
Der Schatten des Luftschiffs zeichnet sich auf dem Bodensee ab© Dagmar Gehm
Die über zehn Meter lange Kabine der Gondel mit zwölf Passagierplätzen ist geräumiger als von außen erwartet. Niemanden hält es lange auf den blauen Ledersitzen. Wir dürfen herumlaufen - nach rechts, nach links, zur kleinen Sitzbank vor dem großen Panoramafenster ganz hinten. Die Fenster an den zwei Türen sind sogar zu öffnen. Die "Ahs" und "Ohs" der Passagiere, das Surren von Videokameras und das Klicken von Fotoapparaten sind die einzigen Geräusche. Ansonsten hört man nur ein sanftes Rauschen. Nichts erreicht uns hier oben wirklich, alles läuft wie ein Stummfilm unter uns ab.
Drei Propeller mit einem Schwenkwinkel bis zu 120 Grad und ein Querfan sorgen für höchste Manövrierfähigkeit. Getrieben von drei Motoren mit je 200 PS sei selbst bei Sturmböen der Zeppelin kein Spielball der Elemente, versichert der Pilot. "Nur wenn der Wind zu heftig bläst, ab 20 Knoten - etwa 37 km/h - und bei Nebel, Gewitter und starkem Regen wird der Flug abgesagt.
Auf 200 Meter Höhe pendelt sich der "Zeppelin NT" jetzt ein, optimal, um den Überblick auf Landschaften, Orte und die weißen Schiffe der Bodenseeflotte zu behalten. Eigentlich könnte er eine maximale Flughöhe von 2.800 Metern erreichen, aber bei einem Panoramaflug hätte niemand etwas davon. Wie Hermann Hesse beobachten auch wir jetzt den "eilig dahinjagenden Schatten des Luftschiffs" auf dem Wasser. Doch der Eindruck täuscht - bei einer maximalen Geschwindigkeit von 125 km/h ist das 75 Meter lange und 19,5 Meter breite Luftschiff lahmer als jeder Durchschnitts-Pkw. Ein Lob der Langsamkeit! Denn so geben der See und sein Ufer ihre Geheimnisse mit jedem Meter Luftraum, den der Zeppelin für uns erobert, ganz genüsslich preis.

"Für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung", schwärmt Hedwig Herzog© Dagmar Gehm
Wir haben die Westroute gewählt: Friedrichshafen - Hagnau - Meersburg, Insel Mainau, Konstanzer Bucht. Edith und Bernd Rigling weisen aufgeregt nach unten, weil wir gerade über ihr Haus in Konstanz fliegen. Hedwig Herzog ist überrascht, dass in Zeitlupe selbst die kunstvollen Zeichnungen in den Rabatten auf der Blumeninsel Mainau klare Konturen annehmen. Gestochen scharf sind auch die Pfahlbauten von Unteruhldingen zu erkennen, und etwas weiter weg glitzern die Gewächshäuser der Insel Reichenau. Deutlich schält sich nun die barocke Klosterkirche Birnau aus dem leichten Dunst. Die spektakuläre Kulisse wird in der Ferne von der grandiosen Bergwelt des Allgäus, Vorarlberger und Schweizer Alpen getoppt.
"Eigentlich mag ich einen Wolkentag lieber", gibt der Flugkapitän zu. "Das ist einfach etwas spannender. Doch immer muss die Sicht bei mindestens drei Kilometern liegen." Heute liegt die Fernsicht bei zwanzig Kilometern. Und es gibt nur glückliche Passagiere an Bord. "Beschwerden hat es bei mir noch nie gegeben", meint Patrizia.
Geduldig beantwortet auch der Kapitän jede Frage: "Nein", ein Zeppelin fährt nicht, sondern er fliegt, weil er - im Gegensatz zu einem Heißluftballon - mit ca. 300 kg statischem Gewicht schwerer ist als Luft." Mit seinem Starrluftschiff LZ1 legte Graf Ferdinand von Zeppelin den Grundstein für die erste Luftschiffahrtgesellschaft der Welt. Lange vor dem ersten Passagierflugzeug haben gigantische Luftschiffe die Kontinente miteinander verbunden. Doch 1940 endet die glorreiche Ära der silbernen Zigarren. Knapp 60 Jahre später feiert Friedrichshafen die Renaissance der Zeppeline. Die DZR setzt die Tradition der komfortablen Art des Reisens fort. "Drei Zeppeline hat die Zeppelin Luftschifftechnik (ZLT) in Friedrichshafen inzwischen schon gebaut", erklärt Thomas Brandt. "Einer wurde nach Japan verkauft, ein zweiter nach Südafrika verleast." Dort soll er die Oberfläche nach Diamantenfelder abscannen.
Der einzige Zeppelin, der jetzt noch in Deutschland fliegt, wird auch als Werbeträger und bei Veranstaltungen wie dem Weltjugendtag mit Papstbesuch 2005 oder der bevorstehenden Fußball-WM zur Luftbeobachtung eingesetzt. "Das Interesse an dem Luftschiff ist riesengroß - der Zeppelin ist ein Elefant weltweiter Aufmerksamkeit", freut sich Thomas Brandt. "Wegen der starken Nachfrage bauen wir jetzt einen vierten, 2008 soll er fertig gestellt sein." Nach der Landung wird im weißen Zelt ein Glas Sekt serviert. "Wir wollen unsere Gäste während des Fluges vom eigentlichen Erlebnis nicht ablenken, erklärt die Flugbegleiterin. Ohnehin sind die Passagiere noch vom Abenteuer zur Luft ganz berauscht. Dann bekommt jeder eine Urkunde und ein Bordbuch der DZR überreicht.
Die 75-jährige Hedwig Herzog wünscht sich schon jetzt zu ihrem 80sten Geburtstag den nächsten Flug. Und Christel und Werner Herold, die vor dem Start - wie manch anderer auch - noch über den hohen Preis murrten, finden inzwischen, dass er sich durchaus gelohnt hat. Denn wenn man mal rechnet, kostet ja ein Flug mit der Lufthansa für eine Stunde auch nicht weniger. Und da darf man noch nicht einmal die Fenster öffnen.
Infos Einsatzzeit 2006: März bis November
Routen & Preise:
Der 30-Minuten-Flug rund um Friedrichshafen kostet 190 Euro. Flug "Ravensburg": Waldburg, Tettnang, Ravensburg, Salem, Meersburg, Friedrichshafen dauert 40 Minuten und kostet 250 Euro.
Folgende Flüge dauern je 1 Stunde und kosten werktags 335 Euro, am Wochenende und an Feiertagen 370 Euro: "Westroute" - Insel Mainau, Meersburg, Konstanz. "Ostroute" - Lindau, Bregenz, Langenargen. Flug "Heiden" - Langenargen, Heiden, Rorschach, Arborn, Romanshorn.
Flug "Rheinfall - Schaffhausen" über die Mainau, Meersburg, Konstanz, Schaffhausen dauert 2 Stunden und kostet 675 Euro.
Kinder bis 12 Jahren erhalten auf Flügen über 30 Min. einen Rabatt von 100 Euro.
Infos + Buchung: Tel. 07541-59.00.0, Fax 07541-59.00.499,
Email: info@zeppelinflug.de. www.zeppelinflug.de
Werftbesichtigungen (8 Euro), Tel. 07541-59.00.343.
Anfahrt: Erst der Ausschilderung "Messe" und anschließend "Zeppelin-Halle" folgen.