Starke Schalker, genialer Draxler

9. März 2013, 20:14 Uhr

Schalke hat das Derby gegen Dortmund gewonnen und seinen Aufwärtstrend bestätigt. Dass es bei den Königsblauen so gut läuft, haben sie nicht zuletzt ihrem 19-jährigen Spielmacher zu verdanken. Von Tim Schulze

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Pure Freude: Julian Draxler feiert mit der geballten Siegesfaust den Erfolg im Derby gegen Dortmund.©

Zumindest in einem Punkt ist die Bilanz der Schalker in dieser Saison makellos. Die Königsblauen gewannen am Samstagnachmittag auch das zweite Derby gegen den Erzrivalen aus Dortmund, wie schon im Hinspiel mit 2:1. Die Königsblauen sind damit vorerst auf den vierten Tabellenplatz gesprungen und dürfen wieder von der Champions-League-Qualifikation träumen. Die Dortmunder müssen hingegen nach der Gala gegen Donezk einen weiteren Tiefschlag hinnehmen – die beiden Derby-Pleiten gegen Schalke stehen fast sinnbildlich für die oftmals durchwachsenden Leistungen des Meisters in der Liga. National läuft es einfach nicht, zumindest wenn man allerhöchste Ansprüche wie die Dortmunder hat. Mit der bereits fünften Saisonschlappe verspielte der BVB die Chance, sich im Kampf um die europäische Königsklasse weiter abzusetzen.

Für Schalke gab es in der Bundesliga hingegen drei Siege in Folge, seit fünf Spielen sind sie ungeschlagen. Das liegt auch an einem Spieler, der im Moment in blendender Verfassung ist. Seit Trainer Jens Keller den 19-jährigen Julian Draxler regelmäßig auf der Spielmacherposition einsetzt, besitzt das Schalker Spiel wieder einen Dirigenten, der mit Kreativität und Übersicht den Taktstock schwingt. Das Ende der Schalker Krise ist eng verbunden mit dem Höhenflug des Hochbegabten. Den Brasilianer Rafael, der in der Winterpause als Nachfolger für Lewis Holtby verpflichtet wurde, hat er aktuell verdrängt. Keller vertraut Draxler und macht damit im Moment alles richtig.

Draxlers Tor bringt Schalke auf die Siegerstraße

Schon der vergangenen Woche beim 4:1-Sieg in Wolfsburg erzielte Draxler zwei Tore. Jetzt im Derby legte er sofort nach. Am Ende eines mustergültigen Angriffs in der 12. Minute bediente Atsuto Uchida Schalkes Jungstar, dem mit einem Schuss aus zwölf Metern der siebte Saisontreffer gelang. Draxler war auch danach maßgeblich daran beteiligt, dass Schalke in der gesamten ersten Halbzeit das spielbestimmende Team blieb, während der Gegner die komplette erste Halbzeit verschlief. Von Derbyfieber war bei den Dortmundern nichts zu spüren. Schalke dominierte und hatte durch Draxler, Joel Matip und Klaas Jan Huntelaar weitere Torchancen. Huntelaar war es schließlich, der per Kopf vor dem Halbzeitpfiff die Führung ausbaute (35.). Die Dortmunder Abwehr hatte bis zu diesem Zeitpunkt einen rabenschwarzen Tag erwischt.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. BVB-Trainer Jürgen Klopp reagierte und wechselte nach der Pause Marco Reus für Kevin Großkreutz und Nuri Sahin für Hummels ein. Diese personellen Umstellungen zeigten Wirkung. Mario Götzes Chance (48.) eröffnete eine Dortmunder Offensive. Der 17. Saisontreffer von Lewandowski aus kurzer Distanz brachte die durch den verletzungsbedingten Ausfall von Torjäger Huntelaar geschwächten Schalker ins Wanken. Auch das spricht für die wiedererstarkten Schalker um ihren Spielmacher Draxler. Sie hielten dem Offensivdruck stand und fuhren ihrerseits einige gefährliche Konter. Am Ende feierte Schalke den zweiten Derbysieg der Saison.

Draxler ist ein Frühgereifter

Während die Dortmunder wie geprügelte Hunde den Rasen der Arena verließen, genossen die Schalker gemeinsam mit den Fans den Triumph. Unter ihnen Draxler, das Schalker Eigengewächs, der von einer wiedererstarkten, gefestigten Mannschaft mit zahlreichen erfahrenen Mitspielern profitiert und die Bälle verteilt, als wäre er fünf Jahre älter. Draxler ist ein Frühgereifter, der schon die dritte Saison in der Bundesliga spielt und seit Kindertagen beim FC Schalke. Sein Marktwert liegt jetzt schon bei 14 Millionen Euro.

Noch steht er im Schatten all der anderen deutschen Jungstars, der Götzes, Reus, Gündogans oder seines Vorgängers auf der Spielmacherposition, Lewis Holtby. Aber wie lange noch? Bundestrainer Joachim Löw ließ ihn im Mai vergangenen Jahres im Spiel im Freundschaftsspiel gegen die Schweiz debütieren, berief ihn aber nicht in den Kader für die Europameisterschaft. Doch Draxler drängt sich auf, auch wenn auf der zentralen Position in der deutschen Nationalmannschaft Mesut Özil herrscht. Doch Draxler kann genauso gut auf der Außenbahn spielen. Eines ist sicher: Der Konkurrenzkampf im deutschen Mittelfeld wird sich durch ihn weiter verschärfen. Und Schalke hat wieder einen echten Spielmacher, der sein Team am Dienstag in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul ins Viertelfinale führen will.

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