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21. Oktober 2009, 07:25 Uhr
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Wildwest bei den Schwaben

Ein wütender Sportdirektor, ein trotziger Trainer und ein unverschämter Spieler - beim VfB Stuttgart heißt es nach der erneuten Pleite gegen den FC Sevilla jeder gegen jeden. Klar ist: Eine Niederlage in Hannover dürfte Markus Babbel den Job kosten. Von Jens Fischer, Stuttgart

Champions League, VfB Stuttgart, FC Sevilla, Gruppenphase

Ratlos: Stuttgarts Trainer Markus Babbel (l.) und Sportdirektor Horst Heldt beim 1:3 gegen den FC Sevilla© Thomas Kienzle/AP

So klein wie er ist, so groß ist in diesem Moment seine Wut. Horst Heldt, Sportdirektor des seit Wochen kriselnden VfB Stuttgart, stand nach der bitteren 1:3-Champions-League-Heimniederlage gegen den FC Sevilla wie so oft am Rande der Pressekonferenz und lauschte den Worten seines Teamchefs Markus Babbel. Umringt von einer Schar wartender Journalisten hörte er da was von "großem Engagement", "einem guten Spiel der Mannschaft" und einer "Leistung, auf die man aufbauen" könne. Worte, die bei Heldt nicht einmal ein müdes Lächeln hervorzaubern konnten. Denn Ähnliches hatte er auch nach der letzten Heimpleite gegen den FC Schalke 04 vernommen.

Heldt hat derzeit einfach die Nase gestrichen voll. Natürlich hatten die Schwaben gegen die diesmal gar nichts so übermächtigen Andalusier alles gegeben, hatten speziell zu Beginn des Spiels einige gute Szenen und daraus resultierend einige gute Gelegenheiten. Nur Tore fielen in dieser starken Phase keine. Mal wieder nicht. Egal ob Julian Schieber, Cacau, Alexander Hleb oder Zdrako Kuzmanovic - sie alle vergaben. Oder besser: versagten?

Zweifel an der Qualität

Zu letzterem Eindruck neigt auch Heldt. "Vielleicht fehlt es einfach an Qualität", diktierte er der Presse in die Blöcke. Und schüttelte immer wieder verzweifelt mit dem Kopf, wenn er auf die individuellen Fehler zu sprechen kam, die auch diesmal - ähnlich wie bei den drei Heimschlappen zuvor - zu den Gegentreffern führten. In der Tat ist es erschreckend, wie verunsichert und unkonzentriert die VfB-Akteure derzeit in den entscheidenden Situationen agieren. Schülermannschaft lässt grüßen.

Aber genau diese Schwachstellen zu beseitigen, gehört zum Aufgabenbereich des Trainers. Babbel aber versucht weiterhin ruhig zu bleiben, appelliert an die Moral und redet seine Mannschaft stark. "Ich bin zuversichtlich, denn ich habe insgesamt ein gutes Spiel von uns gesehen", sagte er am späten Dienstagabend nach der Partie und gibt seinen Spielern damit indirekt ein Alibi. Mangelnde Autorität wurde ihm erst jüngst vorgeworfen.

Babbel kocht

Im Innersten scheint es aber auch bei Babbel mittlerweile anders auszusehen. Oder wie ist es zu erklären, wenn er sich vor die Fernsehkameras stellt und seine Spieler auffordert, sich jetzt "nicht verpissen" zu dürfen. Harte Worte, die deutlich machen, wie es um das Nervenkostüm Babbels momentan bestellt ist. Kein Wunder, ist es doch seine erste derart schwere Situation in der jungen Trainerlaufbahn.

Wenn Heldt in seiner mitternächtlichen Analyse davon spricht, dass ein Spieler wie der eigentlich schon aussortierte Ricardo Osorio zu den Gewinnern des Abends gehörte, zeigt das auch, dass Babbel in dieser Saison nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen hat. Der späte Systemwechsel, zu frühe Rotation, zu häufige Wechselspiele mit einzelnen Spielern, die beispiellose Degradierung des Kapitäns Thomas Hitzlspergers - nicht alle Maßnahmen Babbels fanden im Stuttgarter Umfeld Verständnis.

Unverschämter Hleb

Die Spieler selbst scheinen sich der prekären Lage nicht immer bewusst zu sein. Manche verließen nach der Sevilla-Pleite wortlos die Mercedes-Benz-Arena, andere stellten sich und gaben Durchhalteparolen von sich. Und einer wurde unverschämt: "Die Pfiffe der Fans sind mir scheißegal, die bedeuten mir nichts", sagte der erneut mäßig spielende Hleb zu den Vorkommnissen bei seiner Auswechselung. Derartige Verbalfouls bringen den VfB garantiert nicht weiter.

Vor einigen Tagen sprach Heldt davon, "nachts nicht mehr schlafen zu können." Dieses kräftezehrende Befinden wird sich nicht gebessert haben. Er muss sich noch mehr Gedanken machen. Marcel Koller, Jürgen Klinsmann, Bernd Schuster - die potentiellen Nachfolger Babbels geistern schon durchs Schwabenland. Eine Niederlage am Wochenende bei Hannover 96 und der Teamchef wird schwer zu halten sein. Das weiß auch der kleine, wütende Horst Heldt.

Von Jens Fischer, Stuttgart
KOMMENTARE (7 von 7)
 
glStgt (21.10.2009, 22:01 Uhr)
...beispiellose Degradierung des Kapitäns
wie kommt der autor auf diesen hanebüchenen blödsinn?

wenn hier irgendjemand den kapitän degradiert hat, dann hat der "kapitän" dies höchstselbst besorgt.

seit monaten (im prinzip seit fast einem jahr) läuft er davon. vor dem ball, vor dem gegenspieler, vor der verantwortung als kapitän.

darüber können auch ein paar "hammertore" nicht hinwegtäuschen (für die 4 bis 5 hat er auch noch gefühlte 500 versuche benötigt).

fazit: ab auf die tribüne, einen spieler mit "eiern" (boula?) zum kapitän machen und vor allem: ja nicht verlängern.

just my 2 cents
Malt (21.10.2009, 16:01 Uhr)
Naja...
....aufgrund der Leistung, oder vielmehr des Ergebnisses von Stuttgart, der kompletten BULI Zweitklasigkeit zu unterstellen finde ich einfach nicht richtig... ich meine Wolfsburg z.B. hat jetzt einmal gewonnen und einmal knapp, sehr knapp bei Manu verloren... finde ich jetzt nicht so zweitklassig... ich glaube sogar, dass die BULI in der Breite Qualitativ besser ist als z.B. die Premiera Division oder die Premier League... denn dort sind es nur 3 - 4 Vereine die International was reissen und um die Meisterschaft spielen, der Rest stellt das Kanonenfutter... und das liegt auch nur daran, dass es dort eben üblich ist sich bis über beide Ohren zu verschulden oder gleich den kompletten Verein an einen Scheich oder anderen Oligarchen zu verklopfen...
theobaldtiger (21.10.2009, 15:45 Uhr)
Ich finde es schon richtig,
was Miguelo sagt, lieber Malt. Was soll der Vergleich mit Barca ? Jeder leistet sich mal einen Ausrutscher. Das gehört hier nicht her.
Was Hleb angeht, so fasse ich mich an den Kopf, wie man diesen ausgemusterten Typen für 6 Mio Jahressalär verpflichten konnte. Und mit seinen Manieren ist es auch nicht weit her.
.link (21.10.2009, 13:45 Uhr)
"...beispiellose Degradierung des Kapitäns"
das ist doch quatsch. soll er ihn woche für woche aufstellen, auch wenn er sch*** spielt?
er steckt z zt in einem tief, irgendwann wirds wieder besser. dann sitzt man eben mal ein paar spiele auf der bank. wo ist das problem?

das babbel fehler gemacht hat, sieht er vermutlich selbst ein (rotation z.b. mit einer nicht eingespielten mannschaft).
dass es in den letzten spielen besser wurde, müsste jedoch auch jeder einsehen, der die spiele gesehen hat.
wenn man vorne keine oder nur wenige tore macht und hinten 2, 3 mal im spiel pennt, dann verliert man eben.
gegen schalke waren sie nicht schlechter (mMn ein reguläres 2:2), gegen sevilla waren sie auch nicht so schlecht wie das ergebnis vermuten lässt.

wenn heldt die qualität bemängelt sollte er sich doch mal fragen wen er eingekauft hat. für mich überzeugt von den neuzugängen bisher nur kuzmanovics. der hat jetzt 3 spiele gemacht.
maico43 (21.10.2009, 11:17 Uhr)
Vfb/Sevilla
Ich bin ein Anhänger des VfB seit vielen Jahren. Wenn man die Spiele des Vfb in der CL zum Massstab nimmt, ertappt man sich zwangsläufig bei der Idee, bei der Uefa einen Antrag zu stellen, die Spiele zu einem späteren Zeitpunkt zu starten - in der Hoffnung, dass die Spielstärke des VfB dann der CL angemessen ist.
Spaß beiseite - jetzt heißt es nicht mehr reden, sondern tun!
Malt (21.10.2009, 11:05 Uhr)
@Miguelo
Sorry, aber das ist doch Blödsinn... Barca hat gegen eine völlig unbekannte Truppe namens Rubin Kasan zuhause 1:2 verloren... sind die jetzt auch International zu schlecht? Es ist doch vielmehr so: Auch die anderen schlafen halt nicht bzw. haben keinen Bock nur die Punktelieferanten zu spielen, eben auch die vermeitlich Kleinen... wobei ich sagen muss, gegen Deportivo kann man auch verlieren... ist ja nicht so, als wenn es sich dabei um einen Porvinzclub handeln würde....
Miguelo (21.10.2009, 09:26 Uhr)
Bundesliga nur zweitklassig
Das Spiel hat mal wieder gezeigt, dass wir international absolut nur noch die zweite Geige spielen. In der Champions League kann wenn überhaupt Bayern etwas leisten. Das wir seit Jahren solche Mannschaften wie Stuttgart und Hertha auf die europäische Bühne schicken, sollte verboten werden. Die haben einfach nicht die Klasse. Sevilla, Glasgow und die Rumänen - wenn man sich da nicht durchsetzt... dann gute Nacht.
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