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14. August 2006, 17:15 Uhr

Der sanfte Riese

Vor mehr als 106 Jahren stieg er zum ersten Mal in den Himmel und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren: der Zeppelin. stern.de-Autorin Dagmar Gehm ist in Friedrichshafen mit dem letzten deutschen Zeppelin in die Luft gegangen. Von Dagmar Gehm

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Pilot Dominique Manière mit Flugbegleiterin Patrizia Raimo im Cockpit des Zeppelin hoch über dem Bodensee© Dagmar Gehm

Schneeweiß glänzt er in der Sonne. Ein riesiger Flugkörper, der majestätisch seine Bahn am Himmel zieht und alle Prinzipien der Schwerkraft außer Kraft zu setzen scheint. Archaisch wie ein Buckelwal, der erst in seinem ureigenen Element zur eigentlichen Bestimmung findet und dort erstaunlich elegant und beweglich durch die Wellen surft.

Der Faszination konnte sich schon am 2. Juli 1900 niemand entziehen. Damals stieg der 128 Meter lange "LZ 1" als erster Zeppelin unter der Führung seines Erfinders, Ferdinand Graf von Zeppelin, von Friedrichshafen in den Himmel. Rund hundert Jahre später, am 18. September 1997, hatten sich zur Wiedergeburt der Legende, Zeppelin NT (Neue Technologie), rund 30.000 Zuschauer versammelt. Das weltweit größte Hightech-Luftschiff (Guinness-Buch der Rekorde) löst wieder starke Emotionen aus - generationsübergreifend. Bei Kriegsveteranen setzt es Erinnerungen an die originalen "Starrluftschiffe" wie die berühmte "Hindenburg" frei, bei Jungen weckt es die Sehnsucht, das nostalgische Feeling auf einem Flug selber zu erleben. "Wir zehren noch heute vom Mythos Zeppelin", bekennt Thomas Brandt, Geschäftsführer der Deutschen Zeppelin Reederei (DZR).

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Der Zeppelin beim Start in Friedrichshafen© Dagmar Gehm

Lebenstraum Zeppelinfahrt

Auch die kleine Ansammlung von Passagieren, die heute erwartungsvoll den Anflug des "Zeppelin NT" beobachtet, hat aus den verschiedensten Gründen gebucht. Christel und Werner Herold aus Recklinghausen sind bereits auf einer Fahrt mit dem Heißluftballon auf den Geschmack an der entspannten Art des Reisens zur Luft gekommen. Ein Besuch des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen hat sie vorher auf das neue Erlebnis eingestimmt. Das Museum beherbergt weltweit die größte Sammlung zur Geschichte und Technik der Luftschiffe, darunter auch die Rekonstruktion eines Teils des "LZ 129 Hindenburg".

Wie ein Großteil der Passagiere ist auch für Hedwig Herzog aus Schwäbisch-Gmünd der Flug ein Geburtstagsgeschenk: "Für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung", schwärmt die 75-jährige. "Als Kinder haben wir immer in die Luft geschaut, wenn ein Zeppelin über die Wiese flog. Nie hätte ich mir vorstellen können, einmal selber in so einer fliegenden Zigarre zu schweben".

Unerwartet schnell surrt der Zeppelin in die Höhe

Im weißen Zelt finden Check-In und Einweisung statt. Dann stellen wir uns zu zweit zum Einsteigen auf. Immer im Tausch mit zwei aussteigenden Passagieren, um das Grundgewicht zu halten. Beim Betanken wird das Luftschiff in der Gondel sogar mit Bleisäcken beschwert und die Nase des Zeppelin mit einem Mastwagen vertäut, denn die 2.800 qm große und nur 0,3 mm dicke Außenhülle bietet eine ideale Angriffsfläche für den Wind.

Ein Brummen, ein leichtes Zittern, dann heben wir ab. Erst der Bug, dann das Heck. Unerwartet schnell surrt der Zeppelin in die Höhe und steigt kerzen-gerade in den wolkenlosen Himmel. Wie ein Hubschrauber kann er senkrecht starten und punktgenau landen. 1911 beschrieb der spätere Nobelpreisträger Hermann Hesse unter dem Titel "Spazierfahrt in der Luft" seinen Erstflug mit dem LZ 10 "Schwaben": "...merkwürdigerweise war dabei gar kein neues, fremdes Gefühl, weder Erregung noch Bangen, sondern es war die einfachste und vergnüglichste Sache von der Welt, da einzusteigen. Plötzlich stieg das Schiff empor, und die Menschenmenge wurde klein und komisch… ."

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Blick auf die Blumeninsel Mainau© Dagmar Gehm

Luftschiff sicherer als sein Ruf

Auch wir fühlen uns wie auf einem veritablen Luft-Schiff - das wie ein Ozeandampfer sanft auf den Wellen gleitet. Auf unsichtbaren Luftwellen eben. "Für mich ist der Zeppelin das schönste Fluggerät, das man sich als Pilot nur vorstellen kann", sagt Dominique Manière. So sicher fliegt der Zeppelin, dass ein Co-Pilot überflüssig sei, erklärt der französische Flugkapitän. Unglücke wie 1908, als der LZ 4 durch einen Sturm am Boden verbrannte, oder der Brand der LZ 129 "Hindenburg" im Jahre 1937, der die Zeppelin-Luftschiffahrt mit Passagieren für viele Jahrzehnte beendete, sind mit unbrennbarem Helium als Traggas ausgeschlossen. Außerdem ist das Luftschiff mit drei Triebwerken ausgestattet. "Selbst mit einem einzigen Triebwerk würden wir noch sicher landen", behauptet der Kapitän. Wir werden von Flugbegleiterin Patrizia Raimo betreut, die uns Orte und Landschaft erklärt und auf einen ganz besonderen Service aufmerksam macht: "Für Passagiere, die ihren Fotoapparat vergessen haben, halten wir Einwegkameras bereit".

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