kann nur hoffen, dass die CSU sich aus dieser Perspektive heraus nicht verführen lässt und ihm blitzschnell wieder ein Bundestagsmandat feilbietet. Sie sollte abwarten, bis dieser Mann sich in einer ganz anderen Position auf Dauer bewährt hat. Ein solcher Umweg ist ihm durchaus zuzumuten, zumindest so lange, bis er echte Zeichen der Läuterung erkennen lässt.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
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