14. Dezember 2008, 18:42 Uhr

Ausweg dringend gesucht

"Es kommt darauf an, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat beim Konjunkturgipfel mit Wirtschaftsmanagern und Verbandsvertretern die Richtung für den Kampf gegen die Krise vorgegeben. Angeblich ist ein zweites Konjunkturpaket der Bundesregierung bereits in Vorbereitung.

Merkel, Steinmeier, Konjunkturgipfel, Kanzleramt, konzertierte Aktion

Bereit für den gemeinsamen Kraftakt? Deutsche-Bank-Chef Ackermann und Kanzlerin Merkel beim Konjunkturgipfel©

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) haben zu einem nationalen Kraftakt gegen die Wirtschaftskrise aufgerufen. Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssten an einem Strang ziehen. "Es kommt darauf an, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen", sagte Merkel am Sonntag in Berlin unmittelbar vor dem Spitzentreffen mit Topmanagern, Verbänden und Ökonomen. Die Bundesregierung könne die Konjunktur nicht allein stützen. Steinmeier warb ebenso für gemeinsames Handeln. Der Staat müsse gezielt entlasten: "Es muss kraftvoll gehandelt werden, aber auch mit Köpfchen." Beschlüsse wurden von dem Treffen nicht erwartet.

Merkel sagte, die "schwierigen Monate, die vor uns liegen", könnten am besten gemeinsam bewältigt werden. Die Regierung wolle im Januar entscheiden, ob weitere Maßnahmen gegen die Krise erforderlich seien. Die Kanzlerin kündigte an, noch in dieser Woche mit den Ministerpräsidenten über das Vorziehen von Investitionen in die Infrastruktur zu beraten. "Alles, was wir im nächsten Jahr tun, sollte Deutschland stärken und kein Strohfeuer sein."

2009 - kein Jahr der Entlassungen?

Steinmeier betonte, jeder Euro müsse im Jahr 2009 sinnvoll für Beschäftigung ausgegeben werden. "Das darf nicht das Jahr der Entlassungen werden." Er appellierte an die Unternehmen, Beschäftigte so lange wie möglich zu halten und angesichts der Krise nicht voreilig zu entlassen. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und die schleppende Kreditvergabe der Banken an Firmen gehörten zu den Hauptthemen des Treffens im Kanzleramt.

Neben mehreren Bundesministern, Bundesbank-Präsident Axel Weber und den Vorsitzenden der großen Gewerkschaften nahmen auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, Siemens-Chef Peter Löscher und Telekom- Boss René Obermann teil. Hinzu kamen Wissenschaftler wie der Chef der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup. Ergebnisse und Handlungsanweisungen für die kommenden Monate wurden von dem Treffen nicht erwartet.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering unterstützte die Absicht, bald in die öffentliche Infrastruktur zu investieren. Bei Straßen, Brücken, Kindergärten und Krankenhäusern liege "eine Menge Arbeit, die wir tun können", sagte er beim Landesparteitag der hessischen SPD in Alsfeld. Wie Merkel erteilte Müntefering CSU-Forderungen nach einer raschen Steuerreform eine Absage. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hielt dagegen. Schnelle Steuerentlastungen für alle Bürger seien bitter nötig. Während des Gipfels gab es aber zunächst wenig Zustimmung für einen solchen Schritt, hieß es.

Vor übereilten Aktionen warnten Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Steinbrück lehnte die Abschaffung des Solidaritätszuschlags ab. "Das hilft in der jetzigen Phase nicht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er wandte sich auch gegen die teilweise Verstaatlichung krisengeschüttelter Branchen wie der Autoindustrie.

Zweites Konjunkturpaket in der Mache

Laut diversen Medienbreichten bereitet die Regierung bereits ein zweites Konjunkturpaket im Umfang von mindestens 30 Milliarden Euro vor. Kernpunkte seien die Beseitigung der "kalten Progression" im Steuerrecht, die Senkung der Krankenkassenbeiträge durch einen höheren Zuschuss zum Gesundheitsfonds und Steuerschecks für Arme.

Bislang hat die Koalition nach eigenen Angaben Entlastungen - inklusive der Pendler-Rückzahlungen - für Bürger und Wirtschaft von 38,5 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Einen Medienbericht, die Regierung rechne 2009 mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 2,0 Prozent, wies Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zurück. "Solche Zahlen sind pure Spekulation. Es gibt bislang nicht einmal den Entwurf eines Jahreswirtschaftsberichts», sagte er der «Bild am Sonntag". Offiziell hält die Regierung noch an ihrer Prognose für ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent fest.

AP/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Justizius (15.12.2008, 06:52 Uhr)
Blanker Hohn
Ich stelle mir ein Treffen der Camorra (Mafia) nicht anders vor. Ich würde mal gerne wissen, wie oft sich die runde inoffiziell trifft, bzw. austauscht?!?!
susiwolf (15.12.2008, 06:22 Uhr)
der Poltergeist im Teufelskreis ...
Im Januar 2009 kommt der 'big bang' ...
'the change' ... oder auch 'the joint venture'
im Schuldenkreis der Staatsfinanzen.
-
Abgesehen von dem gigantischen Schuldenberg, der weiteren Neu- Neu- Ver-
schuldung für das Haushaltsjahr 2009 und der noch völlig unklaren 3-stelligen Milliardensumme für Versorgungslasten aus der Bundespost - Privatisierung ... wurde seit Jahrzehnten nicht eine müde Deutschmark resp. Euro getilgt. Altschulden und Zukunftsschulden summieren sich....
-
Werden Kredite fällig (zur Rückzahlung) werden dafür neue aufgenommen. Letzlich werden durch neue Kredite Altschulden bedient. Auch für Zinszahlungen werden Kredite benötigt.
-
All das ist den PolitikerInnen bewußt. Allen bewußt. Und 'jeder denkende Haushaltsvorstand in der Familie' würde ob dieser Zahlen kalte Füße und feuchte Hände bekommen. Ob das auch in der 'Expertenrunde' klar ist ? Unser Finanzminister weiß, wovon er spricht. Die KanzlerIn ebenfalls. Beim bayrischen Gespann ist's eher verwischt bis nebulös.
-
Der Teufelskreis der Staatsfinanzen wird immer enger. Die Verantwortung dafür ...
immer teuflischer. In der Januar-Runde, Herr Steinbrück, poltern Sie mal wieder los:
" So nicht mehr ! "
watchtower (15.12.2008, 00:04 Uhr)
"und Steuerschecks für Arme"
DER Spaß zum Sonntag.
makira (14.12.2008, 22:15 Uhr)
Zeitenwende
Immer wieder schön zu sehen, wer die wahren Mächtigen in diesem Land sind. Wer noch an die Volkssouveränität glaubt, glaubt noch an den Weihnachtsmann. Es scheint wieder die Zeit, wo man sich für ein neuen Diktator erwärmen könnte. Ich sehe im Augenblick niemanden, aber das kann sich sehr schnell ändern. Manchmal verkaufen die Menschen ihre Seele nur um andere brennen zu sehen. Das dumme daran, die, die uns den Mist eingebrockt haben, würden nicht brennen, sondern davon auch noch profitieren.
facilidad_de_ser (14.12.2008, 22:11 Uhr)
Die führenden Politiker Europas...
... kennen sich in der Materie gut genug aus, um zu wissen, dass vor 2010 nichts passieren darf, denn erst dann wird der Dollar durch den Amero abgelöst, bis dahin heißt es abwarten und keine voreiligen Entscheidungen treffen, die Europa dann ins Hintertreffen bringen könnten.
Kritik an Merkel ist deshalb vollkommen sinnlos...
knilch_59 (14.12.2008, 21:46 Uhr)
@frank77777
aber wir haben nun mal keine anderen. Und selbst, wenn wir die jetzigen abwählen würden, welche wären denn besser?
.
Das ist nichts anderes als die Wiederbelebung der konziertierten Aktion. Hoffentlich lassen sich die Gewerkschaften nicht breitquatschen, da mitzumachen. Sich 25 Jahre lang die Butter vom Brot klauen zu lassen, hat nichts gebracht!
frank77777 (14.12.2008, 21:42 Uhr)
Bei diesen Figuren
das nenn ich mal ein Paradebeispiel
von "dem Bock zum Gärtner machen" lach
MEHR ZUM ARTIKEL
Konjunkturprogramm Wir sind noch zu retten

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung plant die Bundesregierung Ende Januar ein zweites Kunjunkturprogramm. Bisher wollte sie die drohende Rezession nur mit vier Milliarden Euro bekämpfen. Das war viel zu wenig. Ein Plädoyer für mehr Mut in Zeiten der Krise.

Konjunkturprogramme John M. Keynes, der Popstar der Krise

Im Kanzleramt trifft die Kanzlerin heute führende Vertreter der Wirtschaft. Es geht um die Frage: Wie muss der Staat in der Krise in die Wirtschaft eingreifen? Der Superstar in diesen Zeiten heißt John Maynard Keynes. Alle sind sie jetzt Jünger des Briten, Keynesianer. Allein: Wofür steht der Ökonom? Was macht seine Ideen so erfolgversprechend? Und was hat Finanzminister Peer Steinbrück gegen ihn?

Jörges Zwischenruf Merkel ist nur noch Miss Germany

Kanzlerin Merkel zaudert in der Wirtschaftskrise - und geht damit ihren EU-Amtskollegen und CSU-Chef Horst Seehofer gewaltig auf die Nerven. Trotz der Misstöne leiden ihre Sympathiewerte in der deutschen Öffentlichkeit nicht. Hans Ulrich Jörges sagt, warum.

 
Jetzt stern unverbindlich testen

10 x stern + 30% Preisvorteil + kostenloses stern eMagazine + gratis Dankeschön. Jetzt sichern.

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (15/2013)
Schampus für alle!