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14. Juli 2008, 11:29 Uhr

Warten auf die nächste Pleite

Mit der Pleite der Hypothekenbank IndyMac hat die Immobilienkrise in den USA einen neuen Höhepunkt erreicht. Es wird nicht der letzte sein. Experten rechnen mit einer Welle von Zusammenbrüchen, die Regierung versucht bislang vergeblich gegenzusteuern. Von Matthias Krause, New York

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"Haus zu verkaufen" steht auf einem Schild vor einem Haus in Staten Island, New York - immer mehr US-Bürger sind gewzungen, ihr Eigenheim zu veräußern© Justin Lane/dpa

Die Banker an der Wall Street in New York und die Finanzpolitiker in Washington spielen dieser Tage ein Spiel, auf das sie liebend gerne verzichten würden. Es trägt den schlichten Titel: "Who is next?" - Wen erwischt es als nächsten? Die Pleite der US-Hypotheken- und BausparbankIndyMac in Pasadena, Kalifornien gilt ihnen als Vorbote für eine Welle von Banken-Pleiten, die jetzt droht. Und noch weiß niemand, wie lange sie anhalten wird. Die amerikanische Bankenaufsicht FDIC, die am Freitag die Geschäfte bei bei Indymac-Bank übernommen hatte, führt eine Liste mit 90 Wackelkandidaten. Ihre Namen hält sie allerdings geheim.

Kosten in Milliardenhöhe

Andere gehen davon aus, dass von den 7500 Banken in Amerika bis zu 150 die aktuelle Krise nicht überstehen werden. Bei letzten großen Kollaps Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre waren mehr als 1000 Finanzinstitute in den Abgrund gerissen worden. Damals musste die Regierung in Washington 125 Milliarden Dollar locker machen, um für die staatlich garantierten Einlagen gerade zu stehen.

Der Untergang der IndyMac wird die FDIC nach eigener Schätzung zwischen vier und acht Milliarden Dollar kosten und wäre damit eine der teuersten Bankenpleiten in der Geschichte der USA. Im Augenblick hat die Bankenaufsicht 53 Milliarden Dollar in der Kasse, um für garantierte Einlagen gerade zu stehen. Niemand kann sagen, ob das reicht. FDIC-Chefin Sheila Bair versichert: "Es wird eine erhöhte Anzahl von Pleiten geben, aber sie bleiben in einem Bereich, mit dem wir fertig werden."

Fünf Banken bislang pleite

Seit Beginn des Jahren mussten in den USA fünf Banken dicht machen, jedes Mal war die geplatzte Blase auf dem Immobilienmarkt Schuld. IndyMac hatte sich auf die Vergabe so genannter "no-doc loans" spezialisiert, also Hypotheken, bei denen die Antragssteller nur ein Minimum an Dokumenten vorlegen mussten, manchmal nicht einmal einen Einkommensnachweis. Was ursprünglich geschaffen worden war, um zum Beispiel Freiberuflern den Hauskauf zu erleichtern, nutzten die Banken im Immobilienboom, um Leuten einen Kredit zu vermitteln, den sie sich unter normalen Umständen nicht hätten leisten können. Ein überdurchschnittlich hoher Prozentsatz dieser Hypotheken platzt nun.

Über ein Jahr nach Beginn der amerikanischen Immobilienkrise sind es längst nicht mehr nur die hoch riskanten Kredite, die den Banken schwer im Magen liegen. Mittlerweile geraten auch die solventeren Hausbesitzer in den Strudel der sinkenden Immobilienpreise. Das in vielen Regionen bestehende Überangebot an Häusern wird nun dadurch verschärft, dass die Bank Immobilien von säumigen Zahlern zu Spottpreisen auf den Markt werfen und so das Niveau noch weiter drücken. Hinzu kommt die schlechte wirtschaftliche Gesamtwetterlage. Der Benzinpreis hat sich in Amerika dauerhaft auf über vier Dollar pro Gallone eingependelt. Das sind rund 70 Euro-Cent pro Liter, nach deutschen Verhältnissen ein Spottpreis, in Amerika ein historisches Hoch. Die Lebensmittelpreise steigen ebenfalls rasant, die Arbeitslosenzahlen schnellen nach oben.

"Der freie Fall der Hauspreise ist die Wurzel aller unserer finanziellen und wirtschaftlichen Probleme", sagt Mark Zandi, Chefökonom bei Economy.com. "die Investoren wissen nicht, wann die Talsohle erreicht ist und wie viele der Hypotheken abgeschrieben werden müssen." Der Index der landesweiten Preise für Häuser ist seit seinem Hoch im zweiten Quartal 2006 um 16 Prozent gefallen. In der letzten Immobilienkrise Anfang der 90er war nach einem Minus von 2,8 Prozent die Talsohle erreicht. Die Zahl der Zwangsversteigerung hat sich in Juni mit 681.000 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

Paulsen versucht zu beruhigen

Mittlerweile trifft es nicht mehr nur die kleinen Banken. Nach einem hektischen Wochenende mit Dauersitzungen von Vertretern der Federal Reserve Bank, der Wall Street-Bosse und des US-Finanzministeriums sah sich Minister Henry Paulson gezwungen, einen Notfall-Plan für die Branchenriesen Fannie Mae und Freddie Mac zu verkünden - pünktlich vor der Öffnung der zitternden Börsen in Asien. Die vom Staat gegründeten und subventionierten, aber in den Händen von privaten Aktionären befindlichen Institute verwalten rund 40 Prozent aller privaten Immobilienkredite in den USA. Ihr Wert wird auf 5,2 Billionen Dollar geschätzt. Noch befänden sich die beiden nicht in Schieflage, versicherte Paulson in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Sonntag. Aber er wolle den staatlichen Kreditrahmen von derzeit 2,25 Milliarden Dollar vorsorglich anheben. Außerdem solle der Kongress Grünes Licht für einen Aktienkauf der Regierung geben, um notfalls die Kapitalbasis der beiden Banken kurzfristig zu stärken.

Ihr Aktienwert war seit Anfang des Jahres um mehr als 80 Prozent gefallen. Freddie Mac will am Montag kurzfristige Anleihen in Höhe von drei Milliarden Dollar versteigern. Dann wird sich zeigen, ob der Markt Paulsons Beteuerungen glaubt. Bert Ely, Bankexperte und langjähriger Kritiker der beiden Geldinstitutionen, sagte: "Paulsons Plan geht weiter, als ich gedacht hätte. Was darauf schließen lässt, dass die Sorgen ebenfalls größer sind." Eine kleine positive Nachricht gibt es ob all der ökonomischen Hiobsbotenschaften übrigens trotzdem: Bei der Bankenaufsicht FDIC suchen sie händeringend neue Mitarbeiter.

Von Matthias Krause, New York
KOMMENTARE (8 von 8)
 
starmax (14.07.2008, 19:40 Uhr)
Nostradamus - freut mich,
daß unsere Überlegungen (bei mir 15 Jahre S.Gesell, Freigeld etc.)zu folgerichtigen und fast gleichen Ergebnissen geführt haben! Zwei Anmerkungen:
1.Aktien mit Erträgen(Dividenden) müssen als Investmentmöglichkeit bestehen bleiben, schon der Risikostreuung wegen.
2. Der Staat, der dies alles als Erster einführt, wird sich wegen der dauerhaften Steuerbefreiung vor ausländischem Anlagekapital kaum retten können; andere Staaten werden schnellstens nachziehen - müssen.
Wenn sich durch nicht mehr erfordliche Kapitalkostenanteile alle Waren und Dienstleistungen in D um ca.30% verbilligen, wird allein das für einen gewaltigen Wachstumsschub sorgen....
Nostradamus (14.07.2008, 18:30 Uhr)
@starmax: Richtig
Genau das versuche ich seit 10 Jahren den Leuten beizupulen. Leider nur mit mangelhaftem Erfolg.
Nur wer investiert und Handel und Wandel betreibt darf Geld "verdienen". Es muß Schluß sein damit, dass man mit Aktien- und Zinsgewinnen und anderem aus unproduktiver Arbeit mehr Geld verdienen kann als aus produktiver Arbeit.
Der Grund warum dies anders ist m.E. u.a. auch ein "Ökologischer". Denn: Wenn die Massen Geld zum Konsumieren hätten, dann ginge es mit der Ökologie noch weiter den Bach hinunter.
Der Punkt ist jedoch der, dass florierende Wirtschaft sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen kann, während dirigistische Staats- und Umverteilungssysteme früher oder später im Lokus der Geschichte landen.
Europa basiert auf einer sozialistischen Planwirtschaft. Die deutschen Parteien rekrutieren ihre Wählerschaft durch die Umverteilungspolitik und auch in Ländern wie der USA nehmen Lobbyisten Einfluß auf den Geldkreislauf und das wirtschaftliche Geschehen.
Würde man die Unternehmer endlich unternehmen lassen, dann gäbe es alternative Entwicklungen. Wir jedoch warten darauf, dass von irgendwo ein Wunder kommt, das aber nicht kommen wird, weil die Wirtschaft gefesselt und geknebelt am Boden liegt und der deutsche Politiker und Beamte gerade damit beschäftigt ist sich Gedanken über die Verwaltung des Mangels macht und wie er selbst in der von ihm verursachten Mangelgesellschaft am Besten über die Runden kommt.
Leider werden solche Gedanken immer so diffamiert, dass man glauben könnte wer das fordert, der fördert den blanken Kapitalismus. So ist es aber nicht. Der Kapitalist muss investieren, auch seinen Gewinn und kann diesen nicht auf dem Konto häufen.
Der Haken an der Gschicht: Deutschland ist auf der Welt alleine nicht. Wenn wir hier sowas einführen, dann bringt das so viel wie eine Flugbenzinsteuer. Nix.
Das wäre etwas, was die G8 beschließen müßten und über die UN von allen Nationen gleichermaßen getragen werden müßte.
starmax (14.07.2008, 16:29 Uhr)
Der Zins ist schuld!
Denn nur der macht es möglich, daß Geldmenge und Warenmenge so sehr (exponentiell) auseinanderdriften. In Verbindung mit immer lascheren Marktregeln führt das alle 60 Jahre zu zum Staatsbankrott/Crash/Reform (man kann es nennen, wie man will). Nur Zinsverbot, Bar- und Giralgeldsteuer (=Entwertung nicht genutzten Geldes) bei gleichzeitig völliger Steuerfreiheit auf a l l e Investitionen und Erträge (solange sie re-investiert werden) wird ein gesundes Wirtschaftsystem ermöglichen, ohne schleichende Umverteilung von unten nach oben. Das wäre keinen Revolution, jeder behält, was er hat - soll es aber künftig mehr werden, muß er in die Gemeinschaft (also zu deren Gunsten) investieren. So entfällt dieser perverse "Wachstums"druck als Globalisierungstriebfeder, auch schrumpfende Volkswirtschaften gedeihen.
The_Fiddler (14.07.2008, 14:23 Uhr)
Renditejäger
Bereits John Maynard Keynes forderte den langsamen Tod der Renditejäger, „weil es die vernünftigste Art ist, die anstößigen Folgen des Kapitalismus wieder los zu werden."
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Also Nieder mit ihnen! Nider mit den Zinstreibern! Nieder mit den Spekulanten! Dem Christentum kann man wenig zu gute halten aber das allemal: Verbot der Zinswirtschaft für Christen!
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Nur die Spekulanten sind an unsere Situation schuld: Nahrungspreise, Ölpreis und Immobilienkrise!
Progreso (14.07.2008, 13:47 Uhr)
Stopp der Spekulantengier
Es muss endlich Schluß sein mit der im wahrsten Sinne mörderischen Spekulation auf Rohstoffe, lebens- und wirtschaftswichtige Güter und Nahrungsmittel. Auch wenn es hier im Artikel um Hypotheken geht, so hängt dieses Gesamtverhalten der Banken, vieler Fonds und Spekulanten doch kausal zusammen.
Wir brauchen endlich eine faire und dennoch nicht gleichmacherische Wirtschaftsfor und Gesellschaftsorganisation!
Hier erneut die Literaturhinweise:
Oswald Spengler: "Der Untergang des Abendlandes" (1918-22)-> sagt genau das vorher was gerade passiert!
Silvio Gesell: "Die natürliche Wirtschaftsordnung", u.a. Werke, Buenos Aires und Schweiz/1891-1916 -> zeigt auf wie's gehen könnte.
Aktuell: Schaut auch die Seite der Humanwirtschaftspartei.de -> wenn wir für uns ALLE eine differenzierte UND solidarisch-friedliche Gesellschaft wollen, müssen wir was tun - ansonsten sehe ich schwarz, denn dann werden die geld- und machtgeilen Misanthropen der Welt ihren, für viele tödlichen Stempel vollends aufdrücken!
sausewindxxl (14.07.2008, 13:10 Uhr)
Wer "bürgt" für die Bürgen?
Frage: Wer bürgt eigentlich für die FED/USA und mit was? Die produzierende Wirtschaft der USA liegt am Boden, das Land ist völlig überschuldet und seine Bürger durch die Bank total pleite. Ein Prozent der Bevölkerung sitzt permanent im Gefängnis und die militärischen Abenteuer verbraten ein paar hundert Millionen Dollar PRO TAG! Mir ist wirklich schleierhaft, wie man von diesem Staat noch voller Zuversicht Schuldscheine annehmen kann oder Vertrauen in die Stabilität seiner Währung setzen kann. Trotzdem gehen täglich gigantische Summen von Pensionsfonds,Staatsfonds und Lebensversicherungen in dieses ökonomische Monster. Warum? Vermutlich weil man Angst vor dem brutalen Todeskampf dieses Ungeheuers hätte, wenn es einmal nicht seine tägliche Ration Kreditgeld zu "fressen" bekommt!
Russlanddeutscher (14.07.2008, 13:01 Uhr)
Die Probleme sind
meiner Ansicht nach viel tiefgehender, als die Frage nach der kurzfristigen Hilfe vom Staat oder Scheinbarkeit einer Stabilität.
Wenn die Wahlen dazu dienen von Problemen im eigenen Land abzulenken, oder die Kandidaten sich nicht trauen vom Wähler etwas zu verlangen oder sich mit Unterdrückern der Mehrheit nicht anlegen wollen, baut man sich eine imaginere Welt auf.
Im Privatleben ist das doch auch so, dass ich erstmal bei mir zu Hause aufräume und mein Heim gestalte und modernisiere und dann erst versuche mit meinen Nachbarn zu verhandeln ob wir für ein neues Kinderspielplatz zusammenlegen, so lange auch Geld vorhanden ist.
Für jeden zugängliche Bildung, Förderung und Forderung. Kein Populismus, Zusammenhalt der Gesellscahft als Ganzes in der sich jeder als ein Mitarbeiter versteht und trotzdem in einer nicht existenzbedrohlichen Konkurenz steht.
Für mich ist klar, dass die Ideologie (Demokratie ist für viele auch nichts anderes als eine Ideologie des Zusammenlebens) ganz stark von der Wirtschaft abhängt.
Für viele, die verschiedene Prozesse nicht überschauen können, bleibt nur die Hofnung, dass sein Staat, seine Religion, sein König, sein Scheich ihn nicht im Stich lässt.
Möchte die russischen 90er Jahre nicht noch mal im Westen erleben. Schreckliche Vorstellung.
Nostradamus (14.07.2008, 12:10 Uhr)
Gegensteuern? Unter keinen Umständen!
Interessant ist, dass wir dann eine Marktwirtschaft und Kapitalismus haben, wenn es gut läuft. Interessant ist auch, dass man keine Steuern auf Aktiengewinne zahlen will, so lange diese sprudeln, man aber dann nach dem Staat ruft, wenn es Verluste und Pleiten gibt.
Privatisieren der Gewinne und sozialisieren der Verluste nennt man das.
Ich denke, eine richtige Weltwirtschaftskrise ist unausweichlich und alle Versuche den Zeitpunkt hinauszuschieben sind zum Scheitern verurteilt, wenn man sich nicht bei jenen schadlos hält, die am meisten die letzten Jahrzehnte von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen profitiert haben.
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