18. Oktober 2012, 19:36 Uhr

Infopanne kostet Google Milliarden

Was für ein Patzer: Der Internetkonzern Google hat seine Quartalszahlen um Stunden zu früh veröffentlicht. Weil das Zahlenwerk recht mau ausfiel, ging der Kurs um rund zehn Prozent in die Knie.

Dieser Patzer hat Milliarden an Börsenwert vernichtet: Google hat seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal am Donnerstag noch während des laufenden Börsenhandels in New York veröffentlicht. Zuerst herrschte Verwirrung, dann drückten die Händler auf den Verkaufsknopf. Denn massiv gestiegene Kosten - unter anderem durch die Übernahme des Handyherstellers Motorola - ließen den Gewinn schmelzen. Erschwerend kam hinzu, dass Google weniger Geld pro Klick von seinen Werbekunden einnehmen konnte.

Die Aktie sauste zeitweise um mehr als zehn Prozent in die Tiefe, bis der Handel schließlich auf Wunsch von Google gestoppt wurde. Bis dahin dreht das Papier ganze Indizes an der Wall Street und zog Technologiewerte nach unten. Aus dem Handel ging die Google-Aktie letztlich mit einem Minus von acht Prozent bei 695 Dollar. Firmensprecherin Rachel Whetstone schob die Schuld für den Fehler auf die Dienstleistungsfirma RR Donnelly, die eine unfertige Mitteilung ohne Genehmigung veröffentlicht habe. Der Handel mit den Aktien werde wieder aufgenommen, wenn die Mitteilung vervollständigt sei, erklärte die Sprecherin. Aktien von RR Donnelly fielen um mehr als drei Prozent.

"Zitat von Larry steht noch aus"

Die in Großbuchstaben gesetzte Zeile in der Mitteilung "Zitat von Larry steht noch aus" (PENDING LARRY QUOTE) deutete auf einen Patzer hin. Larry Page ist einer der beiden Gründer und der amtierende Firmenchef von Google. Parallel zur Veröffentlichung ging bei Journalisten eine Erinnerung von Google per E-Mail ein, dass die Zahlen am Nachmittag vorgelegt würden.

Nur wenige Minuten nach der frühzeitigen Veröffentlichung von Googles Quartalszahlen am Donnerstag machte sich ein Spaßvogel über die peinliche Panne lustig. Er richtete beim Kurznachrichtendienst Twitter den Account @PendingLarry ein.

"...oops", schrieb PendingLarry. "Das ist was passiert, wenn Du Deinen Bericht an die SEC mit Android einreichst." Android ist das Smartphone-Betriebssystem von Google. "Fairerweise muss ich sagen, dass wir unseren Bericht schon gestern Nachmittag bei Google Plus veröffentlicht haben." Das war eine weitere Spitze: Googles Soziales Netzwerk gilt als verwaist im Vergleich zu Facebook. Ein weiterer Eintrag lautete: "Mannomann, unsere Privatsphäre wurde heute ganz schön verletzt" - eine Anspielung auf Googles Datensammelwut.

Motorola macht Google zu schaffen

Üblich ist, dass die Zwischenbilanz nach dem Ende des regulären Handels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um 22 Uhr deutscher Zeit mitgeteilt wird, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das umfänglich Zahlenwerk zu vertiefen. Nun kamen die Geschäftszahlen aber vier Stunden zu früh heraus in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC.

Demnach stieg der Umsatz um 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar (10,8 Mrd Euro). 2,6 Milliarden Dollar rührten dabei alleine von der Einbeziehung Motorolas her. Der Gewinn büßte dagegen 20 Prozent ein und liegt noch bei 2,2 Milliarden Dollar ein. Auch hier wirkte sich Motorola aus, vor allem durch hohe Entwicklungskosten für neue Smartphones mit Googles Betriebssystem Android.

Und auch das noch: Affen reparieren YouTube

Um den "gebrauchten Tag" für Google komplett zu machen, brach auch noch das Videoportal YouTube, das zum Konzern gehört, zusammen. Am Donnerstagabend deutscher Zeit war beim Aufrufen der Website nur eine merkwürdige Fehlermeldung zu sehen: "500 Internal Server Error. Etwas ist falschgelaufen. Ein Team von bestens ausgebildeten Affen ist ausgesandt worden, um die Situation unter Kontrolle zu bringen." Nach wenigen Minuten lief Youtube wieder. Gelacht hat bei Google darüber vermutlich niemand.

kng/dho/DPA/Reuters
 
 
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