Der Multimillionär und sein Traumschiff

27. Februar 2013, 18:44 Uhr

Clive Palmer plant eine Reise zurück in die Vergangenheit. Er lässt das 270 Meter lange Schiff nachbauen. 2016 soll die "Titanic II" in den Hafen von New York einlaufen. Wer ist dieser Mann? Von Till Bartels und Christoph Fröhlich

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Der australische Tycoon Clive Palmer bei der Pressekonferenz in New York©

Die Idee klingt verrückt, waghalsig und ist so absurd, dass sie schon jetzt Menschen in aller Welt begeistert: Ein Mann will ein Schiff nachbauen. Doch der Mann ist nicht irgendwer, und das Schiff ist nicht irgendeines. Clive Palmer, ein australischer Multimillionär, hat sich vorgenommen, die "Titanic II" zum Schwimmen bringen. Seine Pläne hat Palmer bereits verkündet: Wie das Original soll sein detailgetreuer Nachbau vom britischen Southampton in See stechen und quer über den Atlantik bis in den Hafen von New York fahren. 200 Millionen US-Dollar soll allein das Schiff kosten, schätzen Experten. Doch wer ist der Mann, der sich mit solchen Träumen an die Öffentlichkeit wagt? Und wie realistisch ist das Unterfangen?

Keine Frage: Clive Palmer verfügt über das nötige Kleingeld, um auch irrwitzige Ideen umzusetzen. Das zeigte er bereits auf der Pressekonferenz am Dienstagabend, die er im Bauch des ausrangierten US-Flugzeugträgers "USS Intrepid" im Hudson River vor Manhattan abhielt. Dafür ließ er eigens ein Deck umgestalten: Aus dem nüchternen Kriegsschiff-Ambiente wurde dank Kronleuchtern, Galamenü und Blumenschmuck ein festlicher Ballsaal wie auf einem Luxusliner. Der Nachbau der "Titanic" sei sein Lebenstraum, sagte Palmer vor den anwesenden Journalisten. "Diesmal werden wir die Reise zu Ende bringen."

Ein finanzielles Schwergewicht

Wie viel Geld der Australier auf dem Konto hat, weiß niemand. Ist er Multimillionär oder gar Milliardär? Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" gehört er zu den reichsten Menschen Australiens, sein Vermögen soll umgerechnet 700 Millionen Euro betragen. Andere Quellen wie die "Business Review Weekly" sprechen sogar von vier Milliarden US-Dollar.

Sein Vermögen machte Palmer bereits in jungen Jahren: Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in der Nähe von Melbourne wurde Palmer durch geschickte Immobiliengeschäfte mit gerade einmal 29 Jahren zum 30-fachen Millionär. Er hatte ausgesorgt und setzte sich zur Ruhe. Doch sein vorzeitiger Abschied war nicht von Dauer: Wenige Jahre später wagte Palmer das Comeback und investierte in Rohstoffe. Er kaufte Kohle, Eisenerz, Nickel und Kobalt und vervielfachte seine Investitionen. Seine Geldbörse wuchs im gleichen Maße wie seine Körperfülle. Zwischenzeitlich brachte er fast 150 Kilogramm auf die Waage.

2007 heiratete Palmer eine dunkelhaarige, zwanzig Jahre jüngere Schönheit aus Bulgarien, mit der er eine vierjährige Tochter namens Mary hat. Nach einer von seinen Ärzten verordneten Abmagerungskur wog er noch immer 123 Kilogramm.

15 Millionen pro Monat Spielgeld

Palmer handelt nicht nur mit Bergbaulizenzen und kauft Unternehmen, seine Firmen kümmern sich auch um den Abtransport und die Verschiffung der Bodenschätze. Seine wichtigsten Handelspartner sitzen in China, einem nach Rohstoffen hungrigen Markt, der in den letzten Jahren stark expandierte. Von der Mine bis zum Käufer hält Palmer alle Fäden selbst in der Hand.

Das Geschäft seines Lebens machte er vor wenigen Jahren, als er ein Eisenerzlager in Westaustralien an ein chinesisches Unternehmen verkaufte und sich einen festgeschriebenen prozentualen Anteil sicherte. Wieder bewies er den richtigen Riecher: Die Mine bringt ihm seitdem Monat für Monat 15 Millionen Euro ein. Seitdem führt Palmer ein Leben im Kaufrausch. Begnügt sich mancher Reicher mit ein oder zwei kostspieligen Rennpferden, hält sich Palmer stolze 150 Exemplare, schreibt die britische Tageszeitung "Guardian". Außerdem soll er eine Sammlung kostspieliger Dinosaurier-Fossilien haben.

Auf der Sammelliste: Hotels, Oldtimer und Rennpferde

Palmer besitzt außerdem drei riesige Hotelanlagen, mehrere Golfplätze und Luxusvillen in Queensland und Peking. Sein Fuhrpark umfasst laut "Guardian" fünf Privatflugzeuge, eine Handvoll Yachten und knapp 100 Oldtimer. Sogar Anteile der CSC Jinling Shipyard im chinesischen Nanjing gehören dem korpulenten Geschäftsmann. Auf dieser Werft soll nun die "Titanic II" entstehen. Für 2016 ist die Jungfernfahrt geplant.

Der Bau des Luxusliners ist der Höhepunkt im Leben von Clive Palmer, das wurde auf der Pressekonferenz deutlich. Doch schon dort bezweifelten einige der Anwesenden, dass der kostspielige Plan funktioniert.

Palmer selbst äußerte sich nicht dazu, wie teuer sein Projekt wird. Ihm sei es egal, ob er mit seiner Investition Geld verdiene oder nicht, sagt der 58-Jährige großspurig in New York. Wie es ist, mit einem Vorhaben zu scheitern, hat der Australier bereits vor fünf Jahren erfahren: 2008 kaufte er den Erstliga-Fußballverein Gold Coast United, was nicht nur die Fans, sondern auch den australischen FFA-Verband provozierte. Letztes Jahr kam das plötzliche Aus: Der Verein verlor wegen wiederholten Verstößen gegen die Regularien die Lizenz.

Mehr Rettungsboote als der Vorgänger

Aber Palmers sattelte gleich um und investierte in ein neues Hobby. Noch im selben Jahr gründete er die Blue Star Line. Der Name der Reederei spielt auf die ehemalige White Star Line mit Sitz in Liverpool an, deren Schiffe im Transatlantikverkehr unterwegs waren. Ehemaliges Flaggschiff dieser Linie war für nur wenige Tage die "Titanic".

Die Retro-Reise der neuen "Titanic" soll wie damals von Southampton nach New York führen. Stilecht soll es an Bord des Drei-Klassen-Schiffes zugehen. Jeder Passagier bekomme seiner Klasse entsprechend die Kleidung wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestellt, versprach Palmer. Nur in einem Punkt soll sich der Nachbau von seinem Vorgänger erheblich unterscheiden: Neuste Navigations- und Computertechnik steht der Kommandobrücke zur Verfügung. Auch an genügend Rettungsboote sei gedacht, versicherte der Geschäftsmann.

Ob er abergläubisch sei, wurde Palmer auf der Pressekonferenz gefragt. "Nein", sagte er. Auf dem Namen "Titanic" liege kein Fluch. Aber unsinkbar sei natürlich auch die "Titanic II" nicht. "Alles kann sinken, wenn du ein großes Loch rein reißt. Aber ein großer Vorteil der Klimaerwärmung ist, dass es nicht mehr ganz so viele Eisberge im Atlantik gibt."

Davor scheinen sich auch zukünftige Passagiere wenig zu fürchten. 40.000 Ticketanfragen habe er bereits, so Palmer. Ob die "Titanic II" tatsächlich in See stechen wird, bleibt abzuwarten. Zuzutrauen wäre es dem risikofreudigen Australier allemal.

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