Staatsanwalt soll Vorwürfe gegen Wulff verschärft haben

9. März 2013, 12:02 Uhr

Bislang schien es, als würden die Ermittlungen gegen den Ex-Bundespräsidenten ins Leere laufen. Laut "Focus" glaubt die Staatsanwaltschaft, Christian Wulff Bestechlichkeit nachweisen zu können.

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Christian Wulff hat die Einstellung des Verfahrens gegen ihn beantragt. Stattdessen verschärft die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe.©

Seit mehr als einem Jahr dauern die Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff an. Der Vorwurf lautete dabei: Vorteilsnahme im Amt in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident. Und viel schien nicht mehr von den Vorwürfen übrig zu bleiben. Zuletzt stand noch ein Betrag von 400 Euro im Raum. Den soll Filmunternehmer David Groenewold 2008 im Münchner Hotel "Bayerischer Hof" gezahlt haben, um Wulff und seiner Frau Bettina ein Zimmer-Upgrade zu ermöglichen. Wulff bestreitet, von der Zahlung gewusst zu haben. Seine Anwälte fordern die Einstellung des Verfahrens.

Zwei Ex-Mitarbeiter belasten Wulff

Nach Angaben des "Focus" hat die Staatsanwaltschaft Hannover ihre Vorwürfe nun ausgeweitet. Es gehe um Bestechung und Bestechlichkeit in den Verfahren gegen Wulff und Groenewold. Der Gegenstand der Ermittlungen habe sich indes nicht verändert. Es drehe sich weiterhin um die Zahlung von 400 Euro für eine Hotelrechnung. Die Ermittler sollen dem "Focus" zufolge aber jetzt davon ausgehen, dass der Ex-Bundespräsident als Zeichen der Dankbarkeit versucht haben soll, den Siemens-Konzern für den Groenewold-Film "John Rabe" als Sponsor zu gewinnen.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Hans-Jürgen Lendeckel, wollte den Bericht am Samstag nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) nicht kommentieren. Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr zitierte dpa mit den Worten: "Wir äußern uns weiterhin mit keinem Wort zum Ermittlungsverfahren."

Ein Beleg für die Bestechung soll dem "Focus" zufolge ein Brief sein, den Wulff an Siemens-Chef Peter Löscher im Dezember 2008 – drei Monate nach dem Hotelaufenthalt in München – geschrieben haben soll. Darin habe der damalige Ministerpräsident für das Filmprojekt geworben. Zwei ehemalige Mitarbeiter Wulffs aus der Staatskanzlei hätten ihren Ex-Chef belastet, meldete das Magazin. Ein Schreiben Groenewolds habe Wulff beim Verfassen des Briefes an Löscher als Vorlage gedient. Wulff hatte stets behauptet, dass sein Einsatz für das Filmprojekt nicht mit der Freundschaft zu Groenewold in Verbindung steht.

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