Schneller Schritt statt schlendern

Manhattan ist ein Touristenmagnet der Superlative. Wo New Yorker und Besucher aufeinandertreffen, müssen allerdings einige Grundregeln beachtet werden. Von Nicole Krättli

New Yorks Touristenfallen, Manhattan,

New Yorker Rhythmus: immer in Bewegung©

Die Bewohner dieser Stadt sind gestresst. Jawohl. Wer ein Ticket mit der Bahn vom John F. Kennedy Airport zur Penn Station löst, bekommt die Hektik gratis dazu. In New York ist man in Eile und sei es nur, weil man heute noch auf das Empire State Building, ins Museum of Modern Art und zur Freiheitsstatue will. Auch ein Tourist hat sich an diese einfache Grundregel zu halten, sonst kann er gleich in Los Angeles oder San Diego Ferien machen.

Kein New Yorker wird Ihnen auch nur das geringste Verständnis entgegenbringen, wenn Sie in den U-Bahn-Gängen bummeln. Hier laufen die Dinge anders. Türen auf, Passanten raus, Treppe hoch, aber in Windeseile. Langes Herumsuchen, Stehenbleiben und Fotografieren wird von den Einheimischen mit Schubsen, Drängeln und genervten Blicken quittiert.

Bei Rot über die Avenue

Es gibt nur noch eine Steigerung: auf der Rolltreppe links stehen bleiben. Denn links steht man vielleicht in Großbritannien, aber niemals in New York. Links rennen - rechts stehen. Sie würden ja auch nicht auf dem Gehsteig stehenbleiben, nur weil die Ampel rot zeigt? Nein, würden Sie nicht! Sofern Sie nicht augenblicklich als Tourist entlarvt werden wollen.

Sie kommen aus der U-Bahn an der 42nd Street am Times Square. Da stehen Sie, sehen die vielen Lichter, die gelben Taxis und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Es ist in Ordnung, vom Times Square beeindruckt zu sein. Machen Sie ein Foto von diesem Nabel der westlichen Welt, wie schon Millionen vor und nach Ihnen. Doch, bitte, versperren Sie anderen nicht den Weg. Zum Rumstehen gibt es entsprechende "Touristen-Gehege". Da darf man sich stundenlang mitten auf der Straße wundern, ohne jemandem auf den Wecker zu gehen.

Nepp am Times Square

Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch nur weil alles möglich ist, muss man nicht jeden touristischen Unsinn mitmachen. Lassen Sie sich um Himmels willen nicht mit dem nackten Cowboy, einer vorbeigehenden Freiheitsstatue oder mit anderen Gauklern und Straßenkünstlern ablichten. Wer will schon seinen Namen mit Blumen und irgendwelchen Verzierungen auf ein Schriftband aufgemalt bekommen? Haben Sie sich die Karikaturen aus Ihren letzten vier Urlauben je wieder angeschaut? Nein! Wieso vergeuden Sie Ihre kostbare Zeit in dieser schnellen Stadt damit, auf einem Stuhl zu sitzen und sich zum Gespött der Passanten zu machen, nur um nachher Schwarz auf Weiß zu sehen, dass Sie eine zu große Nase oder Dumbo-Ohren haben?

New York ist ein teures Pflaster

Das beginnt schon bei der Hotelrechnung. Konsum, Konsum, Konsum - es ist wirklich schwer, diesem Volkssport zu widerstehen. Glücklicherweise muss das Essen hier nicht sehr teuer sein. Aus einer Salatbar oder einem netten Diner kommt man auch unter zehn Dollar wieder raus. Wieso schleppen Sie also einen Rucksack mit Proviant für eine ganze Fußballmannschaft mit? Und wenn es dann schon ein Rucksack sein muss, um womöglich noch die praktische Windjacke zu verstauen, dann bitte auf dem Rücken tragen. Denn so funktionieren Rucksäcke eben. Sonst würden sie Bauch- oder Brustsäcke heißen.

Ja, die Kriminalität in einer Großstadt ist hoch. Doch seien Sie versichert, nicht mal der Obdachlose auf der Bank im Central Park würde sein Schlafquartier aufgeben, nur um das Sandwich, das Sie am Frühstücksbuffet im Restaurant unbemerkt in Ihre Tasche gesteckt haben, zu ergattern. Also, "just relax", würde ein New Yorker sagen.

Für all jene, die wissen möchten, ob sie im Zweifelsfall als Einheimische durchgehen würden, folgender Test: Man laufe einmal vom Times Square bis zum Madison Square Garden. Sie sind von keinem einzigen Sightseeing-Bus-Ticket-Verkäufer, Fahrradtaxi-Fahrer oder Fotografen angesprochen worden? Gratuliere! Sie sind ein wahrer New Yorker.

 
 
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