Tod eines Linienrichters schockt Niederlande

4. Dezember 2012, 12:24 Uhr

Nach der tödlichen Attacke auf einen Linienrichter ist das Land entsetzt. Ajax-Trainer Frank de Boer zweifelt an der Erziehung. Auch, weil es nicht der erste Vorfall dieser Art ist.

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Niederlande, Linienrichter, Fußball, Prügelei, klinisch tot

Eine Prügelattacke von Amateurspielern kostete einem niederländischen Linienrichter das Leben©

Drei jugendliche Amateurspieler vom niederländischen Verein SV Nieuw Sloten schlugen am Sonntag einen ehrenamtlichen Linienrichter zusammen. Der 41 Jahre alte Richard Nieuwenhuizen erlag am Montagabend seinen schweren Hirnverletzungen in einem Krankenhaus. Die 15- und 16-jährigen Täter wurden festgenommen und sollen dem Haftrichter vorgeführt werden. Sie wurden von ihrem Verein ausgeschlossen.

Der Trainer von Ajax Amsterdam, Frank de Boer, reagierte mit großem Entsetzen auf die tödliche Prügelattacke. "Wie können die Sicherungen bei 15- und 16-jährigen Jungs so durchknallen? Wir müssen etwas tun, denn das ist verrückt", sagte De Boer nach einem Bericht niederländischer Medien in Madrid. "Wo ist die Erziehung geblieben?"

Nach dem Spiel in Almere bei Amsterdam hatten die Amateurspieler den Linienrichter angegriffen. "Er flüchtete, doch die Jungs liefen ihm hinterher und misshandelten ihn weiter", sagte ein Polizeisprecher. Einige Stunden später sei er zusammengebrochen und in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er starb.

"Wo ist die Erziehung geblieben?"

Gewalt ist im niederländischen Fußball kein neues Phänomen. Auf den Fußballplätzen des Landes kommt es an jedem Wochenende zu gewalttätigen Zwischenfällen. In der vergangenen Spielzeit registrierte der niederländische Fußballbund KNVB insgesamt 873 Vorfälle. Doch die Vereine geben an, dass nur die schlimmsten Attacken gemeldet werden. Anfang des Jahres hatte ein Spieler eines inzwischen aufgelösten Amsterdamer Vereins einen 77 Jahre alten Zuschauer mit einem Karatetritt tödlich verletzt.

Vor allem Schieds- und Linienrichter sind zunehmend Opfer von Gewalt und Aggressionen, ergab eine Studie des KNVB von diesem Frühjahr. Zwölf ehrenamtliche Schiedsrichter hatten daher beschlossen, kein Spiel mehr zu leiten. Dennoch erklärte der KNVB am Dienstag nach dem Tod des 41 Jahre alten Linienrichters: "Die Gewalt beim Amateurfußball hat abgenommen." Allerdings kann der Bund dafür keine Zahlen vorlegen.

Sanktionen für Jugendliche gerade gelockert

Allein in der vergangenen Spielzeit wurden 105 Amateurmannschaften aus den Ligen genommen, 74 Spieler lebenslang gesperrt und 200 immerhin noch für zwei Jahre. Vor allem viele 15- und 16-Jährige im Westen des Landes um die großen Städte Rotterdam, Amsterdam und Utrecht sind aggressiv, stellte der KNVB fest.

Erst in diesem Sommer hatte der KNVB die Sanktionen gerade für Jugendliche gelockert. "Nach vielen Reaktionen der Vereine haben wir beschlossen, den Jugendlichen noch eine zweite Chance zu geben", begründete der KNVB diese Entscheidung. Jugendliche können nicht mehr lebenslang, sondern höchstens drei Jahre gesperrt werden.

Der Verein nahm die umstrittene Jugendmannschaft nach der Attacke vorerst aus der Liga. Aus Respekt vor den Angehörigen des Opfers werde am kommenden Wochenende auch keine andere Mannschaft des Vereins spielen, teilte der Amsterdamer Amateurclub SV Nieuw Sloten mit. "Vorläufig setzen wir alle Aktivitäten unseres Clubs aus", heißt es in der Erklärung.

stu/DPA
 
 
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