Neue deutsche Welle

23. Januar 2013, 16:29 Uhr

Nach Jahren der Enttäuschung erlebt der deutsche Handball bei der WM in Spanien eine Wiedergeburt. Am Abend wartet der Gastgeber auf das Team von Trainer Martin Heuberger. Gelingt der nächste Coup? Von Maximilian Koch

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Eines der Gesichter des deutschen Erfolgs: Torhüter Silvio Heinevetter©

Was dem langjährigen Bundestrainer Heiner Brand nicht gelang, scheint sein Nachfolger Martin Heuberger nun zu schaffen. Der Umbruch im deutschen Handball ist da, der Weg zurück in die Weltspitze bereitet. Bei der WM in Spanien überzeugt die DHB-Auswahl mit temporeichem Offensivspiel, sie ist bislang die Überraschung des Turniers. Jetzt traut sie sich sogar den ganz großen Coup zu: "Wir wollen ins Halbfinale. Punkt. Aus", sagt Torhüter Silvio Heinevetter vor dem Viertelfinal-Duell mit dem Gastgeber am Abend in Saragossa (ab 19.00 Uhr live/ARD).

Seit 2008 stand die deutsche Mannschaft bei einem großen Turnier nicht mehr in der Runde der besten Vier. Dass ausgerechnet bei dieser WM die Rückkehr in den Kreis der Titelkandidaten gelingen würde, war so nicht zu erwarten. Coach Heuberger, der 2011 die Handball-Legende Heiner Brand ablöste, setzte in der Turnier-Vorbereitung auf frische Kräfte – und entschied sich damit auch gegen den Faktor Erfahrung, der bei den vergangenen Großveranstaltungen nicht den erhofften Erfolg gebrachte hatte. Platz neun bei Olympia 2008, Platz fünf bei der WM 2009, Platz zehn bei der EM 2010, Platz elf bei der WM 2011, Platz sieben bei der EM 2012, für Olympia in London nicht qualifiziert – es gehörte nicht viel dazu, um zu erkennen: Der deutsche Handball braucht eine Grunderneuerung.

Heuberger entscheidet sich gegen Erfahrung

Martin Heuberger hat diesen Umbruch konsequent auf den Weg gebracht. Er verzichtete bei der Kader-Nominierung auf alternde Stars wie Michael Kraus (HSV Hamburg), beim WM-Sieg 2007 noch einer der herausragenden Spieler. Andere Stammspieler wie Holger Glandorf oder Lars Kaufmann (beide SG Flensburg-Handewitt) sagten verletzt ab. Und so berief Heuberger einige Akteure, die eine Weltmeisterschaft nur aus dem Fernseher kannten: etwa das Wetzlar-Trio Steffen Fäth, Kevin Schmidt und Tobias Reichmann oder der Magdeburger Stefan Kneer.

Die Entscheidung des Bundestrainers erforderte Mut, schließlich hätte das Ganze auch nach hinten losgehen können. Doch bislang muss man resümieren: Heuberger hat alles richtig gemacht. Mit Leidenschaft, Enthusiasmus und vor allem Teamgeist hat sich seine Mannschaft zurück ins Rampenlicht gespielt. "Wir wissen, dass wir nicht die überragenden Superstars haben. Aber wir sind halt eine geile Mannschaft", sagt Heinevetter, der sich im Turnierverlauf als großer Rückhalt erwiesen hat.

Spanier zeigen Respekt vor deutschem Team

Die Auftritte der deutschen Mannschaft haben Eindruck gemacht auf die Konkurrenz. "Die Deutschen sind im Laufe des Turniers immer besser geworden", sagt Kreisläufer Gedeón Guardiola, der in der Bundesliga für die Rhein-Neckar-Löwen spielt. "Sie haben sich seit der Europameisterschaft enorm gesteigert." Und der spanische Nationaltrainer Valero Rivera ergänzt: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Deutschen Gruppensieger geworden sind.“

Besonders der Sieg im letzten Vorrundenspiel gegen Titelverteidiger Frankreich hat die Gegner aufhorchen lassen – und im eigenen Lager die Lust geweckt auf eine weitere Überraschung. Nicht einmal das 31:20 der Spanier gegen die hilflosen Serben im Achtelfinale konnte das Selbstvertrauen erschüttern. "Die Serben haben sich teilweise einfallslos angestellt im Angriff. Das müssen wir besser machen. Und ich glaube, dann haben wir eine realistische Chance", verkündete Abwehrchef Oliver Roggisch.

Auf die mentale Stärke des Kapitäns wird es heute besonders ankommen – in der 11.500 Zuschauer fassenden Arena in Saragossa erwartet die DHB-Auswahl ein Hexenkessel. "Wir müssen einfach kühlen Kopf bewahren und dürfen uns nicht vom Publikum beeindrucken lassen“, sagt Roggisch. „Wir müssen unser Ding durchziehen und dann bin ich mal gespannt, ob Spanien uns schlagen kann." Nicht nur Roggisch darf gespannt sein, zu was das neue deutsche Team bereits in der Lage ist.

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