26. Juli 2007, 09:22 Uhr

Prophetenkater sagt den Tod voraus

Ein Pflegeheim in den USA hat wohlmöglich einen Propheten auf vier Pfoten: Der im Heim lebende Kater Oscar scheint genau zu wissen, wann einer der Patienten sterben wird. Bisher lag er schon in 25 Fällen richtig.

Prophetenkater Oscar: 25 mal richtig gelegen©

Der in einem Pflegeheim im US-Staat Rhode Island lebende Kater "Oscar" fasziniert das medizinische Personal mit einer besonderen Fähigkeit: Er scheint den Tod von Patienten vorauszusagen, indem er sich in deren letzten Stunden neben sie legt. In 25 Fällen traf seine "Vorhersage" bislang zu. Das Pflegepersonal ist inzwischen dazu übergangen, die Angehörigen zu verständigen, wenn sich der Kater zu einem Patienten gelegt hat. Denn das bedeutet in der Regel, dass der Kranke noch weniger als vier Stunden lebt.

"Er macht nicht viele Fehler. Er scheint zu verstehen, wenn Patienten am Sterben sind", erklärt der Arzt David Dosa in einem Interview. Er beschrieb das Phänomen in einem Artikel im "New England Journal of Medicine". "Viele Angehörige finden Trost darin. Sie finden es gut, dass die Katze ihrem sterbenden Familienmitglied Gesellschaft leistet", sagt Dosa, ein Facharzt für Altersheilkunde und Medizinprofessor an der Brown-Universität in Providence.

"Oscar" geht auf Visite

Der zwei Jahre alte Kater wurde als Kätzchen adoptiert und wuchs in der Abteilung für Demenz des Pflege- und Rehabilitationszentrums Steere House auf. Dort werden Patienten mit Alzheimer, Parkinson und anderen Krankheiten behandelt. Nach etwa sechs Monaten fiel den Pflegern auf, dass "Oscar" in dem Heim seine eigenen Runden machte, ganz wie die Ärzte und Krankenschwestern. Er riecht an Patienten und beobachtet sie und setzt sich neben Menschen, deren Tod innerhalb weniger Stunden bevorsteht.

"Oscar" scheine seine Arbeit ernst zu nehmen, sagt Dosa. Ansonsten halte der Kater eher Distanz. "Er ist keine Katze, die sich besonders zu Menschen hingezogen fühlt." "Oscar" könne den Tod besser vorhersagen als die Menschen, die in dem Pflegeheim arbeiten, sagt Joan Teno von der Brown-Universität, die Patienten in dem Heim behandelt und Expertin für die Pflege Todkranker ist. Sie wurde von den Fähigkeiten des Katers überzeugt, als dieser zum 13. Mal richtig lag. Bei der Untersuchung einer Patientin stellte Teno fest, dass die Frau nichts mehr aß, schwer atmete und ihre Beine bläulich verfärbt waren - Anzeichen, die häufig auf den bevorstehenden Tod hindeuten.

Ehrung für "mitfühlende Hospiz-Pflege"

"Oscar" blieb aber nicht im Krankenzimmer, und Teno dachte, dass er sich diesmal wohl geirrt habe. Später stellte sich aber heraus, dass sich die Ärztin selbst um etwa zehn Stunden vertan hatte. Und "Oscar" erschien zwei Stunden vor dem Tod der Patientin an deren Bett. Die meisten Patienten, denen die grau-weiße Katze einen Besuch abstattet, sind nach Angaben der Ärzte zu krank, um "Oscar" noch zu registrieren. Sie wissen daher nicht, dass er ihren nahen Tod zu spüren scheint.

Die meisten Angehörigen seien froh über den Hinweis. Eine schlüssige Erklärung für die ungewöhnliche Fähigkeit des Katers gibt es bislang nicht. Dem Pflegepersonal ist das egal, so lange Angehörige mit seiner Hilfe eine größere Chance haben, sich von den Sterbenden zu verabschieden. Kürzlich wurde "Oscar" öffentlich mit einer Wandplakette für seine "mitfühlende Hospiz-Pflege" geehrt.

Ray Henry/DPA
 
 
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KOMMENTARE (10 von 17)
 
DasBertl (15.09.2009, 15:20 Uhr)
Katzen
können vieles und sind wesentlich sensibler als Menschen. (Allein was zum TEIL hier geschrieben wird bestätigt das) Den Tod anderer könnten wir eventuell auch veraussagen; WENN wir unseren 6.Sinn nicht im laufe der evolution abgelegt hätten. Schließlich konnten wir frühger die Gefühle anderer auch erriechen. Ich schätze so ähnlich wirds bei der Katze sein, sie riecht es einfach. Und vermutlich könnten das andere Katzen genauso...
henwen (27.07.2007, 12:06 Uhr)
Verstehen?
Immer wieder kommt es vor, dass Katzen sich zu ihren "menschlichen" Familienmitgliedern gesellen, wenn diese krank sind oder es ihnen einfach nicht gut geht und dabei der koerperkontakt oft intensiver und laenger ausfaellt als gewoehnlich. Vielleicht wollen sie Trost spenden, Waerme oder Naehe. Ich glaube schon, dass Katzen Veraenderungen im Koerper und Verhalten eines Menschen oder anderer Tiere bemerken, auf welche Art auch immer. Sicher sind nicht alle zu so etwas faehig, wie ja auch bei Menschen die Talente oder die Intelligenz unterschiedlich stark ausgepraegt sind.
Fuer mich sind solche Berichte eine Bestaetigung fuer eine Eigenschaft der Tiere, die wir auch mit hochmodernen Versuchsmethoden nie erklaeren oder verstehen werden, weil sie uns selbt abhanden gekommen ist.
Diavolos (27.07.2007, 11:22 Uhr)
O mein Gott
Danke, jetzt bekomm ich jedes Mal Schiss, wenn sich meine Katze zu mir legt. :-)
bernie-abg (27.07.2007, 10:45 Uhr)
Vielleicht gehört das zum Urinstinkt...
...der Mieze. Von großen Großkatzen weiß man das sie sich aus einer Herde Beutetiere immer das schwächste Tier heraussuchen, und das schon vor dem eigentlichen Angriff.Die Beutetiere sind evolutionär darauf konditioniert Schwäche und Krankheit zu verbergen um nicht als Beute ausgesucht zu werden. Trotzdem erkennen Raubkatzen immer das schwächste Tier der Herde.Möglicherweise betrachtet die Mieze die Sterbenden einfach als Beute.
Freaker (27.07.2007, 08:55 Uhr)
@ andreas_n
Mensch Andreas, klar ist deine Katze nicht aufgewacht, wieso sollte sie auch? du warst ja nicht im sterben ;)
Kottner (27.07.2007, 04:12 Uhr)
Von den Katzen kann man viel lernen.
Ich wohne auf einer Insel in British Columbia, Kanada. Die Insel ist bewaldet und wenig besiedelt. Es geht nur eine Strasse vom Sueden zum Norden. Eine meiner Mitarbeiterinnen ist vom Sueden zum Norden der Insel gezogen mit ihrer Katze (eine ungefaehr 20 km lange Entfernung). 3 Wochen spaeter war die Katze in ihrem frueheren Haus wieder aufgetaucht. Wie kann sich das erklaeren? Fuer mich ist es gang klar. Die Katzen besitzen wesentlich feinere Sinne als wir Menschen und daher glaube ich auch die Geschichte von der Katze im Hospiz-Center.
hevosenkuva (27.07.2007, 01:06 Uhr)
warum nicht.
schön finde ich die Verwendung der Rheinischen Verlaufsform: "Er scheint zu verstehen, wenn Patienten am Sterben sind"
Verbrauch (26.07.2007, 18:49 Uhr)
Es ist bestimmt anders.
Oscar sieht den Tod nicht nahen - er bringt ihn.
andreas_n (26.07.2007, 18:34 Uhr)
katze und erdbeben?
never! vor ein paar jahren gab es bei uns in baden-württemberg ein mittelschweres erdbeben. ich war wach, lesend an mein regal gelehnt, so gegen 3 uhr, als plötzlich die wände wackelten, verbunden mit einer nicht unerheblichen geräuschkulisse. meine katze musste ich mit nachdruck aus dem schlaf rütteln. kapiert hat sie nicht, was eigentlich los war. sie ist eigentlich sonst recht clever, aber als erdbebenkatze ein fehlschlag ;)
Clibanarius (26.07.2007, 17:51 Uhr)
Katzenallergie
...halte ich bei 25 "Fällen" für ziemlich unwahrscheinlich. Oder ist es ein Heim für Leute mit Katzenallergie?
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