Dietmar Hopp hat 1899 Hoffenheim groß gemacht. Die Trennung von Trainer Ralf Rangnick könnte nun der Anfang vom Ende dieser einmaligen Erfolgsgeschichte sein. Denn der SAP-Gründer verkennt den Markenkern seines Vereins. Von Axel Kintzinger

Sportfan, aber vor allem Geschäftsmann: Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp© DPA
Man kann sich Dietmar Hopp als glücklichen Menschen vorstellen. Alle zwei Wochen sitzt der 70-Jährige, der einst den Weltkonzern SAP begründet hat, auf der Ehrentribüne eines lichtdurchfluteten Stadions, das er nahe seiner Heimat Hoffenheim hat bauen lassen. Freunde sind dabei, alte Weggefährten, mit denen er zu Studentenzeiten bei der TSG Hoffenheim kickte. Gemeinsam schauen sie zu, was die heutige Mannschaft, allesamt Erste Herren, so anstellt. Ein Glas guter Riesling ist meist auch dabei.
1899 Hoffenheim, wie der Klub sich heute nennt, ist Hopps Verein. Mit seinem Geld, mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich, hat er die Mannschaft von der dritten in die erste Liga geführt. Geholfen hat ihm dabei Ralf Rangnick. Ein Trainer durch und durch, ein Mann mit Ambitionen, der hoch hinauswollte in den europäischen Fußball. Besser noch in die Champions League. Am besten jedes Jahr. Aber Rangnick hat wohl nicht so genau hingehört, wenn Hopp über die Zukunft von Hoffenheim sprach.
Hopp sprach als Geschäftsmann, als Investor, der nach all den Spenden nun auch Rendite sehen will. Sein Verein, das betonte er immer wieder, müsse wie jedes seiner Investments irgendwann schwarze Zahlen schreiben. Und Hopp handelte wie ein Geschäftsmann, etwa jüngst, als er entschied, den Brasilianer Luiz Gustavo für rund 15 Mio. Euro an den FC Bayern zu verkaufen.
Ein gutes Geschäft aus Investorensicht - Gustavo kostete vor zwei Jahren rund 1 Mio. Euro -, aber ein miserables aus Trainersicht. Rangnick verlor einen seiner wichtigsten Spieler - und zog die Konsequenzen. Neujahr beschloss er zu gehen. Sorgen um seine Zukunft muss ein Trainer wie er, dessen Name mit der Erfolgsgeschichte Hoffenheims verbunden ist, sich nicht machen. Für 1899 Hoffenheim gilt das nicht. Gut möglich, dass Hopp, der große Unternehmer, einen großen Managementfehler begangen hat.
Denn Hopp sieht die Zukunft des Klubs so: "Wir können realistisch betrachtet nicht mehr erreichen, als in der Liga dabei zu sein. Ob im Mittelfeld, mal etwas weiter unten, mal etwas weiter oben." Nur dabei sein? "Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn wir Meister würden oder uns für die Champions League qualifizierten", sagt Hopp, "doch das ist nicht unser primäres Ziel und im Augenblick gewiss nicht unser Ehrgeiz." Als ob die Geschichte Hoffenheims hier enden würde.
Aber Vereine leben von ihrer Geschichte - und ihren Geschichten. Ziel des FC Bayern ist es, immer alles zu gewinnen, mindestens. Ziel anderer Klubs, die schon einmal etwas erreicht haben, ist es, das zu wiederholen. Sie haben ihre Referenzpunkte in der Vergangenheit und heißen Schalke 04 oder Hamburger SV. Dann gibt es Vereine, die verfolgen nichts anderes, als sich gegen den Abstieg zu wehren - St. Pauli etwa oder der SC Freiburg. Sie alle bieten Anhängern und Sponsoren eine Projektionsfläche für Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste. Das ganze Gefühlskino, das zum Fußball gehört. Und da soll es für einen Verein mit den Möglichkeiten Hoffenheims keine spannenderen Ziele geben als ein Tabellenplatz im gesicherten Mittelfeld?
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