Kopf, Geld, Jäger

17. Mai 2012, 15:12 Uhr

Die Jagd nach Florian Homm wird immer skurriler. Ein Privatermittler hat auf den Betrüger ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro ausgesetzt. Auch die US-Drogenpolizei sucht den untergetauchten Manager. Von Jens Brambusch

Anleger, Betrug, Anlagebetrug, Florian Homm,  Fondsmanager, Flucht, US-Börsenaufsicht, Privatermittler, Kopfgeld, Spekulant

Anlagebetrüger Florian Homm ist seit 2007 auf der Flucht und wird seitdem von Kopfgeldjägern gejagt©

In der hintersten Ecke der Lobby eines Luxushotels, irgendwo an der Ostseeküste, sitzt eine Gruppe verschrobener Männer. Raue Kerle, der eine trägt T-Shirt, ein anderer Sakko. Einer mit langem Bart und kräftigen Oberarmen ist dabei, einer mit aufgestelltem Jackenkragen und Wollmütze. Auf dem Boden zwischen ihnen steht ein schwarzer Rucksack, ganz dicht an den Füßen.

Die Männer trinken nichts und reden kaum. Sie wirken fremd unter all den Urlaubern hier. Draußen tanzen die ersten Sonnenstrahlen auf dem aufgewühlten Meer, drinnen mustern die Männer misstrauisch ihre Umgebung. Abwechselnd schauen sie zum Eingang und auf die Uhr. Es ist gleich 9.30 Uhr.

Ein Mann in feinem Anzug betritt das Foyer, der Älteste in der Runde nickt, dann raunt er: "Es kann losgehen, der Anwalt ist da." Die Gruppe erhebt sich, geht über die Treppe in den ersten Stock, verschwindet wortlos in einem kleinen Konferenzraum. Nur der Typ mit den kräftigen Armen bleibt draußen, baut sich vor der Zimmertür auf wie ein Schrank. Niemand soll stören bei dem, was hinter dieser Tür abläuft.

Die Kulisse drinnen ist skurril: ein schlichter Tisch vor weißem Hintergrund, eine mannshohe Topfpflanze, davor eine Kamera. Einer der Männer, Josef Resch, kramt eine Edeka-Tüte aus dem Rucksack - und holt 500-Euro-Scheine heraus, Bündel um Bündel. Vor ihm liegen jetzt 1,5 Miollionen Euro auf dem Tisch. In bar.

Es ist das Kopfgeld, das geprellte Anleger auf den untergetauchten Hedge-Fonds-Manager Florian Homm ausgesetzt haben. Gerade haben sie es von 1,1 auf ebendiese 1,5 Millionen Euro erhöht. Das Geld soll helfen, Homm zu kriegen, bevor andere ihn kriegen.

Resch schaut in die Kamera, er ruft zum Verrat auf. "1,5 Millionen Euro für den Aufenthaltsort Homms. In bar", sagt er mit rauer Stimme. Die Kamera filmt die Geldbündel. Resch stellt Fragen, bittet um konkrete Hinweise. Zu einer Jacht, die Homm nutzen soll, zu Konten und Stiftungen, zu gefälschten Identitäten und Geschäftskontakten. Cut.

Am Ende wandern die Scheine unter den Augen des Anwalts, der als Zeuge dienen soll, zurück in die Plastiktüte. Noch am gleichen Tag wird das Geld den Auftraggebern zurückgegeben.

Das Video soll beweisen, dass die Belohnung wirklich existiert. Resch wird es in mehrere Sprachen übersetzen lassen, an diesem Mittwoch soll es bei Youtube online gehen. "Die Welt sucht Homm" heißt der Clip im Netz. In keiner Ecke der Erde soll sich der Gesuchte mehr sicher fühlen.

Übernommen aus der ... "Financial Times Deutschland"

Auf der Flucht

Auf der Flucht
Verschwunden: Über Nacht macht sich Florian Homm im September 2007 aus dem Staub - seitdem ist er verschwunden.

Verklagt: Geprellte Anleger klagen gegen ihn, in London und den USA. Das Problem: Die Klageschrift ist nicht zustellbar, einige Gerichte sehen sich als nicht zuständig.

Verkauft: Investoren engagieren einen Privatermittler, setzen ein Kopfgeld für Hinweise zu Homms Ergreifung aus. Erst 600.000, dann 1,1 Millionen, nun 1,5 Millionen Euro.

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