Andere Bahn-Projekte auf der Kippe

16. Dezember 2012, 15:13 Uhr

Das Großbauprojekt "Stuttgart 21" schluckt mehr Kosten als geplant. Gefährdet der Bahnhof den Ausbau wichtiger Schienenstrecken in Deutschland? Ein Bahnsprecher dementierte.

Bahn-Projekte, Stuttgart 21, S-Bahn, Bahnstrecke, Milliarden, Preiserhöhung

Die "Stuttgart 21"-Baustelle könnte ein Grund dafür sein, dass andere Projekte auf der Kippe stehen©

Die Kostensteigerungen beim Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" gefährden angeblich den Ausbau wichtiger Schienenstrecken in Deutschland. Bahn-Vorstand Volker Kefer legte dem Aufsichtsrat laut "Spiegel" eine Streichliste mit sechs Strecken vor, darunter der vier Milliarden Euro teure Rhein-Ruhr-Express (RRX). Ein Bahnsprecher dementierte, dass es wegen "Stuttgart 21" zum Streichen von Projekten kommen könnte.

Die Bahn hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sie bei dem umstrittenen Tiefbahnhof mit Mehrkosten von mindestens 1,1 Milliarden Euro rechne. Diese wolle der Konzern selbst übernehmen. Hinzu kämen "Risiken" in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Euro. An diesen sollten sich der Bund, das Land und die Stadt Stuttgart beteiligen. Diese lehnen das aber bisher ab.

Dem "Spiegel" zufolge legte Kefer dem Aufsichtsrat der Bahn vergangene Woche eine Streichliste mit sechs Strecken vor, für die zusammen fast neun Milliarden Euro an Kosten veranschlagt seien. Bei den laut "Spiegel" gefährdeten Großprojekten steht an erster Stelle der Rhein-Ruhr-Express (RRX) mit einem Volumen von gut vier Milliarden Euro. Dieses Prestigeprojekt soll den Nahverkehr in den Ballungszentren Nordrhein-Westfalens rund um das Ruhrgebiet und die Rhein-Metropolen Köln und Düsseldorf entlasten.

Keine Fahrpreiserhöhung wegen "Stuttgart 21"

Dem Bericht zufolge ebenfalls gefährdet ist die mit gut 3,6 Milliarden Euro veranschlagte Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, im S-Bahn-Netz von Köln die S13 Troisdorf - Bonn - Oberkassel sowie bei der S-Bahn Rhein/Main die Strecke Bad Vilbel - Friedberg und der viergleisige Ausbau Frankfurt - Bad Vilbel.

Ein Bahn-Sprecher sagte hingegen, wegen "Stuttgart 21" werde es weder eine Fahrpreiserhöhung geben, noch würden wegen des Baus andere Projekte gestrichen oder zeitlich verschoben.

Derweil berichtet die "Wirtschaftswoche", dass die Mehrkosten von "Stuttgart 21" die betriebswirtschaftliche Bilanz des Neubaus weitaus stärker als bislang bekannt gefährden. Die Bahn müsse sich von ihrer üblichen internen Verzinsung der investierten Eigenmittel in Höhe von 7,5 Prozent deutlich verabschieden.

Künast fordert Reaktion der Bundesregierung

Bei gegenwärtig mehr als 5,6 Milliarden Euro Kosten und Eigenmitteln von rund 2,85 Milliarden sinke die Verzinsung knapp unter zwei Prozent, rechnete Vorstandsmitglied Kefer dem Aufsichtsrat nach Informationen des Blatts vergangene Woche vor. Weitere Risiken von bis zu 1,2 Milliarden, etwa für die Flughafen-Anbindung, seien in der aktuellen Preisprognose noch nicht einmal einbezogen. Die Aufsichtsräte wollten alle Kalkulationen nun erst einmal detailliert prüfen, bevor sie überhaupt grünes Licht für die Vorstandspläne geben.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte ein Einschreiten der Bundesregierung. Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Deutsche Bahn wirtschaftlich vernünftig agiert, sagte Künast der "Welt". "Ich frage Frau Merkel: Wie teuer darf Stuttgart 21 noch werden?" Die Regierung trage eine Mitverantwortung daran, dass die Kostenrisiken über Jahre verdeckt wurden.

Nach Ansicht Künasts sollte der Bund seine Aufsichtsratsmandate bei der Bahn nutzen, um Einfluss auf das unternehmerische Handeln der Bahn zu nehmen. "Wenn der Bund tatsächlich weitere Finanzmittel verweigert, müssen auch die Vertreter der Bundesregierung im Aufsichtsrat die DB AG an Fehlinvestitionen hindern", forderte Künast.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...

 

  von Gast 98669: können adoptierte ausländische erwachsene in Bayern studieren?

 

  von Gast 98667: Reisepass abgelaufen

 

  von Gast 98659: palmen in irland

 

  von Gast 98655: Kosten im Pflegefall

 

  von Amos: Maut: jetzt für Autobahnen und Bundesstraßen. Da die Bundesstraßen B 1, B 236 und B 54 mitten durch...