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18. September 2007, 13:33 Uhr

Eine Rad-Revolution kommt ins Rollen

Immer mehr Großstädter fahren mit Rädern, die ihnen nicht gehören - zur Freude der Deutschen Bahn, die Tausende "CallBikes" auf die Straßen gestellt hat. Doch auch im Ausland grassiert das Leihfieber: Paris mutierte von der "Fahrradhölle" zur Leihfahrrad-Hauptstadt. Von Markus Wanzeck

Praktisch und "perfekt für kurze Stadtstrecken" findet Kathrin Krönig die Leihfahrräder in deutschen Großstädten.© Mirco Taliercio/Studio 108

Nach stundenlangem Zugfahren freut sich Kathrin Krönig auf ein Wochenende in München. Zurecht: Als sie aus dem Hauptbahnhof tritt, wird sie von bestem Biergartenwetter begrüßt. Endlich einmal ein warmer Sommertag. Stickige U-Bahn-Schächte gähnen sie an. Jetzt ein Fahrrad, das wär's! Langsam pirscht sich Krönig an ein silbern-rotes Rad heran, das auf dem Bahnhofsvorplatz steht, zupft sich etwas ratlos ihre blonden Haare hinter die Ohren. Sie umkreist das Rad zögernd, betrachtet es von allen Seiten. Bisher hat sie das noch nie gemacht - aber nun, findet die 29-jährige Psychologin aus Heidenheim, ist die Gelegenheit einfach zu gut. Dann geht alles ganz schnell: Sie zückt ihr Handy, ihre Kreditkarte, kurz darauf öffnet sich das Schloss. Jetzt hat sie es also getan. Sie ist Kundin bei "Call a Bike".

Das Mietrad als öffentliches Individualverkehrsmittel - ein urbaner Renner

Die Räder der Deutschen Bahn, die über Straßenkreuzungen und Plätze des Münchner Stadtgebiets verstreut herumstehen, lassen sich vom Fleck weg mieten. Wer mit seinem Handy die auf dem Radrahmen prangende Nummer wählt, bekommt den Öffnungscode für das elektronische Schloss - und los geht's. Zurückgeben kann man das Rad an jeder Straßenkreuzung: Abstellen, Abschließen, Abmelde-Anruf. Acht Cent kostet das Ausleihen pro Minute, für Bahncard-Besitzer sechs Cent. "Eine super Sache", sagt Krönig, "perfekt für kurze Stadtstrecken!" Dann strampelt sie los. Endstation: Englischer Garten.

Sonnfried Weber ist in München regelmäßiger Leihradler. Dieser Freiheitsgewinn ist ihm ein Miet-Takt von acht Cent pro Minute wert.© Mirco Taliercio/Studio 108

Rund fünftausend sogenannte CallBikes hat die Bahntochter DB Rent seit 2001 auf die Straßen deutscher Großstädte gebracht, zunächst in München, dann in Berlin, Frankfurt, Köln. Im vergangenen Jahr nutzten mehr als 45.000 Kunden das Angebot regelmäßig. Mehr als 520.000 Mal wurden die Räder verliehen. Das minutenweise gemietete Velo als öffentliches Individualverkehrsmittel - ein urbaner Renner. Seit Juli 2007 gibt es Call a Bike auch im schwäbischen Stuttgart, einen Monat später hat die Baden-Metropole Karlsruhe nachgezogen. Schon 2008 könnten Düsseldorf und Hamburg folgen. Eine Rad-Revolution kommt ins Rollen.

"Wer ein Glas Milch mag, kauft doch keine Kuh"

CallBike-Pionierstadt München, Odeonsplatz. Im 10-Sekunden-Takt flottieren penibel polierte BMW- und Porsche-Cabrios die angrenzende Ludwigstraße entlang. Sonnfried Weber, perfekt sitzender Anzug, verbindliches Herr-Kaiser-Lächeln, biegt um die Ecke. Er ist sichtlich begeistert von seinem Gefährt. Er strahlt. Er strampelt. Für die kurze Fahrt zur Bank in der Mittagspause hat er sich ein CallBike gemietet.

Weber, Chef der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft, sieht in den Leih-Fahrrädern "die Erfindung schlechthin". Fast täglich schwingt er sich in der Münchner Innenstadt aufs Leihradl. Jederzeit und überall in den Sattel steigen können? Ein Rad benutzen, ohne es zu besitzen? Der fröhliche Mittfünfziger mit der edlen Armbanduhr ist begeistert von der neuartigen und - zumindest stadtweit - vollkommenen Flexibilität: "Wenn ich ein Glas Milch trinken mag, kauf ich doch auch keine Kuh!" Schöner hätte es die PR-Abteilung der Bahn auch nicht sagen können.

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