Der umstrittene Jubel des Mario Mandzukic

18. November 2012, 16:18 Uhr

Politischer Salut von Mario Mandzukic und Xherdan Shaqiri? Die Bayern-Spieler sollen ihre Sympathie für zwei kroatische Kriegsgeneräle bekundet haben. Die Fußballer fühlen sich falsch verstanden.

Mario Mandzukic, Xherdan Shaqiri, Bayern München, Uli Hoeneß

Ein Gruß mit Folgen? Die Bayern-Spieler Mandzukic und Shaqiri bei ihrem Torjubel in Nürnberg.©

Eins ist sicher: Uli Hoeneß wird das überhaupt nicht gefallen. Sein kroatischer Stürmer Mario Mandzukic, der vor der Saison von Wolfsburg zu den Bayern wechselte und bereits neun Bundesliga-Tore erzielte, hat sich auf dem Spielfeld anscheinend zu einer politischen Geste hinreißen lassen. Und die hat es in sich: Seinen Treffer im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg feierte der 26-Jährige mit ausgestrecktem rechten Arm - eine Geste, die dem Schweizer Magazin "20 Minuten Online" zufolge den beiden kroatischen Generälen Ante Gotovina und Mladen Markac gelten sollte.

Der Vorfall ereignete sich gleich zu Beginn des Spiels am Samstag. Mandzukic hatte für die Bayern im Auswärtsspiel gegen die Franken bereits in der dritten Minute die Führung für seinen Club erzielt. Schnurstracks lief der 1,87 Meter große Angreifer daraufhin in Richtung der Bayern-Fans, stand stramm und grüßte mit der unter Faschisten verbreiteten Geste. Neben ihm salutierte Mittelfeldspieler Xherdan Shaqiri, der die Hand zum Militärgruß an die Stirn führte. Der Schweizer Nationalspieler stammt gebürtig aus dem Kosovo.

Gegenüber "Bild.de" wehrten sich die beiden Fußballer inzwischen gegen die Vorwürfe. "Der Jubel sah vielleicht etwas unglücklich aus. Aber ich habe schon öfter so gejubelt", rechtfertigte sich Mandzukic und betonte, er sei ein unpolitischer Mensch. Auch Shaqiri kann die Aufregung nicht verstehen: "Da etwas Politisches rein zu interpretieren, ist völlig falsch. Ich habe gar keine Ahnung, um was es da geht.", beteuerte er gegenüber "Bild.de".

Freispruch für Gotovina und Markac

Der mutmaßliche Hintergrund für die politische Aktion der beiden Fußballer: Am Freitag sind die kroatischen Generäle Gotovina und Markac vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag freigesprochen worden. In erster Instanz waren die zwei Protagonisten im jugoslawischen Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre noch wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 24 bzw. 18 Jahren Haft verurteilt worden.

Die beiden Militärs kehrten unmittelbar nach ihrer Freilassung in die kroatische Hauptstadt Zagreb zurück und wurden von zehntausenden ihrer Landsleute begeistert gefeiert. "Sieg der Wahrheit" titelten die Zeitungen.

Strafe für Mandzukic und Shaqiri?

Ganz anders fielen dagegen die Reaktionen in Serbien, dem damaligen Kriegsgegner, aus: In Belgrad rief die ultranationalistische Serbische Radikale Partei zu einer Kundgebung auf, bei der auch kroatische Flaggen verbrannt wurden. Der serbische Staatschef Tomislav Nikolic nannte das Urteil eine "skandalöse politische Entscheidung".

In den Gesten von Manzukic und Shaqiri steckt also Zündstoff. Gut möglich, dass die Deutsche Fußball Liga DFL auf den Vorfall reagieren wird. Auch eine Reaktion aus München steht derzeit noch aus. Es ist davon auszugehen, dass beide Spieler mit einer Strafe rechnen müssen - denn Bayern-Präsident Honeß wird sich die mutmaßliche politische Parteinahme seiner Spieler auf dem Fußballplatz mit Sicherheit nicht gefallen lassen.

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