Der Fußball feiert sich selbst

3. Februar 2013, 21:38 Uhr

Das atemberaubende Spektakel zwischen Leverkusen und dem BVB zeigt: Der Offensiv-Fußball à la Barcelona ist endgültig in der Bundesliga angekommen - in Dortmund sowieso, aber auch in Leverkusen. Eine Analyse von Tim Schulze

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Dynamik, Tempo, Präzision: Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski legt diese Fähigkeiten auch im Spiel gegen Leverkusen an den Tag.©

Michael Ballack hat sich am frühen Sonntagabend bestimmt nicht gelangweilt. Der frühere Capitano war nämlich zu Gast an alter Wirkungsstätte in der BayArena. Da konnte Ballack genau verfolgen, welche Entwicklung seine frühere Mannschaft genommen hat. Bayer Leverkusen zeigte im Duell der Bayern-Jäger das, was man von den Dortmundern schon seit längerem kennt: Spektakulären Offensivfußball, dass es einen förmlich von den Sitzen riss. Es war ein echtes Spitzenspiel - von beiden Teams. Dass Bayer am Ende als Verlierer den Platz verließ, war zwar ungerecht. Allerdings war das Team selbst daran schuld. Verteidiger Philipp Wollscheid spielte einen zu kurzgeratenen Rückpass auf Keeper Bernd Leno, Dortmunds Torjäger Robert Lewandowski war zur Stelle und schoss den Siegtreffer zum 3:2.

Ballack wird vielleicht mit ein bisschen Wehmut an seine aktive Zeit gedacht haben. Vielleicht hat er ja sogar den Wunsch verspürt, selbst da unten auf dem Rasen mitzuwirken und Teil zu sein von einem Spiel, das zeigte, wie modern und attraktiv der Fußball in der Bundesliga geworden ist. Vor Anpfiff der Partie hatte er nur lobende Worte für die Entwicklungen in Leverkusen und Dortmund gefunden. Über Dortmund sagte er: "Sie haben eine sehr, sehr gute junge Mannschaft. Die Entwicklung verspricht einiges." In Leverkusen sieht er die "nötige Lockerheit" und den "Ehrgeiz, ganz oben anzugreifen".

Keine Eins-zu-Eins-Kopie von Barcelona

Den Ehrgeiz zeigte das Team von Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski vor allem in der zweiten Halbzeit. In den ersten 45 Minuten hatten sich beide Teams anfangs einen offenen Schlagabtausch geliefert und Dortmund war durch einen Doppelschlag von Reus (per Lupfer) und Blaszczykowski (per Elfmeter) innerhalb von zwei Minuten verdient in Führung gegangen. Nach Wiederanpfiff zündete Leverkusen aber ein Offensivfeuerwerk, dass die Dortmunder Abwehr phasenweise nicht wusste, wie ihr geschah. Der Lohn war der Ausgleich durch zwei Treffer von Stefan Reinartz. Der Fehlpass von Wollscheid brachte den BVB wieder in Front. Danach schafften es die Leverkusener einfach nicht mehr, den Ball im Dortmunder Tor unterzubringen, auch dank des exzellent haltenden Mitchell Langerak, der für den erkrankten Roman Weidenfeller im Tor des Meisters stand.

Ordnet man dieses großartige Fußball-Spektakel in einen größeren Rahmen ein, stellt man fest, dass der Fußball à la Barcelona auch in der Bundesliga endgültig Breitenwirkung erzielt. Natürlich kopiert Jürgen Klopp in Dortmund den katalanischen Stil nicht eins zu eins, sondern lässt eine eigene Variante spielen. Und ein direkter Vergleich von Barcelona und Leverkusen verbietet sich. Wir erinnern uns: Im März des vergangenen Jahres kam Bayer mit 1:7 in Barcelona unter die Räder. Doch seitdem hat sich die Mannschaft unter dem Trainerduo Hyypiä/Lewandowski unglaublich entwickelt, und zwar so sehr, dass sie einer Mannschaft wie Dortmund spielerisch auf Augenhöhe begegnet.

Guardiola wird die Entwicklung forcieren

Darin lassen sich die Parallelen sehen. Der FC Barcelona hat die zentralen Funktionsweisen des modernen Fußballs eingeführt: Ballbesitz, Pressing, schnelles Umschalten (Ralf Rangnick nicht zu vergessen!). Das sind die Prinzipien, nach denen auch in Leverkusen gearbeitet wird – mit Erfolg! Es hat mit solchen Entwicklungen zu tun, dass die Bundesliga im internationalen Vergleich sportlich so gut dasteht wie seit Jahren nicht. Werden die Prinzipien von zwei hochklassig besetzen Teams konsequent umgesetzt sind, kommt ein Spiel heraus, das wir am frühen Sonntag genießen durften. Dass der Mastermind dieser Lehre, Pep Guardiola, ab dem Sommer die Bayern trainiert, wird die Entwicklung forcieren. Ballack wird es bestätigen.

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